Aachen/Düren/Heinsberg: Die Region schaltet erneut im Streikmodus

Aachen/Düren/Heinsberg: Die Region schaltet erneut im Streikmodus

Für Anne Linden ist diese Aussage mit Sicherheit ein Graus. Denn die Aseag-Sprecherin ist es gewohnt, bei Bedarf minutengenaue An- und Abfahrtszeiten der Bus-Flotte des kommunalen Verkehrsunternehmens in der Städteregion Aachen zu nennen.

Doch am Mittwoch zählen andere Regeln, die im laufenden Tarifstreit im öffentlichen Dienst vor allem von Verdi und der Komba-Gewerkschaft aufgestellt werden.

Und so sagt Linden mit Blick auf den nunmehr zweiten Warnstreiktag in der Aachener Region: „Unsere Kunden sollten sich darauf einstellen, dass kein Bus kommt, und sich am besten über Alternativen informieren.” Zwar seien die Auftragsunternehmer der Aseag in weiten Teilen vom Streik nicht betroffen. Dennoch: „Ein planmäßiger Linienverkehr kann am Mittwoch nicht gewährleistet werden”, sagt Linden.

Der kommunale Personennahverkehr ist mit einem ganztägigen Warnstreik Schwerpunkt der Aktionen. Es drohen massive Behinderungen vor allem auf den großen Straßen in und rund um Aachen.

Am Bushof war es am Mittwochmorgen deutlich ruhiger als an normalen Tagen. Streikposten waren nicht in Sicht, dafür aber auch kaum Busse, die den innerstädtischen „Umschlagplatz” sonst im dichten Takt passieren.

Eine Service-Hotline (Telefon 0241/1688-3010) ist geschaltet. Wie die Aseag, die an einem normalen Werktag rund 220.000 Fahrgäste zählt, schaltet auch das durch den Kreis Heinsberg rollende kommunale Busunternehmen West Energie und Verkehr auf Streikmodus.

Wie vor zwei Wochen gibt es einen Notfahrplan: Gemeinsam mit Vertragsunternehmen sollen Busse auf sieben Linien durch den Kreis Heinsberg rollen. Auf den anderen Linien wird es hingegen nur vereinzelte Fahrten geben.

Während also viele Busse in den Depots bleiben werden, drängen sich am Mittwochmorgen hingegen zahlreiche von Verdi und Komba gecharterte Omnibusse auf der Autobahn 4 in Richtung Köln.

Dort wollen die Beschäftigten Verdi-Chef Frank Bsirske und Vize-Kombachef Frank Stöhr hören. Rund 2000 Gewerkschafter will die Aachener Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Corianna Groß zum Heumarkt kutschieren lassen, weitere 500 rollen per Komba-Ticket in die Domstadt, sagt der regionale Komba-Chef Hubert Meyers, um dort bei der gemeinsamen Demo Flagge zu zeigen. Dies alles zu organisieren, sagt Meyers, ist schon „ein wahnsinniger logistischer Aufwand”.

Den müssen in der Region auch viele Eltern betreiben. Denn so manche Kita wird ihre Türe nicht öffnen. In Sachen Notbetreuung hat die Stadt Aachen unter 0241/432-45219 eine Servicehotline eingerichtet.

Die Stadt Düren hat die Eltern der Kindergartenkinder vorab über den angekündigten Warnstreik informiert und richtet in den städtischen Kitas wie in früheren Fällen wieder Notgruppen ein, erklärte Pressesprecherin Margret Hanuschkin.

Notgruppen wird es auch in Kitas anderer Städte wie Alsdorf oder Stolberg geben, die bestreikt werden. „Wir werden voraussichtlich nicht alle Betreuungswünsche erfüllen können”, sagt jedoch Alsdorfs Erster Beigeordneter Ralf Kahlen.

Auch in anderen Bereichen kommt es zu Beeinträchtigungen, wobei die Intensität von Kommune zu Kommune unterschiedlich ist. Betroffen ist vor allem Aachen, wo erstmals in diesem Tarifkampf die Müllwerker keine Tonne anfassen werden; im Gegensatz etwa zum kommunalen Müllunternehmen Regioentsorgung, das wie gewohnt in elf Städten und Gemeinden den Abfall sammelt.

Zudem wird in zahlreichen Rathäusern sowie in den kommunalen Krankenhäusern in Würselen und Düren gestreikt, aber beispielsweise auch in den Rurtalwerkstätten der Lebenshilfe Düren, im Aachener Studentenwerk oder im Mechatronikzentrum der Bundeswehr in Jülich.

Während zahlreiche Arbeitgeber nicht von großen Beeinträchtigungen am Mittwoch ausgehen, machen sich die Gewerkschafter um die Streikbereitschaft keine Sorgen.

„Die Stimmung ist gut, wir sind bereit, in den nächsten Wochen weitere Arbeitskampfmaßnahmen einzuläuten”, meint Marc Topp, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats der Aachener Stadtverwaltung.

Und übrigens: Auch wenn viele Busse in den Depots bleiben - Autofahrer dürfen die Busspuren auch am Streiktag nicht als Stau-Ausweichspur nutzen, sagt Polizeisprecherin Sandra Schmitz mit Blick auf den kommenden Streiktag am Mittwoch.

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