Die ganze Vielfalt des Aquarells auf Schloss Burgau

Jahresausstellung in Düren : Die ganze Vielfalt des Aquarells auf Schloss Burgau

„Es ist meine Aufgabe, das zu malen, was ich sehe. Nicht das, von dem ich weiß, dass es da ist.“ Dieses Zitat des berühmten britischen Malers William Turner hat die Deutsche Aquarell Gesellschaft ihrer Jahresausstellung mit dem Titel „Die Kunst des Aquarells“ vorangestellt.

Der Satz, der auf der Einladung für die am Samstag auf Schloss Burgau eröffnete Ausstellung zu finden war, meint, dass es in der Malerei nicht darum geht, bereits als bekannt Angenommenes (der Himmel ist blau, das Gras ist grün) fortzuschreiben. Sondern darum, genauer hinzusehen und ebenso detailliert abzubilden und somit neue Ebenen innerhalb der Wahrnehmung zu schaffen.

Diese Herausforderung hatten die Künstler der Aquarell Gesellschaft angenommen. Gut 80 Werke aus den Reihen der Mitglieder wurden für die Ausstellung ausgesucht. Das Jurorenteam bestand aus fünf Kunstsachverständigen, darunter Jasper Hallmanns, der künstlerische Leiter von Schloss Burgau, und Liliane Goossens, die – eigens aus Belgien angereist – Gast der Eröffnung war und die Lars Kruse, Vorsitzender der Deutschen Aquarell Gesellschaft, als eine der bekanntesten Aquarellisten Europas vorstellte.

Die Ausstellung zeigt Landschaftsdarstellungen, Menschen- und Tier-Porträts, Blumenmotive in unterschiedlichen Techniken, Stillleben und Abstraktes.

Das Titelbild von Ausstellung und Katalog stammt von Eva Pötzelsberger. Es ist eine ausdrucksstarke abstrakte Arbeit in Blau- und Brauntönen. Durch die Wahl des Titels „Mekongdelta“ weist die Malerin darauf hin, dass sie unter dem Eindruck des riesigen Labyrinths aus Flüssen, Sümpfen und Inseln in Vietnam entstanden ist.

Überraschenden Umgang mit der Gattung der Aquarellmalerei zeigen einige der ausgestellten Maler. Unter ihnen Marina Abramova, die den Betriebsbahnhof Rummelsburg malte und dabei das Medium des Aquarells benutzt, um zu verdichten. Es entstand ein Bild, das den Zuschauer in das Gezeigte geradezu hineinsaugt. „Aquarellmalerei hat etwas mit Meditation zu tun. Sowohl für den Künstler als auch für den Betrachter“, erklärte Hallmanns eine der Besonderheiten des Genres.

Liselotte Bombitzki legt in ihrer Arbeit „Squares“ lauter Vierecke übereinander und erreicht ebenfalls eine Anziehungskraft durch ihre malerische Komposition. Paul Wans Bild „Zwischen Gülle und Milch“ schlägt kritische Töne an. Es zeigt einen modernen Kuhstall mit wenig Platz und traurig wirkenden Tieren.

Vielseitig und vielschichtig kommt das Aquarell in dieser Ausstellung daher. „Einen solchen Überblick über den Stand der Aquarellmalerei werden sie selten in einem Museum finden“ erklärte Hallmanns. Er freute sich über die Gelegenheit, diese Gattung auf Schloss Burgau würdigen zu können, denn das Aquarell spiele zu Unrecht noch keine ausreichend große Rolle in der Kunstwelt. Dabei verlange es dem Ausführenden sehr viel Meisterschaft ab und verzeihe keine Fehler. Ein falscher Pinselstrich und das Blatt sei nicht mehr zu gebrauchen.

Der Dürener Dr. Detlef Rhodius, selbst Aquarellist und Mitglied der Aquarell Gesellschaft, hatte die Idee, die Ausstellung nach Düren zu holen. Eine seiner zarten und transparenten Arbeiten ist auf Schloss Burgau zu sehen. „Kurze Pause“ heißt das Aquarell, das die Erinnerung an einen Fahrradausflug visualisiert. Für den Betrachter wird die fremde Fahrradpause durch den impressionistischen Stil, Verwischen und Weglassen emotional erfahrbar, weil er es unbewusst mit Selbsterlebten abgleicht. Genau dieser Effekt ist für viele Aquarellisten typisch und wesenhaft für „ihre“ Gattung.

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