Düren: Die Natur inspiriert die Künstlerinnen

Düren: Die Natur inspiriert die Künstlerinnen

Die Eröffnung zur ersten Herbstausstellung im Atelier Susanne Gunkel-Lüttgen fällt auf einen ganz besonderen Tag, auf den Geburtstag der Gastgeberin nämlich. Und so mischen sich unter das Vernissage-Publikum auch Freunde und Familienmitglieder, die die Arbeiten der Gastkünstlerin Stefanie Freialdenhoven bewundern.

Die 46-jährige Indenerin malt seit gut zehn Jahren, hat sich auf eine Maltechnik spezialisiert, die sie als „experimentelle Acrylmalerei auf Strukturbasis” beschreibt. Wie man sich das vorstellen kann? Stefanie Freialdenhoven bringt Papiere, Sumpfkalk, Marmormehl und Sand auf Leinwand auf. Je nach Trocknungsbedingungen entstehen grobe oder feine Risse, die sie mit Farbe weiter bearbeitet.

Große Risse werden durch schnelle Trocknung hervorgerufen, die man zum Beispiel erreicht, indem man die bearbeitete Leinwand in einer schönen Sommerwoche in den Garten legt. Freialdenhoven zeigt sich offen gegenüber dem Ergebnis solcher Prozesse. Das Spiel mit Materialien beschäftigt sie hauptsächlich in ihrem Schaffen.

Manchmal sind es auch Themen oder Motive, die sie bewegen. So war sie bei einer Reise nach Südfrankreich dermaßen fasziniert von dem morbiden Charme der dort vorherrschenden — teilweise maroden — Fensterläden, verlotterten Aufklebern, die längst vergangene Veranstaltungen ankündigten, und Graffiti, dass sie diese Eindrücke in abstrakte Malerei übersetzte. Hauptsächlich findet sie ihre Themen aber weniger in der Urbanität als in der Natur, genauso wie Gastgeberin Susanne Gunkel-Lüttgen.

Die 54-Jährige lässt sich zum Beispiel von einem Pfirsichkern inspirieren, den sie in Scheiben sägt, um die organische Form als Inspiration für ihre Silberarbeiten zu benutzen. Sie zeichnet den Abdruck ab, sägt ihn aus und verarbeitet ihn zu einem Anhänger. Die Goldschmiedin und Schmuckgestalterin arbeitet mit Silber, Gold, Palladium, Kupfer, Perlen, Edelsteinen und verschiedenen Obstkernen, die — abgeschliffen und veredelt — wie Schmuckstücke wirken.

Im Umgang mit Material und Form sehen die Künstlerinnen eine Gemeinsamkeit zwischen ihren Werken: „Ich finde etwas vor und lasse mich darauf ein”, sagt Susanne Gunkel-Lüttgen über den Entstehungsprozess ihres Schmucks. „Das Material gibt einen Weg vor und ich folge,” ergänzt Stefanie Freialdenhoven. Ursprünglich hatte Freialdenhoven die Schmuckdesignerin Gunkel-Lüttgen entdeckt. Für die von ihr ins Leben gerufene Indener Reihe „Kunst trifft Handwerk” war sie als Scout in Düren unterwegs, als sie die Kunstwerke von Gunkel-Lüttgen entdeckte und für ausstellungswürdig erachtete. Die Einladung nach Düren ist folgerichtig.