Nideggen: Die Figuren in den Arbeiten senden Botschaften aus

Nideggen: Die Figuren in den Arbeiten senden Botschaften aus

Der erste Blick am Ende der Treppe — nach einem mühsamen Aufstieg — fällt auf eine überlebensgroße Frauenfigur. Maler Pierre Vanhems nennt sie „Die Asiatin“. Neben ihr hängen im Rundturm zwei weitere Frauen. Intensiv - fast schon stechend - strahlen die drei imposanten Augenpaare.

Sie beobachten den Besucher in seinem Ambiente mit Anteilnahme und Neugierde.

Maler Pierre Vanhems, geboren in Nordfrankreich nahe der belgischen Grenze, lebt und arbeitet seit drei Jahren in Köln. Die Ausstellung im Dürener Tor in Nideggen hat er überschrieben mit „Bilder über das Beobachten“. Dieses Beobachten ist keine Einbahnstraße, sondern die „Akteure“ kommunizieren in viele Richtungen. Der Betrachter beobachtet die Gemälde. Wenn er sich die Muße nimmt, tritt er mit ihnen in einen Dialog, denn die Figuren in den Bildern senden Botschaften, beobachten ihn. Pierre Vanhems möchte, dass jeder Betrachter mit den Protagonisten in den Bildern eine eigene Geschichte erzählt. Im Idealfall kämen dann, so der Maler, Hunderte von verschiedenen Erzählungen zustande. Bei allen diesen Vorgängen legt der Künstler Wert auf Gefühle wie Melancholie, Leid und Glück.

Einzelne Akteure betrachten ihr eigenes Porträt, das sie selbst gemalt haben, vom Bildrand aus. Mit buntem Papier unterlegte, kleine Frauenfiguren stellen wie in einer Illustrierten mit Gestik und Mimik Fragen. Leere Sprechblasen warten auf Füllung.

Der Zuschauer wird zum Handelnden und malt in Gedanken sein eigenes Bild. Nicht zu übersehen und tiefst hintergründig die Gemälde, wo Rahmen in Rahmen verortet sind. Bei den Arbeiten auf Papier kommt zusätzlich der äußere Rahmen dazu. Etwas verwirrend ist die Blindzeichnung des eigenen Porträts, die der Künstler - in diesem Fall Kunststudent Pierre Vanhems - mit geschlossenen Augen hatte zeichnen müssen. Das Produkt stimmt da nur in wenigen Teilen mit dem Original überein.

Doch auch Architektonisches hat Pierre Vanhems auf Leinwand gebannt. So hängt in einer Ecke des Hauptraumes eine Teilansicht des Rathauses aus seiner nordfranzösischen Kleinstadt. Die einzelnen Teile scheinen sich den Schritten des Beobachtenden anzupassen. Mitten im Raum stehen drei Köpfe - Black Face, Harlekin, Der Prophet - aus Keramik. Schädeldecke oder andere Teile des Kopfes fehlen. Pierre Vanhems bietet dem Besucher so die Möglichkeit, „hinter die Fassaden zu blicken“.

Viele Formulierungen fallen Pierre Vanhems ein, wenn er dem Sinn seines Tuns auf den Grund kommen will. Sie treffen alle nicht das, was er meint und fühlt. Eine ausgedehnte schriftliche Erklärung wäre vonnöten. „Manchmal fühle und denke ich etwas“, ist Vanhems Variante, „und es kommt einfach raus“. Am Anfang jeden Tuns steht bei Vanhems der Instinkt. Dieser Instinkt wird zur Idee, die schließlich in ein Bild umgesetzt wird.

Auch der Performance am Ende der Vernissage - dem Speed Painting - seien Gedanken vorangegangen. In 15 Minuten malte Pierre Vanhems einen Teil des Innenhofes von Burg Nideggen mit Acryl auf eine Leinwand von 100 mal 170 Zentimetern. Die Vorbereitungen waren: eine Besichtigung des Objekts, intensives Fotografieren, die Anfertigung von ersten Skizzen. Das „Schnell-Malen“ erfolgte unter großem Applaus der Gäste, und zwar „auswendig“. Pierre Vanhems hat auch schon große Auftragsarbeiten übernommen, meist Wandmalereien an öffentlichen und privaten Gebäuden. Während seines Aufenthalts im Dürener Tor möchte er Porträts der Besucher malen, wahlweise mit Kohle, Filzstift oder Kreide.

Begrüßt worden waren die Gäste bei der Vernissage von der Vorsitzenden des Kunst- und Musemsvereins, Muna Götze. In Leben und Werk des Künstlers führte Marco Schmunkamp, Bürgermeister der Stadt Nideggen, ein. Die Bilderschau im Dürener Tor ist bis zum 20. August zu sehen. Die Öffnungszeiten: mittwochs von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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