Düren: Die Nase mal wieder in die Kirche stecken

Düren: Die Nase mal wieder in die Kirche stecken

Bei der Nacht der offenen Kirchen zeigen sich die Dürener Gotteshäuser so, wie die Besucher sie sonst nicht kennen: Für Konzerte und Meditation werden tausende Kerzen entzündet, für Tanzperformances und Kunstausstellungen die Stühle zur Seite geräumt, für gemeinsames Speisen die Tische zusammengerückt.

An zwölf Veranstaltungsstätten laden Vertreter der Gemeinden am Freitag, 1. September, zu einem besonderen Abend in den Kirchen ein.

Breakdancer werden in der Nacht der offenen Kirchen in der Christuskirche zu bewundern sein. Pfarrer Dirk Siedler, die Vorsitzende des Katholikenrates Monika Ollig und der Regionaldekan Hans Doncks freuen sich auf ein breit gefächertes Programm (kleines Bild, v.l.). Foto: Kinkel / Toussaint

„Wenn wir keine Nacht der offenen Kirchen hätten, müssten wir dringend eine machen“, sagt der Dekan für die Regionen Düren und Eifel, Hans Doncks schmunzelnd. Das vielfältige Programm bringe viele Menschen in die Kirchen, die dort sonst nicht zum Stammpublikum gehörten. „Dabei werden die Kreise aufgebrochen, in denen die meisten sich sonst bewegen“, ergänzt Dirk Siedler, Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Düren.

Interkulturell offen und auf alle Generationen ausgerichtet präsentiert sich das Programm der Kirchennacht. Unter dem Titel „Miteinander verwoben“ findet in der Alten Kirche in Niederau eine Aktion für Grundschulkinder statt, anschließend essen die Besucher gemeinsam mit Niederauer Flüchtlingsfamilien. In der „Jugendkirche“ Dürens, der Christuskirche, werden die Stühle beiseite gerückt, um Platz für den Jugendchor, das Orchester des Stiftischen Gymnasiums, die Soul-Jazz-Band „Kwini“ und eine Breakdance-Crew zu machen. Der Jugendtreff „Underground“ richtet außerdem eine Chillout-Zone ein.

Innere Ruhe können Kirchenrundgänger bei Meditationseinheiten in der Seminar-Kapelle des Caritasverbandes und beim Experimentieren mit Klangschalen in der Klinikkirche der LVR-Klink finden. Wiederkehrendes Thema im Programm der Kirchennächte: Bau und Architektur der Gotteshäuser. In der Emmaus-Kapelle geht es in diesem Jahr darum, wie Musik und Architektur miteinander wirken. Durch das Himmelsfenster des ungewöhnlichen Baus wird bei der musikalisch-poetischen Nachtwanderung der — hoffentlich klare — Sternenhimmel zu bewundern sein.

Selbst den Abend gestalten

Entscheidend sei bei den Aktionen in den offenen Kirchen, dass nicht ein Pfarrer oder Pastor vor den Menschen stehe und den Takt vorgebe, sondern dass eine Gruppe aus der Gemeinde selbst den Abend gestalte, sagt Monika Ollig, Vorsitzende des Katholikenrates der Region Düren. „So können wir Kirche einmal anders erleben als im normalen Gottesdienst.“

Dass die in den Randbezirken liegenden Gemeinden in diesem Jahr nicht an der Kirchennacht teilnehmen, bedauert Ollig. Der weite Weg zwischen den einzelnen Stationen habe in den Vorjahren viele Besucher davon abgehalten, die entlegeneren Veranstaltungsorte in ihre Routenplanung einzubeziehen. Einen gemeinsamen Abschluss sollen alle Besucher der Kirchennacht bei der ökumenischen Agapefeier in der Annakirche finden — zuvor werden hier nach dem Motto „Friede, Freude, Bibelkuchen“ bereits biblische Speisen gereicht.

Der Anspruch der Kirchennacht sei gar nicht unbedingt, die Gäste nachhaltig zum regelmäßigen Gottesdienstbesuch zu bewegen, erklärt Siedler. „Man bekommt aber Neugierige dazu, an diesem besonderen Tag auch mal ihre Nase hineinzustecken.“ Das Angebot der Gemeinden richte sich aber auch genau an die Gäste, für die es bei diesem jährlichen Besuch bleibe. „Es ist wichtig für uns als Kirche, immer wieder einzuladen“, so Doncks. Und auch wer dieser Einladung sonst eher selten folgt, findet am ersten September sicher etwas, dass ihn in die ein oder andere Dürener Kirche lockt.