Kreis Düren: Die Kriminalwache: Jedes Detail kann eine Spur sein

Kreis Düren : Die Kriminalwache: Jedes Detail kann eine Spur sein

Akribisch fotografiert Alexander Maaßen jede kleine Beule auf der Tür, vermisst Schrammen und sucht nach Spuren. Schritt für Schritt, Handgriff für Handgriff entsteht so das Protokoll eines versuchten Einbruchs in der Dürener Innenstadt. Seine Kollegin Bianca Pohl befragt derweil den Verwandten des Hausbesitzers, dem die lädierte Tür aufgefallen war und der die Polizei alarmiert hatte.

Das Prozedere nimmt Zeit in Anspruch, viele Spuren gibt es nicht, Hinweise schon gar nicht. Verlorene Zeit für die Polizisten? „Jedes Detail zählt“, sagt Alexander Maaßen. Wenn nicht heute, dann vielleicht später. Die Ergebnisse jeder Spurensicherung werden zentral erfasst — und sind für alle Polizeidienststellen zugänglich.

Erst neulich habe es zu einem Teilfingerabdruck aus Düren andernorts einen Treffer gegeben — ein weiterer Einbruch konnte einem Täter klar zugeordnet werden. Puzzlen — auch das ist beizeiten Arbeit der Kriminalpolizei.

Kriminalhauptkommissar Alexander Maaßen und Kriminaloberkommisarin Bianca Pohl gehören zum Team der Dürener Kriminalwache. Die Kriminalwache ist sozusagen die Bereitschaft der Kriminalpolizei. Oder mit anderen Worten formuliert: Ab 16 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen sind die fünfzehn von Düren aus operierenden Beamten zuständig für alles. Vom Einbruch über die Vollstreckung von Haftbefehlen bis hin zum Raubüberfall und Todesermittlungen — im gesamten Kreisgebiet.

Die Kriminalwache ist besetzt mit Polizisten aus dem Wach- und Wechseldienst und der Kriminalpolizei. Nach einer gewissen Zeit endet der Einsatz in der Wache, das Personalkarussell rotiert. „Zwei Jahre sind der aktuelle Stand, drei Jahre wären unser Wunsch“, sagt Lothar Weisweiler, Leiter des Kommissariats 4 der Kreispolizeibehörde. Seinem Kommissariat ist die Kriminalwache zugeordnet.

Die Einarbeitung neuer Kollegen dauere einige Wochen. „Für die Kollegen, die zur Wache stoßen, ist das ein neues Arbeitsfeld und eine reizvolle Aufgabe“, findet Weisweiler. Die älteren Kollegen bringen ihr Erfahrungswissen und gesunde Routine ein, die Jüngeren blicken manchmal aus einer anderen Perspektive auf Arbeitsabläufe, hatten womöglich andere Schwerpunkte während ihrer Ausbildung. Da jeder Beamte während seiner Zeit auf der Wache für alle Sachgebiete zuständig ist, gebe es einen breiten Wissenstransfer. „Kriminalarbeit ist Teamarbeit“, sagt Weisweiler.

Alles, was anfällt, muss von den zwei diensthabenden Beamten erledigt werden. Manchmal bleiben die Abende und Nächte ruhig, meistens allerdings sind die Beamten kreuz und quer unterwegs. Zurück auf der Wache muss noch die Schreibarbeit erledigt werden. Die macht einen nicht unerheblichen Teil der Arbeit aus; schließlich müssen alle Daten erfasst und dokumentiert werden.

Einbrüche sind statistisch gesehen an der Tagesordnung, an Wochenenden haben es die Polizisten vermehrt mit Körperverletzungen zu tun. Bei Kapitaldelikten ist zwar das Polizeipräsidium Aachen als Kriminalhauptstelle zuständig, doch oftmals sind es die Beamten der Kriminalwache, die als erste am Tatort ankommen und die sogenannte Erstsicherung der Spuren übernehmen.

