Die IG Metall fragt: Wie steht es um die Zukunft der Industriearbeit?

Diskussion zur Zukunft der Industriearbeit : Zwischen Zuversicht und Zweifel

Die IG Metall fragt: Wie steht es um die Zukunft der Industriearbeit? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Diskussionsrunde.

Der Blick in die Zukunft schwankt zwischen Zuversicht und Zweifel. Was passiert, wenn der regionale Strukturwandel viele Branchen gleichzeitig trifft? Welchen Einfluss haben Globalisierung, Klimawandel und Populismus auf die Arbeitsplätze vor Ort? Kurzum: Wie steht es um die Industriearbeit im Kreis Düren? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Diskussionsrunde in der Reihe „Innovative Gedanken zur Mobilität“, zu der die IG Metall für Mittwochabend ins Dürener Neapco-Werk eingeladen hatte.

„Wir stecken mitten drin in unwägbaren Zeiten“, sprach Dr. Jürgen Liermann, Geschäftsführer der Neapco Europe Service GmbH, zur Begrüßung wohl allen Teilnehmern aus der Seele. Neben der globalen Konkurrenz und einem Strukturwandel vor der Haustür stecke mit der deutschen Automobilindustrie eine Schlüsselbranche im Umbruch und vor einer ungewissen Zukunft. Sein Appell: „Es ist höchste Zeit, dass wir die Sachen angreifen. An diesem Rad gemeinsam drehen, um weiterhin erfolgreich zu sein.“ Paul Zimmermann von der IG Metall ist überzeugt, „dass es uns mit Mut und Lust gelingt, in den Betrieben an die Gestaltung der Herausforderungen zu gehen“ und Veränderungen mit zu gestalten.

Wie dies aussehen könnte, beschrieb der Neapco-Betriebsratsvorsitzende Jürgen Müller. Für den Automobilzulieferer gebe es viele Chancen im Bereich der Elektromobilität, die derzeit ausgelotet würden. „Wir sind an vielen Themen dran, haben gute Ideen und kompetente Mitarbeiter. Wir haben eine Chance, im Wandel nicht zum Opfer zu werden“, bilanzierte er. Aber ohne staatliche Unterstützung sei dieser Wandel kaum zu meistern.

„Wir brauchen einen Dachfonds für den Mittelstand“, sieht er den Staat in der Pflicht, Unternehmen zu unterstützen und mehr Mittel für Forschung und Entwicklung zur Verfügung zu stellen. „Es waren die Industriearbeitsplätze, die uns 2008 aus der globalen Wirtschaftskrise geführt haben“, blickte Müller zurück. „Aber genau diese Arbeitsplätze werden im Moment vernachlässigt.“ Dabei sei klar: „Düren ohne RWE Power und Neapco bedeutet den Tod der ganzen Region.“

Welche Auswirkungen ein nicht abgefederter Strukturwandel auf die Stadt Düren und die Region haben könnte, skizzierte Winfried Kranz-Pitre, Geschäftsführer der Dürener Wirtschaftsförderungsgesellschaft WIN.DN. „Betroffene müssen zu Beteiligten werden“, forderte er die Akteure auf, gemeinsam zu agieren, um Ersatzarbeitsplätze, Ersatzwertschöpfung und eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu erreichen.

Wegfallende Jobs in der Industrie könnten nicht vom Dienstleistungsgewerbe kompensiert werden. Die WIN.DN setze sich als Partner der Industrie für Ansiedlung, Vernetzung und Verknüpfung von Wertschöpfungsketten ein. Die Schöpfung eines Papier-Kompetenzzentrums und eines Automotive-Standorts an der Henry-Ford-Straße seien zwei wichtige Bausteine.

„Denken Sie groß!“, gab Jens Bröker, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Indeland, den Zuhörern in seinem Impuls mit auf den Weg. Der Kreis Düren als exzellenter Wissenschaftsstandort könne eine „neue Mitte“ zwischen der Städteregion Aachen sowie Düsseldorf, Köln und Bonn werden und vom Wachstum am Rhein profitieren.

Diese Lage mit guten Verkehrsanbindungen, sozusagen an der Hauptstraße des europäischen Güterverkehrs, müsse genutzt werden. Gemeinsam müsse das Ausmaß des Strukturwandels in der Landespolitik selbstbewusst geltend gemacht werden, um Flächenpotenziale für Siedlung, Gewerbe und Industrie voll heben zu können.

(sj)
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