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Ellen: Die neue Hambachbahn schlüpft unter die alte A4

Ellen : Die neue Hambachbahn schlüpft unter die alte A4

Trotz der vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anhängenden Klagen gegen die Verlegung und den Ausbau der A4 zwischen Düren und Kerpen laufen die Vorbereitungen für den Beginn des Mammutprojekts auf Hochtouren.

„Im Moment läuft das Ausschreibungsverfahren für die ersten Arbeiten”, erklärt Gregor Uhoda, Sprecher des Landesbetriebs Straßenbau in Aachen. Denn die Klagen haben keine aufschiebende Wirkung.

Anfang September soll der offizielle Startschuss erfolgen, mit dem Bau einer Brücke der L264 über die künftige Trasse bei Merzenich, wo eine neue A4-Anschlussstelle entstehen wird. Und obwohl sich die Bauarbeiten an dem rund 17,7 Kilometer langen Teilstück - Verlegung und sechsspuriger Ausbau - voraussichtlich bis 2015 ziehen werden, beginnt der Landesbetrieb schon Ende des Jahres mit ökologischer Baubegleitung, legt Ausgleichsflächen und Schutzkorridore an, damit der Verkehrslärm mit Fertigstellung der A4 bereits spürbar eingedämmt wird, so Uhoda weiter. 2017 werden die Bagger die jetzige A4 erreichen.

Schon drei Jahre früher nähert sich die Abbaukante der Hambachbahnstrecke, auf der die Braunkohle aus dem Tagebau zum Kraftwerk befördert wird. Um die Stromversorgung nicht zu gefährden und den Verkehr so wenig wie nötig zu beeinträchtigen, hat sich RWE Power entschlossen, ihre Hausbahn bereits früher zu verlegen, erklärt Pressesprecher Manfred Lang auf Nachfrage. Die ersten Rodungsarbeiten sind bereits abgeschlossen.

In den nächsten Monaten wird für die neue Hambachbahn eine Unterführung unter die alte Autobahn gebaut. „Das ist zwar kostspieliger als ein paralleler Ausbau, ermöglicht uns aber, einen Großteil des Erdaushubs in den Tagebau zu transportieren, ohne dass wir öffentliche Straßen benutzen müssen”, erklärt Lang weiter.

Denn die Hambachbahn wird in so genannter Einschnittslage verlegt, das heißt in einem bis zu zwölf Meter tiefen Graben. Rund sechs Millionen Kubikmeter Erdreich müssen für die rund 15 km lange Gleistrasse bewegt werden, davon allein rund 2,4 Mio. m3 in den Tagebau Hambach.

Die Autofahrer auf der A4 werden durch den Bau der Hambachbahn-Unterführung nur geringfügig beeinträchtigt. Während die jetzige Fahrbahn Platz für das benötigte Brückenbauwerk machen muss, wird der Verkehr mit verminderter Geschwindigkeit auf einer Ausweichpiste an der Baustelle vorbeigeführt. „Es bleibt auf jeden Fall bei zwei Spuren je Fahrtrichtung”, erklärt Gregor Uhoda vom Landesbetrieb Straßen.

RWE Power rechnet mit der Fertigstellung des Bauwerks bis April 2009. Die Gesamtkosten der Hambachbahnverlegung werden vom Energiekonzern bis 2013 mit 113 Millionen Euro angegeben, Straßen NRW rechnet nach heutigen Preisen für Ausbau und Verlegung der A4 mit 135 bis 140 Millionen Euro (inklusive Grunderwerb), an denen RWE Power als Verursacher der tagebaubedingten Verlegung ebenfalls beteiligt wird.