Merken: Die Schüler sind auf den Geschmack gekommen

Merken: Die Schüler sind auf den Geschmack gekommen

Eigentlich ist es wie in einer großen Familie: Jeden Tag sitzen alle zusammen am Esstisch und freuen sich auf das Mittagessen. Nur muss Wioletta Perlinska zweimal decken. 25 Kindern der Offenen Ganztagsschule in Merken serviert die 45-Jährige jeden Wochentag eine in der Schulküche zubereitete Mahlzeit.

„Es soll den Kindern schmecken“, verrät sie ihr Lieblingsrezept. Gesund soll die Kost natürlich auch sein. Deswegen verzichtet die Köchin auf Tütchen, Tiefkühlprodukte und Fast-Food. Und auch Fleisch steht nicht ganz oben auf dem Speiseplan. „Ich koche so, wie es ich es von meiner Mutter gelernt habe“, sagt Wioleta Perlinska. Und bei den Schülern kommt das gut an. Sehr gut sogar.

Als vor fünf Jahren die Offene Ganztagsschule in Merken eingerichtet wurde, setzte der Kinderschutzbund Düren als Träger zunächst auf einen Dienstleister mit Zentralküche. Die Speisen wurden vor Ort nur erwärmt. Diese Lösung ist in Stadt und Kreis Düren weit verbreitet. Doch der Träger schwenkte um, stellte nach Absprache mit der Stadt Düren im Rahmen eines Arbeitsprojektes Wioleta Perlinska und ihre Kollegin Mercy Franken (36) als sogenannte Bürgerarbeiterinnen ein. Seitdem wird jeden Tag in Merken gekocht. Auch an weiteren Offenen Ganztagsschulen, die in Trägerschaft des Kinderschutzbundes sind, geschieht dies. Etwa 250 Essen gehen pro Tag raus, 25 bis 30 davon in Merken. Die Verpflegung — inklusive Obst und Gemüse-Knabbereien am Nachmittag — kostet dort 2,50 Euro, wird aber künftig um 20 Cent teurer.

„Frischer geht es nicht“, begrüßt Schulleiterin Eva-Maria Rinkens-Seebald die Entscheidung. Nach mehreren Monaten Erfahrung kann sie sagen: „Die Akzeptanz für die Schulverpflegung hat sich erhöht.“ Auch von Seiten der Eltern sei der Schritt begrüßt worden. Ihren Dank richtet die Schulleiterin auch an die Stadt Düren, die zunächst Geld in die Küchenausrüstung investieren musste. So müssen laut Hygieneverordnung beispielsweise zwei Kühlschränke in der Küche stehen, damit rohes Gemüse getrennt von gegarten Lebensmitteln gelagert werden kann. „Frisch, regional und saisonal“ sei der Speiseplan, erklärt Eva-Maria Rinkens-Seebald. Wenn es Fleisch gibt, werde dies bei der örtlichen Metzgerei gekauft. Das Gemüse komme ebenfalls weitgehend aus dem Umland.

Den Wochenplan stellen Wioleta Perlinska und Mercy Franken selbstständig auf. Auf den Bedarf können sie dabei sehr spontan reagieren: Jeden Morgen geben die Kinder die von den Eltern zuvor gekauften Essensmarken ab — gekocht wird dann genau auf den Punkt. „Wir achten darauf, dass es kein Fast-Food gibt“, sagt Wioleta Perlinska. Stattdessen bietet sie an manchen Tagen auch Spezialitäten aus ihrer polnischen Heimat an: Piroggen und Sauerkraut beispielsweise, alles hausgemacht. Nach anfänglichem Zögern hätten die Kinder schnell Gefallen daran gefunden, auch einmal ein kulinarisches Experiment zu wagen. Pommes gibt es dann aber auch schon einmal für die Kinder. Ganz ohne Klassiker kommen die Köchinnen nicht aus. „Wir machen die Fritten aber selber“, sagt Mercy Franken. Wenn es einmal Pizza gibt, wird morgens ein Hefeteig angesetzt. Der Arbeitstag beginnt um 8.30 Uhr, um 16 Uhr ist die Küche wieder blitzblank. Sollten plötzlich mehr Kinder am Tisch sitzen, muss niemand hungrig bleiben: Für solche Fälle gibt es immer einige „Notrationen“, die schnell zubereitet werden können.

Finanziert wird das Angebot komplett über die Elternbeiträge. Sowohl Mercy Franken als auch Wioleta Perlinska verfügen über Gastronomieerfahrung. Zu den Themen Hygiene, Qualitätsmanagement und Dokumentation aller Warenströme wurden sie geschult. Beide Frauen hoffen, wieder Fuß im Berufsleben zu fassen. „Unser Ziel ist eine Weiterbeschäftigung“, sagt Markus Granrath, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes. Die Bürgerarbeit ist auf zweieinhalb Jahre befristet. „Mittlerweile rufen Schulen an, um sich über das Angebot zu informieren“, sagt Granrath. „Unsere Kinder sind auf den Geschmack gekommen“, findet Eva-Maria Rinkens-Seebald.

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