Niederau: Dichter Nico Bleutge liest auf Schloß Burgau

Niederau: Dichter Nico Bleutge liest auf Schloß Burgau

Unter dem Schlagwort „Vervollkommnung“ schrieb Goethe in seinem „Wilhelm Meister“: „Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“

Eine wundervolle Möglichkeit, im Sinne Goethes wach zu sein, ist die Reihe „Der Lyrik eine Gasse“ des Dürener Arbeitskreises Literatur des Kunstfördervereins.

Dem Vorsitzenden Gerhard Quitmann gelingt es immer wieder, bedeutende Lyriker in die Rurstadt zu locken und so das künstlerisch-poetische Angebot zu ergänzen.

Sonntagvormittag war mit Nico Bleutge ein junger Dichter auf Schloss Burgau zu hören, der seit seinem 15. Lebensjahr Gedichte schreibt. Der Wahl-Berliner beobachtet seine Umgebung genau, sucht Worte, verbindet zu Sprache, um Eindrücke von Landschaft wieder zu spiegeln.

Dabei distanziert er sich vom Wort Natur: „Landschaft ist eher das, was mich interessiert — vor allem kultur-durchströmte Landschaft wie Stadtlandschaften. Natur ist etwas anderes.“ Im Frühjahr ist sein neuer Gedichtband „Verdecktes Gelände“ erschienen.

Ein wichtiger Teil in diesem Werk sind Gedichte zum Thema Dämmerung — eine sprachliche Annäherung an den Zustand zwischen Wachen und Schlafen, zwischen Traum und Wirklichkeit. Bleutge gelingt es, Worte zu finden, die diesen nebulösen, unklaren Übergang fast bildhaft widerspiegeln. Die warme, weiche Stimme des Literaten erweckt die Worte zu Leben. Schummrig leicht lässt sich der Zuhörer entführen.

Ein zweiter großer Part ist der verbalen Erkundung von Stadtlandschaften verschrieben — insbesondere der Großstadt Berlin. Als Ergebnis zahlloser Wanderungen in und um Berlin entstand das 25-seitige Gedicht „Verdecktes Gelände“, das dem Band den Namen gab.

Ergänzt wird das Werk durch relativ kurze Episoden von Meeresatmosphäre. Voller neuer Eindrücke und dem Gefühl, dem Alltag kurz entronnen und der Vollkommenheit ein wenig näher gerückt zu sein, verließ der erlesene Kreis der Zuhörer am Ende das Schloss Burgau mit froher Erwartung auf die nächste Veranstaltung im Herbst.

(amw)
Mehr von Aachener Zeitung