Düren: Die Stadt Düren und die Lizenz zum Gelddrucken

Düren : Die Stadt Düren und die Lizenz zum Gelddrucken

Professionelle Finanzexperten durchkämmen in diesen Tagen das Rathaus nach Einsparpotenzialen. Nach Jahren der Etatlöcher im zweistelligen Millionenbereich heißt die große Hoffnung in Düren Haushaltssicherungskonzept.

Im kommenden Herbst soll dargelegt werden, wie bis 2011 die Einnahmen und Ausgaben der Stadt wieder ins Gleichgewicht gebracht werden können. In solchen Zeiten könnte man eines gut gebrauchen: Eine Lizenz zum Gelddrucken!

Die gab es für die Stadt Düren wirklich einmal. Zwischen 1917 und 1924 wurde das so genannte Notgeld gedruckt. Die Weichen dafür wurden während des Ersten Weltkrieges gestellt, als der Mangel an Kleingeld immer größer wurde. Die Münzmetalle Gold, Silber, Nickel und Kupfer brauchte der Staat, um den Krieg zu finanzieren.

Schließlich überstieg der Materialwert der Münzen ihren Nominalwert - mit der Folge, dass die Bürger sie lieber im Sparstrumpf behielten. Eine Reihe von Städten, darunter auch Düren, reagierte auf diesen Mangel mit der Produktion von Münzen aus billigem Metall. Nach Ende des Krieges wurde die Geld-Situation im Land dramatischer.

Die Kosten des Waffenstillstands, die Wiedereingliederung der Soldaten ins zivile Leben, die Entschädigung der Kriegsopfer und die Reparationszahlungen führten dazu, dass die Defizite des Reichs mit ungedeckten Bankkrediten finanziert wurden. Die Folge war eine galoppierende Inflation, an deren Ende mit Billionen gerechnet wurde.

Da das Reich mit der Notenpresse bald nicht mehr nachkam, waren Städte und Kreise genötigt, selber Banknoten zu produzieren, damit die Volkswirtschaft nicht völlig zusammenbrach. So erhielten auch Stadt und Kreis Düren die Lizenz zum Gelddrucken.

Es entstanden Scheine mit Beträgen in unvorstellbaren Dimensionen. Und für manche Schein, für den man an einem Tag noch Lebensmittel für die Woche einkaufen konnte, gab es am Tag danach keine zwei Kartoffeln mehr. Im September 1923 bekamen die Dürener bei der Weinhandlung Kockelkorn für eine Leergutflasche 600.000 Mark.

Zur gleichen Zeit kostete der Eintritt zu „Kabale und Liebe”, dargeboten von der Jünglingskongregation St. Maria, 1 Millionen Mark. Und die Summen wurden immer irrwitziger: In einer Anzeige in der Dürener Zeitung vom 10. April 1924 warb die Lebensmittelhalle Tietz mit einem Zuckerpreis von 490 Milliarden Mark pro Pfund.

Viele der damals gedruckten Dürener Geldscheine sind noch erhalten. Längst sind sie zu beliebten Sammlerobjekten geworden. Immer wieder taucht Dürener Notgeld auch im Internet-Auktionshaus Ebay auf. Mit einer Handvoll Euro kann man dort zum Billionär werden - zumindest auf dem alten Papier.

Manchmal schaut auch Helmut Krebs, der Leiter des Stadtarchivs, bei Ebay rein. Vielleicht lässt sich die Sammlung der Stadt, zu der auch die Dürener Münzen und die dazugehörigen Prägestempel gehören, ja noch erweitern.

Im Stadtarchiv