Düren: Die neue Direktorin Anja Dorn will Dürens Museen bei den Bürgern verankern

Düren : Die neue Direktorin Anja Dorn will Dürens Museen bei den Bürgern verankern

Soll ich etwas zur Kunst im öffentlichen Raum sagen? Dieser eine Satz, formuliert als Frage, ganz zum Schluss des Gesprächs mit der neuen Museumsdirektorin Anja Dorn, ist fast unwichtig. Er gibt aber dennoch eine Ahnung von dem, woran der künftigen Chefin des Leopold-Hoesch-Museums und des Papiermuseums gelegen ist: sich in aktuelle Diskussion einzumischen, den Dialog zu fördern und Themen auch selbst zu setzen.

Der Spagat, den Dorn dabei bewältigen muss, ist kein leichter. Es ist auf der einen Seite der vorgegebene Anspruch, das renommierte Museum in Düren so zu verankern, dass es von den Bürgern angenommen wird. Die andere Seite: in dieser Institution weiter auf internationalem Niveau arbeiten zu wollen.

„The Conference of the Birds“ von Ulrich Rückriem an der Decke des Hoesch-Museums hat Anja Dorn mit davon überzeugt, in Düren tätig werden zu wollen. Foto: Peter Hinschläger

Für Dorn ist beides miteinander vereinbar — ohne große Verrenkungen. Aber auch ohne eine Unterteilung, die in Düren gerne schon mal vorgenommen wird. Etwa: das Hoesch-Museum habe internationale Bedeutung, das Papiermuseum sei das lokale Spielfeld. „Das ist fatal. Das Papiermuseum ist keine Dürener Bastelstube. Das, was hier geschieht, soll internationale Relevanz haben“, stellt sie klar. Zum Beispiel über einen verstärkten Austausch mit internationalen Künstlern, aber auch mit relevanten Themen. Die will Dorn in beiden Museen setzen. „Der nationale Kunstbetrieb fokussiert sich sehr stark auf die Gegenwartskunst. Aktuelle Themen kulturhistorisch aufzuarbeiten findet kaum noch statt“, sagt sie und will hier künftig Schwerpunkte setzen.

Kunst habe immer auch die Aufgabe, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, zur politischen Diskussion beizutragen, sich einzumischen. So versteht Dorn ihre Aufgabe und macht es an Beispielen fest. Beim Thema Papier etwa landet man schnell bei Johannes Gutenberg. „Man hat ja den Eindruck, dass mit Gutenbergs Buchdruck Vernunft in die Gesellschaft eingekehrt ist. Als erstes wurden aber Schmäh- oder Hetzschriften gedruckt“, sagt Dorn. Die Parallele, wie man mit Blick auf die Sozialen Medien Formen des Umgangs findet, liegt nahe und könnte ein spannendes Thema sein.

Oder die Frage, wie die Industrie die Landschaft der Region geprägt hat. Ausgehend von dem Gemälde eines Dürener Blechwalzwerkes im 19. Jahrhundert könne man Biografien erzählen, schauen, wie die Landschaft die Menschen geprägt hat — und umgekehrt. Man könne Regionen vergleichen, zum Beispiel die ebenfalls vom Tagebau geprägte Lausitz, hier in einen Dialog treten. Dabei geht es Dorn in diesem Fall noch nicht mal darum, den bevorstehenden Strukturwandel zu thematisieren. Aber: Den hat es auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben. „Ein Weiter gibt es immer, aber welche Wendungen gibt es?“, fragt sie sich.

Mit Fragen beschäftigen

Dabei wird sich Anja Dorn gerade in den ersten Wochen ihres Dienstantritts zum 1. August mit ganz anderen Fragen beschäftigen müssen. Sie muss sich einen genauen Überblick über das Papiermuseum verschaffen, das nur wenige Tage später öffnen wird, es gilt die Kollegen und die Menschen aus anderen Kulturinstitten kennenzulernen, die Sammlungen des Museums genau anzuschauen — auch, um daraus wieder Ideen für neue Ausstellungen zu ziehen. Was sie schon jetzt begeistert: „Es gibt ein großes Engagement in dieser Stadt und die Bereitschaft, etwas mitzugestalten.“ Das will sie für ihre Arbeit nutzen.

Da schließt sich auch der Kreis zu dem von ihr angestrebten Dialog. Dorn versteht ihn nicht nur als Austausch mit dem und über das Museum, sondern auch als Möglichkeit, dem Bürgerengagement einen eigenen Beitrag hinzuzufügen. Wie bei der aktuellen Diskussion um die Kunst im öffentlichen Raum. Ihr gehe es dabei um Aufenthaltsqualität, bei der sie helfen wolle, diese mit Beiträgen des Museums zu verbessern.

„Der öffentliche Raum ist immer auch ein sozialer Raum. In dem muss man Kunst nicht unbedingt auf einen Sockel stellen“, sagt sie. Performance könne Räume beleben, Künstler könnten Gebäude gestalten. Auch da könnte sich in ein paar Jahren ein Kreis schließen. Dorn hat zuletzt viele Jahre eine Lehrtätigkeit in Karlsruhe ausgeübt und hat länger überlegt, ob sie wieder in den Kulturbetrieb einsteigen soll. Überzeugt habe sie die Architektur des Hoesch-Museums und das Deckengemälde von Rückriem. „Hier kann ich an einem Ort arbeiten, wo man sich freut, morgens hinzukommen“, sagt sie.

Vielleicht kann sie dazu beitragen, dass das künftig mehr Menschen in Düren für sich sagen können — zum Beispiel Kinder und Jugendliche, die in eine von einem Künstler verschönerte Schule gehen — vom Hoesch-Museum vermittelt. Und, wenn es um den öffentlichen Raum geht, nimmt sie das Museum davon nicht aus. Auch das, so ihre Vorstellung, soll als sozialer Ort verstanden werden.