Dirigent des Jungen Orchesters gibt letztes Konzert

Der Abschied von John Kikken : 35 Jahre das Junge Orchester dirigiert

Dieses Herbstkonzert des Jungen Orchesters Kreuzau (JOK) werden die Musiker, die weit über 500 Gäste und natürlich der Hauptdarsteller des Abends, John Kikken, nicht so schnell vergessen. Da stimmte alles. Im Festsaal von Kreuzau spürte man zwar die Wehmut, die jedem Abschied von einer prägenden Persönlichkeit innewohnt.

Doch in Gesprächen in der Pause und nach dem Konzert war auch Hoffnung auf ein „Weiter so“ und einen Neuanfang zu spüren. John Kikken dirigierte sein letztes Konzert vor seinen Kreuzauer Musikern und hatte ein entsprechendes Programm gewählt. Jede der über zehn Kompositionen erinnerte an ein bestimmtes Ereignis während der 35-jährigen Zusammenarbeit mit dem JOK.

Die Musiker animierten die Gäste mit Anekdoten aus ihren Proben und Auftritten im In- und Ausland zum Lachen. Da wurde aus dem „Phantom der Oper“ bei einem Wettbewerb im österreichischen Kärnten am Ende des Tages „Das Phantom der Obstler“. Anlass war ein Musikwettbewerb von Bläserorchestern. Zum Unglück der Kreuzauer war ihr Beitrag schon erklungen. Guter Rat teuer? Nicht für John Kikken. Denn das JOK spielte - ungewöhnlich für ein Blasorchester - Melodien aus „Dem Phantom der Oper“. Das dann nach dem Einfluss österreichischer Obstler „Phantom der Obstler“ wurde, konnte nicht verhindert werden.“

Das Publikum in der Kreuzauer Festhalle war einfach begeistert. Zum Schluss mussten das JOK und John Kikken eine Menge Zugaben spielen. Das Orchester, aufgestockt mit etwa 20 ehemaligen Musikern, spielte „Alte Kameraden“, eine Tondichtung, die Profis auch ohne Probe zum Besten geben können. Die Spieler verließen zum Schluss die Bühne und bildeten in der Mittelgasse des Saals ein Spalier: Ehre für eine besondere Persönlichkeit.

Den Einstieg hatte das JOK mit dem Fliegermarsch gemacht, mit dem das Blasorchester sein allererstes Konzert mit Kikken im Frühling 1984 eröffnet hatte. Es folgte „Choral and Rock Out“ von Ted Huggens. Bei „Amsterdam Pictures“ konnten die Hörer auf Rat des Dirigenten bei geschlossenen Augen Amsterdam und sein lautes Leben erleben. Ein Medley von Stücken André Rieus ließ die Menschen ansatzweise im Dreivierteltakt schunkeln. Originalton Kikken: „Rieu ist nach mir der zweitbestbekannteste Mensch in Holland.“

Foto: ZVA/Bruno Elberfeld

„Concerto d`amore“ von Jacob de Haan war ein besonderer Höhepunkt. Die Nachfolgerin Kikkens, Jonneke Hanssen-Moerken, übernahm für diese Komposition den Taktstock.

„Musik verbindet“, hieß das Motto des Abends. Mit Jonneke Hanssen-Moerken neben sich verwies John Kikken auf das allzeit Verbindende der Musik. „Heute sind Deutschland und Holland Gegner im Fußball“, sagte er, „wir aber musizieren friedlich miteinander: das deutsche JOK, der holländische Dirigent John und ab Montag die holländische Dirigentin Jonneke.“

Lieder von Robby Williams, Ohrwürmer von Udo Jürgens sowie „Music“ und Melodien von John Miles vollendeten ein Konzert, wie es in harmonischer Freundschaft mit familiären Touch nur selten zu hören ist.

Eröffnet hatte das Herbstkonzert das „Sinfonische Jugendorchester“ unter der Leitung von Ruth Kniprath. Zu vermerken ist das zunehmende technische Können der jungen Musikerinnen und Musiker, gepaart mit aufblitzendem empathischen Musikverständnis. Das Jugendorchester interpretierte „My Favorite Things“ aus „The Sound of Music“, Highlights From „The Lion King“, Das „Theme“ aus nahezu allen James Bond Filmen and „Seven Nation Army“ erklangen auch.

Bürgermeister Ingo Eßer bedankte sich bei John Kikken im Namen der Gemeinde für sein 35-jähriges Engagement für Kreuzau und Umgebung.

Mehr von Aachener Zeitung