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Dieter Powitz kehrt Düren den Rücken

Leiter von Düren Kultur verlässt die Stadt : Dieter Powitz vermisst die Streitkultur

Dieter Powitz, der Leiter von Düren Kultur, verlässt die Stadt Düren. Ende Oktober verlässt der passionierte Kulturschaffende die Rurstadt, um in Norddeutschland Leiter des Amtes für Bildung und Kultur zu werden.

Der Abschied fällt Dieter Powitz nicht leicht. Das wird besonders deutlich, wenn der 56-Jährige von seinen Kollegen spricht, von einer streitbaren, aber fairen Gesprächs- und Diskussionskultur. Aber auch, wenn er von Projekten erzählt, die ihm besonders am Herzen liegen. „Tanzwärts“ beispielsweise, das Tanz-Gemeinschafts-Projekt, das er vor vier Jahren an der Rur etabliert hat. Trotzdem hat der Leiter von Düren Kultur, einem Zusammenschluss der sieben Dürener Kultureinrichtungen Musikschule, Stadtbücherei, Stadt- und Kreisarchiv, Schloss Burgau, Heinrich-Böll-Haus Langenbroich, Haus der Stadt und Volkshochschule, gekündigt. Ende Oktober verlässt der passionierte Kulturschaffende die Rurstadt, um in Norderstedt in der Nähe von Hamburg Leiter des Amtes für Bildung und Kultur zu werden.

Bevor Powitz Leiter von Düren Kultur geworden ist, war er stellvertretender Intendant am Theater Bielefeld, einem großen Haus mit 350 Mitarbeitern und einem Etat von mehr als 20 Millionen Euro. „In Bielefeld hat mich der Kulturdezernent in sein Steuerungsteam zur Erarbeitung des Kulturentwicklungsplanes berufen. Dabei habe ich eine Ahnung bekommen, wie eine Kommune funktioniert. Das hat in mir damals den Wunsch geweckt, eine Figur auf dem kommunalpolitischen Schachbrett zu werden und wirklich gestalten zu können. Das hat mich auch an der Stelle in Düren gereizt.“

Powitz glaubt, dass es ihm gelungen ist, Düren Kultur zu einer Einheit zu machen. „Es ist gelungen, ein Team zu formen“, sagt er und nennt als Beispiel spartenübergreifende Projekte wie „Heimat. Sehnsucht. Identität“ und den Kulturführerschein der Stadt Düren. „Darüber hinaus ist ‚tanzwärts’ für Düren sicher zu einer identitätsstiftenden Maßnahme geworden“, betont Powitz. „Weil die Teilnehmer, aber auch viele Zuschauer die Stadt als lebendigen Ort auf einmal ganz anders wahrgenommen haben.“ Abschied, sagt der 56-Jährige, heiße für einen Kulturschaffen nicht, dass nichts bleibe. „Ich kann von mir sagen, dass ich mit großem Herzblut dabei war. Und ich denke, dass es mir gelungen ist, Kultur als Gesamtstädtisches im Bewusstsein vieler Menschen dieser Stadt zu verankern.“ „Tanzwärts“ werde es auch Dank seiner großartigen Kollegen, allen voran sein Stellvertreter Thomas König, auch im nächsten Jahr geben. „Die Fundamente sind schon gegossen. Dieses Projekt wird fortgesetzt“, sagt Powitz.

Gleichwohl gibt es auch Dinge, die dem Noch-Chef von Düren Kultur ein „weiter so“ in Düren eben nicht möglich machen. Dass es nie ein Bemühen von Seiten der Stadt gab, dass Düren Kultur und die beiden großen Museen (Leopold-Hoesch-Museum und Papiermuseum) enger zusammenarbeiten, kann er beispielsweise bis heute nicht nachvollziehen. Powitz: „Ich habe in Bielefeld mit einem Kulturdezernenten zusammengearbeitet, der auch bereit war, in die Kontroverse zu gehen. Und bevor ich die Stelle in Norderstedt angenommen habe, habe ich mit der dortigen Oberbürgermeisterin und der Kulturdezernentin in langen und intensiven Gesprächen den Zielkorridor abgestimmt – inhaltlich substanziell, streitbar und so konstruktiv wie ich es in fünf Jahren Düren nicht ein einziges Mal erlebt habe.“

„Wenig Input“

Vom Rur-Kulturdezernenten, der bekanntermaßen gleichzeitig der Dürener Bürgermeister ist, habe er nur wenig Input bekommen. „Natürlich muss und kann man nicht immer einer Meinung sein. „Aber ich will mich sachlich und leidenschaftlich auseinandersetzen können. Und das konnte ich in Düren nicht. Mir hat es an einer klaren Haltung zu bestimmten Themen gefehlt.“

Darüber hinaus hat Powitz natürlich auch die neue Herausforderung in Norderstedt gereizt. „Meine Aufgaben werden sein, das neue Bildungshaus, in dem mehrere Kultureinrichtungen untergebracht sein werden, mit Leben zu füllen und zu einem Ort der Begegnung zu machen – ein Projekt, das bundesweit einmalig ist. Außerdem gehört zu meinen Aufgaben, für das Stadtmuseum ein neues Konzept zu entwickeln.“ Kultur werde von den Verantwortlichen in Norderstedt als echtes Gestaltungsmerkmal verstanden. „Die Stadt liegt im Speckgürtel von Hamburg, will aber keine Schlafstadt dieser Metropole sein.“ A propos Hamburg: Dort hat Powitz mit Unterbrechungen schon einmal 15 Jahre gelebt. „Ich liebe diese Stadt“, sagt er. „Und ich freue mich, wieder zu ihr zurückzukehren.“