Niederau: Die Skunks sind ruhiger geworden

Niederau: Die Skunks sind ruhiger geworden

Seit der Premiere am Sonntagabend sind in Düren wieder die Skunks aktiv: Bis Karnevalsfreitag werden sie noch acht Mal zu beobachten sein. Laut Wikipedia sind Skunks „in der Regel dämmerungs- oder nachtaktiv. Tagsüber ziehen sie sich in Verstecke zurück, das können selbstgegrabene oder von anderen Tieren übernommene Baue sein.”

Im aktuellen Fall handelt es sich nach dem Verlassen des evangelischen Gemeindehauses um den Rittersaal von Schloss Burgau. Dort präsentiert die Skunk KG aus dem Komm-Zentrum unter dem Motto „My castle is my home” die zehnte Auflage ihrer kabarettistischen Karnevalsrevue.

So steht es im Programmheft, und damit müsste eigentlich auch die erste Zeile des traditionellen Schlussliedes der Stinktiere umgeschrieben werden, in der es heißt: „Hier herrscht Chaos und Anarchie!” Von beidem gibt es keine Spur mehr, die Skunks sind ruhiger geworden - was nicht heißt, dass die Show dadurch verliert.

Hintergründige Kritik

Wer allerdings 41 Programmpunkte in vier Stunden packt, riskiert naturgemäß, dass die eine oder andere schwächere Darbietung dabei ist. Umso deutlicher ragen gute Nummern heraus. Allen voran kurz vor Schluss der „Figurenbrunnen”. Wunderbar, wie die Sehnsucht der historischen Originale nach ihrer alten - natürlich schöneren - Zeit aus tiefster Seele vorgetragen wird, auf unverfälschtem Platt und auf abgedunkelter Bühne, was der Nummer endgültig Tiefe verleiht.

So still ist es unter den 130 Zuschauern nur noch bei dem bezaubernden Schwarzlichttanz einer Ballerina. Das Gegenteil liefert vor der Pause ein Schmählied auf Düren, in dem ohne Nennung von Gründen die Stadt schlecht gemacht wird, in deren Räumen man gerade spielt.

Ansonsten gibt es wie immer hintergründige Kritik an den handelnden Personen der Dürener Gegenwart wie Bürgermeister Larue, Baudezernent Hans Wabbel und dem Lieblingsopfer der Stinktiere, Landrat Wolfgang Spelthahn. Alles verpackt in Sketche, bei denen es immer eine zumindest lose Bindung an den roten Faden des Abends, das Leben in einer WG, gibt. Dabei geht es nicht nur um Personen, sondern auch beispielsweise um den Hype um Bau und Eröffnung des neuen Baumarktes an der Umgehungsstraße. Seine Bewunderer gestehen auf der Bühne, täglich dorthin zu fahren. Dabei werden sie jedes Mal geblitzt, aber „´ne gute Flex ist besser noch als Sex!”

Natürlich blicken die Skunks auch über den Tellerrand, haben zu Guttenberg ebenso im Blick wie Berlusconi, Neonazis und Sarrazin, der in einer Spitzenparodie zur Handpuppe eines Bauchredners wird. Da kommt genau so viel Freude auf wie beim Auftritt eines Obdachlosen, der einer Hausfrau am Beispiel eines Kölschglas-Diagramms die ungerechte Verteilung von Besitz in Zeiten von Hartz IV erklärt. Wozu er natürlich den Inhalt der Gläser durch Nippen, An- und Austrinken verändern muss.

Musikalisch glänzen die Skunks vor allem dann, wenn große Nummern mit nahezu komplettem Ensemble anstehen. Da geht es mal um „Eisbein” statt irgendwelcher kulinarischer Verrücktheiten, ein anderes mal um Urlaubsträume der kleinen Leute oder aber um die von den Stammbesuchern sehnsüchtig erwartete Schlussrunde mit dem Lied der Skunk KG. Dieser letzte Auftritt der Stinktiere garantiert Jahr für Jahr einen Abgang unter stehenden Ovationen.

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