Drittes Lebenshilfehaus in Düren: Mit Handicap in die eigene Wohnung

Lebenshilfehaus : Mit Handicap in die eigene Wohnung

In der Wohnung von Thomas Peter riecht es angenehm nach Neubau, die Sonne scheint auf seinen kleinen Balkon, drinnen zeigt er stolz seine Deko mit Köln-Panorama („Die schönste Stadt Deutschlands!“) und das Flugzeug-Bild in seiner neuen Küchenzeile. Der 35-Jährige ist sichtlich stolz auf seine erste eigene Wohnung im Lebenshilfehaus III.

Bis vor einigen Wochen lebte er in einer teilstationären Außenwohngruppe der Lebenshilfe, nun aber hat er einen weiteren Schritt hin zu einem selbstständigen Alltag gemacht.

So wie Thomas Peter geht es auch einigen seiner Nachbarn. Insgesamt neun Wohneinheiten à 40 Quadratmetern sind im dritten Lebenshilfehaus am Hämmerchensgässchen entstanden. Hier wohnen Menschen mit Behinderung in eigenen Wohnungen. „Uns ist wichtig, dass unsere Klienten in qualitativ guten Wohnungen leben“, unterstreicht Lebenshilfe-Geschäftsführer Wolfgang Prümm. Er und seine Kollegen haben schon schlechte Erfahrungen mit Vermietern in der Gegend und deren Vorbehalten gegenüber geistig Behinderten gemacht. Aber auch abgesehen davon sei es sehr schwer, Single-Wohnungen in gutem Zustand zu finden. „Wir haben 50 Betreute im städtischen Umfeld, die teils unter miserablen Bedingungen leben“, sagt Prümm. „Deshalb sind wir selbst aktiv geworden und haben Wohnraum geschaffen.“

Das erste Lebenshilfehaus am Hämmerchensgässchen wurde 2009 bezogen, das zweite folgte 2013 an der Danziger Straße und mittlerweile steht neben dem ersten Haus der Neubau des dritten. Noch in diesem Jahr soll Baubeginn für ein weiteres Haus sein. An der Merzenicher Straße wolle die Lebenshilfe dieses Mal aber mit einem Investor arbeiten, kündigt Prümm an.

Am Hämmerchensgässchen entstand das Lebenshilfehaus III (vorne) direkt neben dem ersten Haus, das im Mai 2009 bezogen wurde. Foto: ZVA/Anne Welkener

Die Nachfrage nach den Wohnungen ist groß. Einige Interessenten lebten zuvor bei ihren Verwandten, andere haben wie Thomas Peter die „klassische Lebenshilfe-Laufbahn“ hinter sich, wie Iris Voss erklärt. Sie ist stellvertretende Leiterin des Betreuten Wohnens und erzählt, dass Thomas Peter von der Frühförderungen an Klient der Lebenshilfe ist. Dank der Arbeit in den Rurtalwerkstätten und einiger Freizeitangebote kannte er schon sämtliche Nachbarn, die mit ihm eingezogen sind. Jeder hat zwar seine eigene Wohnung, aber die Wege sind kurz und die Bewohner geben aufeinander Acht.

Abhängig vom Bedarf bekommen sie jede Woche einige Stunden Unterstützung von Betreuern. Bei Thomas Peter sind es 3,75 Stunden. In dieser Zeit hilft ihm jemand zum Beispiel bei Arztbesuchen, Behördengängen und im Haushalt. „Bügeln kann ich gar nicht“, sagt er ehrlich. „Wir haben aber auch schon zusammen Pizza gebacken.“

Die Betreuungszeit ist einer der größten Unterschiede zur Außenwohngruppe vorher. Dort war, wenn er am späten Nachmittag von der Arbeit kam, immer ein Betreuer vor Ort, alle haben gemeinsam gegessen und einiges unternommen. Jetzt kümmert sich Thomas Peter selbst um sein Abendbrot und gestaltet seine Freizeit. „Ich schaue gern Fernsehen“, sagt er und fügt grinsend an: „Am liebsten die Lindenstraße.“

Die zwei Betreuer, die abwechselnd für Thomas Peter da sind, haben viel Wert darauf gelegt, dass es nach der teilstationären Wohngruppe keinen Bruch gab, sondern einen sanften Übergang hin zur eigenen Wohnung. „Vereinsamung ist ein Riesenproblem. Dem müssen wir entgegenwirken“, betont Iris Voss. Gerade in der Übergangsphase zeige sich, wie wichtig ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Klient und Betreuer ist. Schließlich käme da auch mal ein bisschen Heimweh zum alten Zuhause auf. Thomas Peter nickt. „Am Anfang war da schon Wehmut und ich hatte auch mal Angst, dass ich das nicht schaffen könnte. Aber mittlerweile denke ich, hierher zu ziehen war die richtige Entscheidung.“

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