Stockheim/Düren: Düren als Rückzugsort für die bekannte Clown-Familie

Stockheim/Düren: Düren als Rückzugsort für die bekannte Clown-Familie

Es kommt nur selten vor, dass Starenkästen gute Familienfotos liefern. Wenn Tony Alexis an den Tag zurückdenkt, an dem er in Paris drei Mal geblitzt wurde, stehen ihm noch heute die Tränen in den Augen. Er stellt sich dabei gerne den Gesichtsausdruck der Polizisten vor, die die Bilder auswerten mussten.

Über einen Tag verteilt lieferte die Kamera Bilder eines Wagens, der von einem Clown mit roter Nase und Hut gesteuert wurde. Auf dem Beifahrersitz: ein weiblicher Clown, dahinter zwei Kinder, ebenfalls geschminkt. Während die Erwachsenen immer überrascht gucken, haben die kleinen Clowns von Mal zu Mal mehr Spaß und schneiden Grimassen. Beamtenbeleidigung? Gezielte Provokation? Ach, was! Ein Arbeitstag in der Familie Alexis, die mehrere Auftritte in Lille und Paris meistern musste und es daher etwas eiliger hatte...

Vater Tony, Mutter Jeanette (59), die Söhne Totti (34) und Tonito (24) sind alle Clowns. Ziemlich gefragte sogar. Mit Ausnahme von Nordkorea und China sind sie schon fast überall auf der Welt aufgetreten. Die Familie war mehrfach zum Zirkusfestival von Monte Carlo eingeladen, hat Preise abgestaubt. Ein Großteil des Jahres sind alle auf Reisen. Vater Tony war beispielsweise 15 Jahre lang beim Zirkus Krone, sein Sohn Tonito ist dort der Weißclown. Der Zufall hat Tony und Jeanette Alexis vor 40 Jahren nach Düren geführt. Am Rande der Stadt, im Kreuzauer Ortsteil Stockheim, erwarben sie ein Grundstück, die Söhne kamen in Lendersdorf zur Welt.

„Das ist Heimat für uns“, sagt Jeanette Alexis und meint Stockheim und Düren gleichermaßen. Weil Clowns zwar nicht unbedingt in Rente gehen, aber auch ihnen das Reisen nicht mehr so leichtfällt wie als 30-Jährige, wollen Tony und Jeanette Alexis mehr Zeit an der Rur verbringen. „Ich kann mir vorstellen, ein Haus zu bauen“, sagt sie. Er kann sich mit diesem Gedanken noch nicht ganz anfreunden, preist die Vorteile des Wohnwagens, der Komfort und Freiheit vereine. Ein Clown, sagt er, gehe erst dann in Rente, wenn bei einem Auftritt niemand mehr lache. „Dann werfe ich das Handtuch“, sagt Tony Alexis, der insgeheim hoffen dürfte, dass genau das nie passieren wird.

Vor 60 Jahren kam er in Spanien zur Welt. Sein Vater war Clown, sein Großvater, sein Bruder. Kaum verwunderlich also, dass Tony mit fünf Jahren zum ersten Mal in der Manege stand, in der Stierkampfarena von Sevilla. „18000 Zuschauer haben auf mich und meinen Bruder Jorge geschaut“, sagt Alexis. Beängstigend sei das gewesen — und ein tolles Gefühl zugleich. Er tat, was er heute noch tut: Er blickte den Zuschauern in die Augen. „Egal ob ganz oben oder in der Loge — ein Clown ist für alle da.“

Er liebt das Gefühl, in der Manege zu stehen und Zuschauer zum Lachen zu bringen. Rote Nase, große Schuhe, ein Hut — das sind die wichtigsten Zutaten. „Und ein großes Herz“, fügt Alexis hinzu. Er habe sein Leben lang auf „weißen Humor“ gesetzt: Keine politischen Anspielungen, keine Beleidigungen, keine Scherze auf Kosten anderer. Die beste Schule, sagt er, sei das Leben. „Und die besten Komiker sind Kinder. Wer sie beobachtet, sammelt viele Ideen.“

Dass seine eigenen Söhne Clowns geworden sind, findet er großartig. Er hätte aber auch jeden anderen Berufswunsch unterstützt. Während seine Söhne den Weg des Weißclowns beschritten haben, die Rolle des großen Bruders spielen, der liebevollen Autoritätsperson, mimt er den dummen August, der aus der Reihe tanzt. „Das liegt mir mehr“, sagt er lachend. „Und der dumme August ist am Ende immer der Gewinner.“

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