Düren: Die Christuskirche platzt aus allen Nähten

Düren: Die Christuskirche platzt aus allen Nähten

Zum Ende der Predigt kam das dicke Kompliment: „Die Dürener Gemeinde hat in der rheinischen Landeskirche einen bestimmten Ruf”, erklärte Präses Nikolaus Schneider, der ranghöchste Geistliche eben jener Landeskirche, um sofort danach den Einsatz bei der Erfüllung karitativer Aufgaben sowie im Dienst an Flüchtlingen und anders bedrängten Menschen zu loben.

Schneider war am Sonntag nach Düren gekommen, um beim Festgottesdienst zur 400-Jahr-Feier der Gemeinde die Predigt zu halten. 500 Gläubige kamen aus diesem Anlass in die zentrale Christuskirche.

Immer wieder bezieht diese jubilierende Gemeinde zu Herausforderungen Position, die sich ihr durch politische Umwälzungen und andere gesellschaftlichen Prozesse stellen. Präses Schneiders Predigt passte genau in diesen Kontext. Denn er präsentierte in seiner temperamentvoll vorgetragenen Kanzelrede den Zuhörern nicht nur einen dienstbaren Jesus als Vorbild - mit einem kurzen rhetorischen Schwenk war er bei jener Familie in Heinsberg-Randerath, die den Bruder des Vaters, einen Sexual-Straftäter, aufgenommen hat, und nun mit Hass-Kundgebungen konfrontiert wird.

Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich, zu dem auch Düren gehört, galt Schneiders ausdrückliches Lob - Lob für „das Engagement zugunsten einer Familie, die gebrandmarkt wird”. Der Präses wurde deutlich: „Das dürfen wir nicht zulassen!”

Beredtes Zeugnis dafür, wie sie aus der Kraft ihres Glaubens heraus die Wirklichkeit gestalten, legten Gäste bei der abschließenden Gesprächsrunde im Haus der Gemeinde ab. Zum Beispiel Pfarrerin Vera Schellberg, die von ihrer Stadtteilarbeit in Düren-Ost berichtete, zusammen mit Wolfgang Schoeller von der Bewohner-Initiative - auch er ein evangelischer Christ.

Präses Schneider gab, befragt von Pfarrer Stephan Schmidtlein, Auskunft darüber, wie Kirche in Zeiten der Finanznot attraktiv und glaubwürdig sein kann. Dieser außergewöhnliche Sonntag: Er hatte so viele Facetten wie die Evangelische Gemeinde zu Düren sonst auch.

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