Auch die Sichtung der Wohnung des Täters kann eine Aufgabe sein. Die Beamten der Kriminalwache achten dann beispielsweise auf verdächtige Schriftstücke, die Rückschlüsse auf eine Tat zulassen.

„Fingerabdrücke, DNA-Spuren, Fußabdrücke — wir nehmen alles unter die Lupe“, erklärt Alexander Maaßen. Zu sehr ins Detail gehen möchte er nicht, schließlich wolle die Kriminalpolizei aus verständlichen Gründen keine Anleitung zum spurenlosen Verbrechen geben. Auch wenn später andere, spezialisierte Kollegen in den einzelnen Kriminalkommissariaten die weiteren Ermittlungen übernehmen, sei die Arbeit der Kriminalwache im wahrsten Sinne des Wortes Grundlagenarbeit.

„Wir sind der Erstkontakt“, sagt Kommissariatsleiter Lothar Weisweiler. Damit meint er den ersten Kontakt zu Opfern und Geschädigten, aber auch den ersten Zugang zu einem Tatort. Die Ergebnisse dieser ersten Ermittlungen können weitreichende Folgen auf das weitere Geschehen haben — und zum Gelingen oder auch zum Scheitern beitragen.

„Eine Spur, die wir übersehen, ist später womöglich nicht mehr greifbar“, erklärt Weisweiler. Der Anspruch der Kriminalwache sei es daher, „äußerst sorgfältig zu arbeiten“. Seine Kollegen stehen oftmals auch als Zeugen vor Gericht.

„Niemand weiß, was einen zu Beginn einer Schicht erwartet. Der Dienst ist ungemein abwechslungsreich“, erklärt Kriminaloberkommissarin Bärbel Klein, warum sie sich auf eine freie Stelle bei der Kriminalwache beworben hat. Nach mehreren Jahren im Wach- und Wechseldienst mit Unfällen, Ruhestörungen und häuslicher Gewalt habe sie eine neue Aufgabe gereizt. Und komprimierter sei (Kriminal-)Polizeiarbeit kaum zu erlernen.

Fortbildungen gehören angesichts der vielfältigen Aufgaben dazu. Alexander Maaßen hat jüngst einen Todesermittlerlehrgang besucht. Kapitaldelikte mögen glücklicherweise zu den Ausnahmefällen gehören — mit dem Tod allerdings müssen sich Polizisten sehr oft auseinandersetzen. „Leichenfälle“ heißen diese Ermittlungen. Es sind Einsätze, die auch am erfahrensten Polizisten nicht spurlos vorübergehen.

Immer dann, wenn sich ein Selbstmörder vor einen Zug geworfen hat, eine Leiche in einer Wohnung (oft erst nach mehreren Wochen) gefunden wird, oder ein Mensch aus ungeklärter Ursache stirbt wird die Kriminalpolizei eingeschaltet. Bei einer sogenannten Leichenschau untersuchen die Beamten beispielsweise nach dem Fund einer Leiche in einer Wohnung, ob es Hinweise auf Verletzungen und Gewalteinwirkung gibt.

Der Leichnam wird dazu vollständig entkleidet und untersucht. Auf Grundlage ihres Berichts wird später die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob es eine Obduktion gibt. „Wir arbeiten immer so, als würden wir in einem Mordfall ermitteln“, umreißt Alexander Maaßen die Standards.

Emotional fordernd sei aber auch der Umgang mit Hinterbliebenen, mit den Opfern, mit Menschen, in deren Wohnung gerade eingebrochen worden ist, deren Privatsphäre massiv verletzt worden ist. „Das lässt niemanden kalt“, weiß Maaßen aus eigener Erfahrung. Menschliche Abgründe und Tragödien gehören ebenfalls zur Polizeiarbeit. „Wir lassen Menschen in solchen Fällen nicht allein“, versichert Maaßen. Auch seine Kollegen verlassen sich darauf, dass Polizeiarbeit Teamarbeit bleibt.

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