Düren feiert 100 Jahre Müllabfuhr

100 Jahre Müllabfuhr : Rund 32.800 Tonnen Abfall – jedes Jahr

Die Müllabfuhr in Düren wurde vor genau 100 Jahren gegründet. Das wurde jetzt mit einem Tag der offenen Tür auf dem Gelände des Dürener Servicebetriebes gefeiert.

„Das ist richtig toll. Ich fahre dann jetzt gleich los. Macht es gut!“ Jakob ist vier Jahre alt und sitzt gerade im Straßenreinigungsfahrzeug von Manfred Schmitz. Der Junge dreht an dem großen Lenkrad und bewundert die vielen Knöpfe, die es in der Fahrerkabine gibt. „Zum Glück habe ich den Schlüssel“, sagt Schmitz lachend. „Die Kinder sind immer total begeistert, wenn ich mit meinem Wagen vorbeikomme.“ Für ihn seien es die schönsten Momente des Tages, ergänzt Schmitz, wenn er an einem Kindergarten vorbeifahre. „Dann stehen die Kinder draußen und jubeln mir zu. Ein bisschen fühle ich mich dann wie ‚Tokio Hotel’. Wenn die Kinder die orangefarbenen Autos sehen, die manchmal auch noch blinken, sind die einfach total fasziniert.“

Schmitz ist einer von rund 400 Mitarbeitern des Dürener Service Betriebes. Und die hatten am Samstag alle Grund zu feiern. Weil die Müllabfuhr in der Rurstadt vor genau 100 Jahren gegründet wurde, hatten die beiden DSB-Chefs Richard Müllejans und Ralf Kouchen zu einem Tag der offenen Tür auf das Gelände an der Paradiesstraße eingeladen. Und rund 3000 Dürener sind dieser Einladung gefolgt.

Riesiger Fuhrpark

Jakob hat im Führerhaus eines Straßenreinigungsfahrzeugs gesessen. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Die Menschen hatten Gelegenheit, den großen Fuhrpark des DSB genauestens unter die Lupe zu nehmen, der neben der Müllabfuhr für Straßen- und Kanalreinigung, Winterdienst, Straßenbeleuchtung, Grünunterhaltung, Spielplätze,  Forstwesen, Friedhöfe, Hallenbad und den Dürener Badesee zuständig ist. Da gab es neben dem Straßenreinigungsfahrzeug von Manfred Schmitz riesige Räumfahrzeuge, Müllwagen und Kanalreinigungsfahrzeuge, die viel Technik zu bieten hatten.

„So einen großen Traktor habe ich noch nie gesehen“, staunte die sechsjährige Mia. „Da muss man ja richtig klettern, bis man drin sitzt.“ Die beiden Geschwister Jule und Jonas interessierten sich mehr für die vielen Kettensägen, mit denen die Männer und Frauen der Abteilung Grünpflege und Forstwesen unterwegs sind. „MeineVater hat auch so eine“, erzählte Jule. „Aber nicht so viele. Und Papas Säge ist auch kleiner“

Mit von der Partie waren am Samstag auch die Dürener Feuerwehr, die Johanniter und der Kampfmittelräumdienst Röhll, der die Suche und Bergung von explosiven Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg demonstriert, die computergestützte Oberflächendetektion und viele technische Geräte gezeigt hat.“ Müllejans: „Die Firma Röhll besteht seit zehn Jahren, und wir haben uns entschlossen, gemeinsam zu feiern.“

Dass Düren 1919 eine Müllabfuhr bekommen hat, hat die Stadt Fritz Busche zu verdanken. Der hat vor 100 Jahren alte Fahrzeuge aus Wehrmachtsbeständen auf dem Gelände des alten Schlachthofes abgestellt. Nicole Jäger, Abfallberaterin und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim DSB: „Fritz Busche hat einfach behauptet, dass die mehr als 30 Fahrzeuge immer schon der Stadt gehört haben. Das war aber natürlich eine Lüge.“ DSB-Chef Müllejans ergänzt: „Busche war halt ein improvisierender, zupackender und machender Charakter. Er wollte, dass Düren eine Müllabfuhr bekommt. Und das hat er geschafft.“

Auch Jule und Jonas waren begeistert. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Überall kleine Müllkippen

Bis die Rurstadt eine eigene Müllabfuhr hatte, haben die Männer von der Straßenreinigung den Unrat eingesammelt – wenn die Menschen sie mitten auf der Straße abgelegt hatten. „Ansonsten“, sagt Müllejans, „gab es überall kleinere Müllkippen. Und jeder hatte auch einen kleinen Ofen, mit dem der Müll verbrannt wurde.“

Grundsätzlich sei aber vor 100 Jahren auch nicht so viel weggeschmissen worden. Jäger: „Es gab ja beispielsweise auch viel weniger Verpackungen. Die Menschen haben deutlich weniger Müll produziert als heute. Erst in den 1950er- und 1960er-Jahren hat die Verpackungsflut begonnen, die rund 30 Jahre später zum Müllnotstand und letztlich auch zur Einführung des dualen Systems geführt hat.“ Die ersten wirklich gut abgesicherten Mülldeponien, ergänzte die Abfallexpertin, seien auch erst in den 1980er Jahren entstanden.

Heute produzieren die 92.000 Dürener jedes Jahr um die 12.000 Tonnen Restmüll, 11.000 Tonnen Biomüll, 4000 Tonnen Abfall, der in die gelbe Tonne gehört, 4000 Tonnen Altpapier und 1800 Tonnen-Altglas – macht zusammen 32.800 Tonnen Müll. „Der Restabfall“, sagt Nicole Jäger, „macht dabei etwa ein Drittel des gesamten Müllaufkommens aus, der Rest sind Wertstoffe, die recycelt wer können. In den 1990er Jahren war das genau umgekehrt.“

Die Besucher beim Tag der offenen Tür hat das nur begrenzt interessiert. „Ich bin wegen der Technik hier“, sagte Manfred Weiler aus Nideggen. „Wann kann man diese hochtechnisierten Fahrzeuge schon einmal in Ruhe und aus der Nähe betrachten? “