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Nörvenich: Drei kommunalpolitische Urgesteine blicken zum Abschied zurück

Nörvenich : Drei kommunalpolitische Urgesteine blicken zum Abschied zurück

Einmal noch die Vorlagen sortieren, die Aktentasche packen und die Argumente für die eine oder andere kritische Nachfrage der Opposition zurechtlegen: Wenn Ludwig Siepen (71), Josef Steffens (69) und Theo Franken (69) am Mittwochabend zur Ratssitzung in die Neffeltalhalle gehen, ist die Vorbereitung dieselbe wie immer in den letzten Jahrzehnten.

Und doch ist etwas anders. Die drei Polit-Urgesteine der Nörvenicher CDU verabschieden am Donnerstagabend ihren letzten Haushalt. Über 100 Jahre kommunalpolitischer Arbeit liegen hinter ihnen, zusammengerechnet versteht sich, die meisten in verantwortlicher Position in der Fraktionsspitze, als Bürgermeister und Ortsvorsteher. Jetzt tritt das Trio ab. Nach der Kommunalwahl sollen Jüngere ihre Arbeit fortsetzen.

„Es war eine schöne Zeit”, blickt Franken zurück. „Oft nicht einfach. Aber sie hat Spaß gemacht”, ergänzt Siepen mit Blick auf die klamme Gemeindekasse, die allen Kommunalpolitikern in Nörvenich seit Jahren die ehrenamtliche Tätigkeit verleidet.

„Damals, als noch Geld da war, gab es auch bei uns Prestigeobjekte, um die es sich im Rat zu kämpfen lohnte”, erinnert sich Franken nicht ohne Wehmut beispielsweise an die lebhafte Diskussion um den Bau eines Lehrschwimmbeckens am gerade erst geplanten Schulzentrum Mitte der 70er Jahre, die nicht nur im Rat, sondern auch am Tresen intensiv geführt wurde.

„Damals war das Interesse der Bevölkerung an der Politik einfach viel größer als heutzutage”, erinnert sich Siepen gerne an den einen oder anderen politischen Frühschoppen, bei dem er Rede und Antwort stand. Doch schon damals galt für das Trio die Prämisse, die sie heute auch ihren Nachfolgern ins Stammbuch schreiben: „Wir können nur das Geld ausgeben, das wir auch haben”, betont Steffens.

„Und es war angesichts der Folgekosten richtig, dass wir auf das Bad verzichtet haben”, zumal die Kinder auch am Fliegerhorst schwimmen lernen konnten, ergänzt Siepen. Aber auch ohne goldene Schlösser gebaut zu haben, ist das Trio stolz auf das Erreichte.

„Wir konnten stets die Gebühren für die Bürger stabil halten und die Vereine unterstützen”, freut sich Steffens zurückblickend. Ziel der Drei war stets, die Infrastruktur aller 14 Orte weiterzuentwickeln, trotz bescheidener Mittel. In einer Flächengemeinde wie Nörvenich die Herausforderung schlechthin. Der Anschluss aller Orte ans Kanalnetz ist dabei nur ein Beispiel von vielen, der von der Gemeinde unterstützte Bau von Vereinsheimen ein anderes.

„Aber man gewöhnt sich daran, nichts mehr verteilen zu können”, beschreibt Theo Franken die weniger erquickliche jüngere Vergangenheit. Da ist es fast so etwas wie Ironie des Schicksals, dass die Urgesteine just zum Abschied heute Abend den ersten ausgeglichenen Haushalt seit Jahren verabschieden dürfen, allerdings nur auf dem Papier des Neuen Kommunalen Finanzmanagements. Am jährlichen Defizit ändert auch die Buchführungsumstellung nichts, sie kaschiert es nur im ersten Jahr.

Aber auch wenn die Stellschrauben, an denen die Kommunalpolitiker heute drehen können, kleiner geworden sind, machen die Rentner ihren Nachfolgern Mut. „Es lohnt sich auch heute noch, sich für die Gemeinde und die Bürger einzusetzen”, sind politische Ansprechpartner nicht nur für Theo Franken unverzichtbar. „Es sollte sich aber nur derjenige engagieren, der voll und ganz hinter der doch zeitaufwändigen Politik steht”, ergänzt Josef Steffens. „Vor allem muss das Kirchturmsdenken endgültig der Vergangenheit angehören”, wünscht sich Ludwig Siepen. „Die ganze Gemeinde, nicht der einzelne Ort zählt.”