Düren: Dienst an Gott: Sakin Sen und der Ramadan

Düren: Dienst an Gott: Sakin Sen und der Ramadan

„In der Türkei spürt man den Ramadan so, wie man hier in Deutschland die Weihnachtszeit spürt”, erzählt Sakin Sen. Und deswegen hat sich der türkischstämmige Dürener auf den Ramadan in diesem Jahr besonders gefreut.

Weil die muslimische Fastenzeit in die Sommerferien fällt, hat er nur anderthalb Tage in Düren verbracht und ist dann zu seiner Familie nach Mittelanatolien gereist. „Hier ist die Gesellschaft auf den Ramadan ausgerichtet”, sagt Sakin Sen.

Gleichwohl ist der Verzicht auf Essen und Trinken zwischen Dämmerung und Abendgrauen im Süden eine noch größere Herausforderung. Die Temperaturen klettern auf 36 Grad, einen festen Tagesablauf wie im Berufsleben gibt es im Urlaub nicht. „Wenn ich arbeiten gehe, bin ich natürlich abgelenkt”, erzählt Sakin Sen. Da würde er Hunger und Durst weniger spüren.

Sakin Sen arbeitet im Schichtdienst in einer Maschinenbaufirma in Aachen. Dort hat er viele Fastenmonate erlebt. Je nach Schicht lässt sich das religiöse Leben mal leichter, mal schwerer in den Arbeits- und in den Schlafrhythmus integrieren. Nicht immer kann das Fastenbrechen mit den Pausenzeiten vereinbart werden. „Aber Allah gibt einem auch Möglichkeiten, das Fasten in das gesellschaftliche Leben zu integrieren.”

Leicht ist die Fastenzeit für den Dürener und seine Familie nicht. Und das soll sie auch nicht sein. „Der Ramadan soll anstrengend und schwer sein”, sagt Sakin Sen. „Wer verzichtet, wird sensibler dafür, was es heißt, arm zu sein.” Während des Ramadans gehe es um den Dienst an Gott, die Nähe zu ihm. Der Verzicht auf Speis, Trank und Geschlechtsverkehr sei dabei nur eine Säule.

Ebenso wichtig ist auch die „inneren Dimension” des Fastens. Im Ramadan geht es darum hilfsbereit zu sein, Geld für arme Menschen zu spenden, gemeinsam zu beten, den Koran zu lesen. Und zugleich sollen auch die Augen fasten - was an Sommertagen in Städten nicht immer einfach ist. „Der Kopf soll mit Gott befasst sein”, erklärt Sakin Sen. Wenn die Seele faste, werde sie von Lasten befreit. Das heiße aber nicht, dass muslimische Familien die Annakirmes in diesem Jahr nicht besuchen dürften. Man müsse es ja nur nicht übertreiben, sagt Sen.

Er findet, dass die christlich geprägte Gesellschaft mittlerweile recht gut über den Ramadan informiert ist. Viele Arbeitgeber seien flexibel, würden auf die veränderten Bedürfnisse eingehen. „Man muss einfach über solche Themen sprechen, den Glauben und die Traditionen erklären”, sagt der Muslim. Und wenn man darüber spreche, finde man viele Parallelen zwischen den unterschiedlichen Religionen. So gehöre es zum Ramadan, sich abends in der Moschee zu treffen, die Gemeinschaft zu pflegen und miteinander zu beten.

„Es gibt Pflicht-, Soll- und Kürgebete”, erklärt Sakin Sen. Und es gebe Gebete in verschiedenen Geschwindigkeiten. „Langsam beten ist besser, aber nicht jeder hat im Arbeitsalltag die Zeit dazu.” Dann werden pragmatische Wege gesucht. Auch die Religion passt sich an veränderte Gegebenheiten an. Die ersten drei Tage des Ramadan, sagen viele Muslime, seien die schwersten, an ihnen ist die Freude auf den Abend besonders groß. Denn wenn die Sonne untergegangen ist, kann gegessen und getrunken werden. „Die jungen Leute neigen dann dazu, richtig viel zu essen. Das aber ist nicht gesund. Der Prophet hat uns geraten, leichte Mahlzeiten zu uns zu nehmen”, erklärt Sen.

Er hofft darauf, dass die Anhänger der unterschiedlichen Religionen offen füreinander und für Gespräche sind. Und dass sie sich nicht von Vorurteilen leiten lassen: „Trotz der Unterschiede können wir als Gesellschaft doch friedlich und gut miteinander leben.”