Die Auslöschung des jüdischen Lebens in Düren

Judenhäuser und Deportationen : Bernd Hahnes beeindruckender Vortrag

In einem sehr eindringlichen und ausführlichen Vortrag mit dem Titel „Aus der Heimat in den Tod“ erinnerte Bernd Hahne im Stadtmuseum an die Deportation Dürener Jüdinnen und Juden in der Zeit zwischen 1938 und 1942.

Bereits vor den ersten Einlieferungen in die Lager Gerstenmühle, Thuirs Mühle, Napps Fabrik oder Kirchberg bei Jülich hatte auch für die Dürener jüdischen Glaubens eine Zeit der Entrechtung und Verfolgung begonnen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten gab es Berufsverbote und Geschäftsboykotte. Vor 80 Jahren, im November 1938, folgten die Pogromnacht, die Zerstörung der Synagogen, Plünderung der Geschäfte und eine erste große Verhaftungswelle. Bis dahin hatten einige jüdische Dürener es noch geschafft zu emigrieren. Danach jedoch wurden die Juden in so genannten „Judenhäusern“ an der Gutenbergstraße, der Bergstraße und der Hohenzollernstraße zusammengepfercht.

Hahne erklärte, dass es in Düren nur wenige Daten aus dieser Zeit gebe, weil auch die jüdischen Gemeinden keine Aufzeichnungen besaßen. Der Dürener Geschichtswerkstatt liegen rund 6500 Namen und über 1000 Vermerke zu Deportationen vor, die im Frühjahr 1941 erstmals erfolgten. Verbrieft ist die Aussage des damaligen NSDAP-Kreisleiters Peter Binz, dass ab dem 30. April 1941 Düren „judenfrei“ sei. Tatsächlich war dem aber nicht so, denn im Oktober 1941 wurden die ersten Dürener Juden in das große Ghetto Litzmannstadt, dem heutigen Lodz in Polen deportiert, von März bis Juli 1942 folgten weitere Transporte nach Ostpolen und Theresienstadt.

Zu dieser Zeit gab es schon keine funktionierende jüdische Gemeinde mehr in Düren. Bis dahin hatte die Gestapo die Mitglieder jüdischer Organisationen sogar gezwungen, Meldungen ihrer Gemeindemitglieder und Gestellungen selbst zu organisieren. Während einige Betroffene in die Niederlande flohen, begingen andere in ihrer ausweglosen Situation Selbstmord.

Hahne berichtete an Hand zahlreicher sehr ausführlicher Dokumente über einzelne Schicksale, die Schrecken und unmenschlichen Umstände bei den Transporten. Dank seiner intensiven Forschung konnte er die Abläufe dabei exakt rekonstruieren und beschreiben. So gibt es auch Berichte über einige Dürener, die in Litzmannstadt umgebracht wurden.

Die Zuhörer im voll besetzten Vortragssaal des Stadtmuseums quittierten den anrührenden Vortrag am Vorabend des Jahrestages der Dürener Zerstörung im November 1944 mit nachdenklichem Schweigen, ehe auch der verdiente Beifall für den Autor einsetzte.

(kel)