Berlin/Kreis Düren: Drei Dürener Projekte im Verkehrswegeplan

Berlin/Kreis Düren: Drei Dürener Projekte im Verkehrswegeplan

Die Nachricht ließ die Dürener Bundestagsabgeordneten Thomas Rachel (CDU) und Dietmar Nietan (SPD) bereits frohlocken: Mit der Nordumgehung Düren (B399), der Ortsumgehung Golzheim (B264) und dem vierspurigen Ausbau der B56 zwischen Huchem-Stammeln und Jülich sind gleich drei Straßenbauprojekte im Arbeitsentwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans (BVWP) in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ eingestuft worden.

„Projekte, die als ‚vordringlicher Bedarf‘ eingestuft sind, haben eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, bis 2030 realisiert zu werden“, betont Nietan. Für die beiden Umgehungsstraßen laufen die Planungen zum Teil schon seit vielen Jahren, für den vierspurigen Ausbau der B56 haben sie jedoch noch nicht einmal begonnen.

Das Nadelöhr Niederzier-Selhausen. Hier setzt die Bebauung einer Straßenverbreiterung Grenzen. Foto: Abels

Was heißt das konkret? Die 4,6 Kilometer lange Nordumgehung Düren soll von der Einmündung B264/Dampfmühlenstraße in Derichsweiler, entlang der Bahnstrecke Köln-Aachen verlaufen, die Rur in Höhe der Rurstraße queren und dann über das nördliche DSB-Gelände, vorbei am ZOB zur B56 führen. Sie war schon Bestandteil des letzten BVWP. Dass sie nicht umgesetzt werden konnte, lag vor allem an Bedenken der Rurtalbahn, die sich gegen eine Inanspruchnahme des nördlichen Bahnhofsgeländes gewehrt hatte.

„Die Probleme sind mittlerweile ausgeräumt. Wir haben eine Lösung gefunden“, betont der Leitende städtische Baudirektor Heiner Wingels. Die Trasse soll nun auf der bisherigen Eisenbahnstraße verlaufen, ohne große Inanspruchnahme des Bahnhofsgeländes. Dieser Teil des 31-Millionen-Euro-Projekts muss nun im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens noch einmal neu aufgerollt werden, inklusive Offenlage und Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. Wingels geht davon aus, dass dies noch im laufenden Jahr erfolgt.

Mit neuerlichen Widerständen rechnet er nicht, ausreichender Lärmschutz für Norddüren sei berücksichtigt und die Rurtalbahn säße jetzt ja mit im Boot. Damit könnte 2017 der Planfeststellungsbeschluss erfolgen — die Voraussetzung für eine Finanzierung durch den Bund. Denn: Dass ein Projekt in den BVWP aufgenommen wurde, bedeutet noch lange nicht, dass es auch tatsächlich realisiert wird. Die Entscheidung, welche Projekte umgesetzt werden, wird erst mit dem Beschluss der Ausbaugesetze und der Finanzierung durch den Bundestag getroffen.

Das gilt auch für die Ortsumgehung Golzheim. Die zwei Kilometer lange Umgehungsstrecke soll — von Düren kommend — „rechts“ um das Dorf herumgeführt werden. Rund vier Millionen Euro sind für die Straße eingeplant, ein entsprechender Planungsvorentwurf ist in Bearbeitung. Die Umsetzung der von Politik und Bürgern seit Jahren geforderten Süd-Umgehungsstrecke ist jedoch erst mittel- bis langfristig in Sicht, wie Bürgermeister Georg Gelhausen erklärt.

Nur zu Erinnerung: Sein Vorgänger Peter Harzheim und die Politik hatten 2005 schon einmal mit einer Fertigstellung bis Ende 2010 gerechnet. Es kam anders. Zwischenzeitlich war die Umgehung Golzheim schon mal ganz vom Tisch und ist nun auf Initiative von Thomas Rachel wieder in den BVWP aufgenommen worden. „Für viele Menschen ist dies mit Blick auf die Lärmbelastung eine sehr gute Nachricht“, sagt der Bürgermeister. Gleichzeitig gelte es jedoch auch, einen weiteren Aspekt zu beachten: Die Ortsdurchfahrt führe auch entlang von Geschäften und bringe diesen Kundschaft. Eine Umgehungsstrecke wirke sich entsprechend aus. „Auch das müssen wir im Blick behalten“, betont Gelhausen.

Bleibt der vierspurige Ausbau der B56 zwischen Huchem-Stammeln und Jülich, der mit einer täglichen Verkehrsbelastung von 16.000 Fahrzeugen begründet wird. Schon vor zweieinhalb Jahren, als das 52,2-Millionen-Euro-Projekt vom Regionalrat Köln favorisiert wurde, zeigte sich Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser skeptisch. Ein Ausbau könnte sinnvoll sein, betonte Heuser damals, machte aber auch auf die Probleme des Lärmschutzes und fehlendes Platzes aufmerksam. In Selhausen setzt die vorhandene Bebauung einem Ausbau Grenzen — zumindest, wenn an den kombinierten Geh- und Radwegen an beiden Seiten festgehalten werden soll. Probleme, die der Landesbetrieb Straßenbau jetzt lösen muss. Wann mit dem Bau begonnen wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Thomas Rachel fordert die Landesregierung auf, in allen drei Fällen für eine zügige Planung Sorge zu tragen, Dietmar Nietan will alles daran setzen, die Finanzierung im Bundestag sicherzustellen.

Mehr von Aachener Zeitung