Düren: Dicker Hals? Hassknecht zeigt wie‘s geht!

Düren: Dicker Hals? Hassknecht zeigt wie‘s geht!

In der „Heute Show“ des ZDF am späten Freitagabend war Gernot Hassknecht diesmal nicht zu sehen. Der Grund: „Ich habe es vorgezogen, zu Ihnen nach Düren zu kommen“, erklärte der „Profi-Choleriker“ im Haus der Stadt am Schluss seines Auftritts im Rahmen der „SWD.KOMMedy.Abende“ den rund 400 Besuchern, die den Schauspieler Hans-Joachim Heist einmal live in seiner Paraderolle erleben wollten.

In einem Interview mit unserer Zeitung hatte Gernot Hassknecht angekündigt, er wolle bei seinem Gastspiel in der Kreisstadt auch Dürener „Aufregerthemen“ zur Sprache bringen. Sei es nun, dass der Wüterich vorher nicht genügend über Lokalereignisse und —zustände informiert worden war, sei es, dass ihm die vorgeschlagenen Themen keinen cholerischen Ausbruch wert waren — auf Lokalkolorit mussten die Gäste im Saal (Hassknecht: „Was Sie so Saal nennen…“) verzichten. Ansonsten stellte Hans-Joachim Heist seine Fans aber völlig zufrieden.

„Das Hassknecht-Prinzip — in zwölf Schritten zum Choleriker“ ist das Programm überschrieben, mit dem der Schauspieler schon länger durch Deutschland tourt. Für eingefleischte Fans, die bestimmt die leicht gestraffte Version vor Jahresfrist im ZDF gesehen haben, etwas enttäuschend: Nur sehr vereinzelt hat Hassknecht seine Tiraden in der aktuellen Bühnenfassung aktualisiert. Man darf vermuten, dass Heist die Hemden für sein Bühnen-Outfit eine Nummer größer als nötig kauft. Ansonsten könnte ihm bei seinen Wutausbrüchen tatsächlich der Kragen platzen.

Es ist schon beeindruckend, wenn Hassknecht zur Höchstform aufläuft, die Fäuste ballt, mit scheinbar hochrotem Kopf und einem dicken Hals seiner gespielten Wut lautstark freien Lauf lässt. Weil kein Mensch fast zwei Stunden am Stück so brüllen kann, gönnt sich der Herr Hassknecht hin und wieder eine Atempause, in dem er einige seiner Kommentare aus der „Heute Show“ auf einer Großleinwand einspielen lässt. Aus der Haut fahren kann Hassknecht insbesondere bei politischen Themen.

Gerne nimmt er Volksvertreter jedweder parteipolitischer Ausrichtung aufs Korn, wobei er sich ziemlich drastischer Ausdrücke bedient. Eines gefällt ihm aber sehr an der Politik: die Wahl für eine klar begrenzte Zeit. Das wünscht er sich auch für private Beziehungen. Mit seiner Ehefrau Renate, „die ich gelegentlich zärtlich Fass ohne Hoden nenne“, verbindet ihn dennoch eine „langjährige gepflegte Hassliebe“.

Mit dem Publikum übt Hassknecht erste Grundlagen auf dem Weg zum Choleriker ein: Die Augen weit öffnen, den Atem anhalten, bis das Gesicht rot wird, dann hektisch und sehr tief einatmen, die Fäuste ballen und schließlich ein „HA!“ herausbrüllen. Bis zum Profi-Choleriker sei es aber ein langer Weg: „Da heißt es trainieren, trainieren und nochmals trainieren“.

Am Ende des „Autoaggressionstrainings“ verstehe es der gelehrige Schüler sogar, in der Postfiliale ein Wutanfall zu bekommen, obwohl er — anders als sonst gewohnt — sechs freie Schalter vorfindet und ihm ein freundliches „Was kann ich für Sie tun?“ entgegen schallt. „Das Gelernte vertiefen“ könnten die Zuschauer gleich auf dem Weg nach Hause: „Brüllen Sie im Auto ihre Frau an oder kotzen Sie ins Taxi und beschweren sich anschließend beim Fahrer über den üblen Gestank.“