Düren: Die hohe Kunst der Empathie bei Konzert in der Marienkirche vermittelt

Düren : Die hohe Kunst der Empathie bei Konzert in der Marienkirche vermittelt

Die Macher des Harfenkonzerts in der Dürener Marienkirche — Lebens- und Trauerhilfe, Hospizbewegung Düren-Jülich und die Pfarre St. Lukas — hatten auch in diesem Jahr wieder ein glückliches Händchen bei der Auswahl der musikalischen Attraktion.

Auf den Stufen des Altarraums eine Konzertharfe, die exzellent gespielt wurde von einer auf internationalem Parkett bekannten Harfenistin: Silke Aichhorn.

Um es vorweg zu sagen: Silke Aichhorn und ihre Harfe, die sie übrigens alle acht Jahre gegen eine neue eintauscht, sind ein musikalisches Gesamtpaket. Den Satz eines Hörers („Sie sind mit Ihrer Harfe verwachsen“) weist sie freundlich von sich: „Die Harfe ist für mich nur ein Instrument“, erklärt die Musikerin, „mit der ich den Menschen, Groß und Klein, die Musik näherbringen möchte.“ Ihr Ziel sei es immer wieder, die Seelen der Menschen zu berühren.

Dieses Vorhaben ist Silke Aichhorn in der Marienkirche absolut gelungen. „Stehende Ovationen“ — in einem Dürener Gotteshaus eher selten — Bitte um Nachschlag, der zweimal gewährt wurde, so viele spontane Umarmungen zwischen Besuchern nach einem Konzert sind wahrscheinlich noch nie gezählt worden.

Grund war eben dieses Gesamtpaket: Silke Aichhorn agiert authentisch, überaus selbstbewusst, ohne vom Boden abzuheben, ihr Spiel ist virtuos, technisch perfekt und vermittelt dabei die hohe Kunst der Empathie. Zwischen den Stücken nimmt sie sich Zeit, neben den Kompositionen ihre Harfe vorzustellen, verrät das Gewicht, die Saitenzahl, die technischen Details. In der Pause lässt sie Besucher, die ihre Hände vorher gewaschen hatten, an den Saiten der Harfe zupfen, für viele, die Harfen nur von Ferne kannten, eine neue Erfahrung.

„Musik, die die Seele streichelt“, hatten die Veranstalter das Konzert getauft. Das gelang schon mit der ersten Komposition, mit dem „Einzug der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Saul“ von Georg Friedrich Händel. Königliche Klänge erfüllten die Kirche, bekannt durch ähnliche Filmmusiken, wenn sich in einer Königsstadt königliches Blut bewegt.

Beklagenswert für Harfenspieler sei es, verriet Silke Aichhorn, dass es so wenig Literatur für die Harfe gebe. Deutschland sei auf das Klavier fixiert. Die Salons in Paris und St. Petersburg dagegen wurden immer wieder mit Noten für Harfe beliefert, kein Wunder, denn in Frankreich wurden die Pedale für die Harfe entwickelt und die Verbindung Frankreichs zu Russland war im künstlerischen Bereich während einiger Epochen recht eng.

Aus diesem Grund mussten und müssen die Harfenisten oft große Werke von Komponisten für ihr Instrument arrangieren. Felix Godefroid, ein Womanizer auf Pariser Parkett, schrieb von Franz Schubert die „Sérénade sur une mélodie“ um. Bei Smetanas „Die Moldau“ konnten die Besucher — wie bei den meisten Werken — mitsummen.

„Blumenwalzer“ aus der Nussknackersuite von Tschaikowsky, das „Intermezzo sinfonica“ aus der „Cavalleria rusticana“, die „Ballade“ von Hasselmanns, überwältigend „Der Schwan“ von Saint-Saens, „Claire de lune“ aus der Feder von Debussy — allesamt musikalische Leckerbissen, Ohrwürmer meist aus der Romantik.

Zum großen Teil waren sie auch Erinnerungstücke für einen Teil des Publikums, das mit einigen Kompositionen aufgewachsen ist.

Silke Eichhorn — so oder so ähnlich drückten es Toni Straeten von der Lebens- und Trauerhilfe, und Gerda Graf von Hospizbewegung Düren-Jülich aus — sei eine überzeugende Botschafterin ihres Instruments, mit dem sie im Übrigen schon viele Schulklassen erfreut habe. Ein Wiedersehen mit ihr ist für das nächste Jahr schon angedacht.

Ein besonderer Dank galt dem Ehepaar Dr. Detlef und Resi Struck, das das Engagement der Harfenistin in die Wege geleitet hatte.

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