Nörvenich: Die „vielversprechendsten Talente Europas“ begeistern

Nörvenich: Die „vielversprechendsten Talente Europas“ begeistern

Sie gehören — laut Programm — zu den „vielversprechendsten Talenten Europas“: das Team „The Chambers“ war in Nörvenich zu bewundern. Wie jedes Jahr im Herbst gastierte die „Junge Philharmonie“ Köln wieder auf dem Schloss.

Die Gäste auf Schloss Nörvenich waren von der Leistung der Nachwuchskünstler überzeugt — wie den Kommentaren der Besucher in der Pause und nach dem Konzert zu entnehmen war. Mit einem perfekt technischen Können brillierten die acht Musiker, spielten die Kompositionen wie aus einem Guss, ließen nicht die kleinste Abweichung erkennen, kamen manchmal daher wie ein großes Orchester. Parallel zu der ausgezeichneten Technik war eine empathische Spielfreude der Künstler zu erkennen, die Geist und Seele der Werke überzeugend spiegelte. Für die Besucher bedeutete dieses Konzert mal wieder „wahren Genuss und Klangsinnlichkeit“.

Die acht Kammermusiker stiegen ein mit Antonio Vivaldis (1678-1741) Concorti d-Moll „L Estro Armonico“ (Die harmonische Eingebung) mit den Sätzen „Allegro-Adagio e spiccato-Allegro-Largo e spiccato-Allegro“. Schnell und tänzerisch sprach das Werk von Glück und Freude. Die Violinen übernahmen den ersten Part, das Basso Continuo fuhr volltönend fort, das Cembalo fungierte als Brücke zwischen Streichern und Basso Continuo. Meisterliche Übergänge, sanft herausgearbeitet, verbreiteten Wohlgefühl und Harmonie.

Johann Sebastian Bach (1685-1750) stand mit zwei Kompositionen auf den Programmzetteln: Mit der Ouvertüre aus der „Orchestersuite Nr. 2 a-Moll“, und mit dem „Doppelkonzert für Oboe und Violine c-Moll“. Die Sätze waren mit Allegro-Adagio-Allegro überschrieben. Die Oboe spielte Lyuba Manassieva, den Part der Solovioline oblag Artem Kononov. Es war der grandiose Dialog zweier Instrumente, mehr als meisterlich von den beiden jungen Solisten interpretiert.

Vor der Pause machten die Kammermusiker mit der sogenannten „Gershwin-Fantasie“ einen großen Schritt Richtung Jetzt-Zeit. Mark Gertsel, im Team der Kontrabassist, hat sie komponiert. Um zwei Themen Gershwins — eines darunter das berühmte „Summertime“ — hat der Komponist ein virtuoses Violinspiel gebaut, das das Können von Artem Kononov aufblitzen ließ.

Schnell, dynamisch, virtuos

Alessandro Marcello (1637-1747), Zeitgenosse Bachs und Vivaldis, schrieb, so sagen Experten heute noch, „das erste richtige, solistische Oboenkonzert der Geschichte, das „Konzert für Oboe d-Moll“. Selbst Bach war von der Komposition so angetan, dass er es für das Cembalo bearbeitete. Hervorragende Solistin an der Oboe war auch hier Lyuba Manassieva.

Konzertabschluss waren „Anitras Tanz“ aus dem „Peer Gynt“ von Edvard Grieg, „Gabriels Oboe“ aus dem Film „Mission“ von Ennio Morricone und „La Campanella“ von Paganini, alle der neueren Musikliteratur entsprungen, schnell, dynamisch und virtuos.

(bel)