Düren: Die Dürener Luft ist besser als ihr Ruf: Grenzwerte im Rahmen

Düren: Die Dürener Luft ist besser als ihr Ruf: Grenzwerte im Rahmen

Wie schlecht ist die Luft in Düren? Seit Jahren wird der Grenzwert der Europäischen Union für Stickstoffdioxid (40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, µg/m3) in der engen Straßenschlucht der Euskirchener Straße unmittelbar am Friedrich-Ebert-Platz überschritten. Zu Beginn der Messungen in den Jahren 2009 und 2010 erreichte er sogar NRW-weite Spitzenwerte (bis zu 74 µg/m3).

Wenige Hundert Meter entfernt auf der Schoellerstraße lagen die Werte zwar auch noch über dem Grenzwert, aber weitaus weniger deutlich. Seit Mitte 2013 ist daher ein Luftreinhalteplan in Kraft, der unter anderem eine Selbstverpflichtung der Dürener Industrie beinhaltet, den Lkw-Anteil um 20 Prozent zu reduzieren. Seitdem hat sich die Belastung reduziert. Sie liegt mit durchschnittlich 61 µg/m3 in den Jahren 2015 und 2016 aber immer noch 50 Prozent über dem EU-Grenzwert, weil sich der im Luftreinhalteplan als Königsweg angesehene Bau der Ostumgehung verzögert hat.

Und wie sieht es abseits der B56 an anderen Straßen aus? Medienwirksam mit Atemschutzmasken inszeniert, kündigten die Dürener Grünen kurz vor der Bundestagswahl eigene Messungen mit Passivsammlern an, die mit denen des NRW-Landesumweltamtes vergleichbar seien, wie der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer betonte. Sie waren überzeugt, dass die Euskirchener Straße nicht der einzige Hotspot ist.

Gemessen wurde vom 29. September bis 27. Oktober an drei Stellen. Mittlerweile liegen unserer Zeitung die von einem zertifizierten Schweizer Labor ausgewerteten Ergebnisse vor. Und sie zeigen, dass die EU-Messlatte, bei der gehandelt werden muss, in Düren weder an der Schützenstraße gegenüber der Hauptpost (26 µg/m3) noch an der Binsfelder Straße (20 µg/m3) gerissen wird. Gleiches gilt für die ebenfalls vielbefahrene Dürener Straße in Kreuzau (19 µg/m3 ).

„Auch wenn die Messung mit Passivsammlern über einen kurzen Zeitraum von wenigen Wochen nur ein Anhaltspunkt sein kann, scheint die Belastung an diesen Orten nicht so extrem zu sein, wie an der Euskirchener Straße“, räumt denn auch Oliver Krischer ein. „Das ist eine gute Nachricht für die Anwohner, deren Gesundheit durch hohe Stickoxidbelastungen aus Diesel-Pkw in Gefahr wäre.“

Allerdings will der Fraktionsvize der Grünen im Bundestag noch keine Komplett-Entwarnung geben und weist darauf hin, dass an allen drei Stellen immer noch der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Maximalwert, der nur halb so hoch wie der EU-Grenzwert ist, erreicht oder sogar überschritten werde.

Obwohl die Grünen ihre Messungen an weiteren verkehrsreichen Orten im Kreis Düren fortsetzen wollen, um sicherzugehen, dass es wirklich keine weiteren Hotspots gibt, bleibt es damit erst einmal beim Handlungsbedarf an der Euskirchener Straße. Aber auch dort könnte sich die Situation schon im kommenden Sommer entschärfen, wenn der erste Teilabschnitt der Ostumgehung/B 56n zwischen Kölner und Stockheimer Landstraße freigegeben und die Euskirchener Straße daraufhin — wie von der Stadt angekündigt — für den Lkw-Durchgangsverkehr gesperrt wird.

Noch liegt keine Klage vor

Ob trotz der damit verbundenen Aussicht auf eine baldige Verbesserung der Situation noch die Gefahr eines generellen Diesel-Fahrverbots besteht, müssen im Zweifelsfall die Gerichte entscheiden. Bis zum Mittwoch allerdings lag der Stadt noch keine Klage vor, wie Stadtsprecher Helmut Göddertz betonte. Die Deutsche Umwelthilfe hatte im August mit einer Klage gedroht, sollte sich die Situation an der Euskirchener Straße nicht entscheidend verbessern.

Nicht zuletzt deshalb hatte die „Ampel“-Koalition im Stadtrat ein umfangreiches Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, um die Luftqualität in der Stadt zu verbessern. Darin ist unter anderem von einer Umrüstung der Müllfahrzeuge die Rede, vom Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer und Elektroautos, vom Aufbau eines aktiven Parkleitsystems, um den Parkplatz-Suchverkehr zu minimieren, von intelligenten Ampelschaltungen und vom Ausbau des Car-Sharings.