Sievernich: Diagnose Blutkrebs: Wenn ein Helfer Hilfe braucht

Sievernich: Diagnose Blutkrebs: Wenn ein Helfer Hilfe braucht

„Der Josef will nicht im Mittelpunkt stehen. Er sagt, er sei einer von vielen, die Blutkrebs haben, und möchte lieber darauf aufmerksam machen, dass auch Helfer Hilfe benötigen“, erklärt Stefan Klinkhammer. Er ist Feuerwehrmann in der Löschgruppe Sievernich, die eben jener Josef leitet.

So ehrenhaft dessen Absicht auch ist — so ganz wird es Josef nicht gelingen, aus dem Fokus zu rücken, schließlich hat er seine Kameraden zu einer Hilfsaktion inspiriert: Die Löschgruppe stellt am Sonntag, 17. Juni, eine große Registrierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf die Beine (siehe Infokasten).

Die Kameraden erfuhren wenige Tage nach der Diagnose von der Krankheit ihres Löschgruppenführers. „Kurz nach Ostern hat sich Josef schlapp gefühlt. Zuerst hat er das noch auf die Frühjahrsmüdigkeit geschoben. Später haben dann Untersuchungen ergeben, dass er Blutkrebs hat“, sagt Kollege Stefan Groß. Josef war dann einige Wochen im Krankenhaus, ist nun aber wieder zu Hause. „Ihm geht es gut“, wissen seine Kameraden und erzählen, dass er wöchentliche Blutuntersuchungen hat, seine Ernährung hat umstellen müssen, aber Radfahren und spazieren gehen dürfe. Aufgrund der Erkrankung ist sein Körper nicht mehr in der Lage, Infektionen zu bekämpfen. Menschenansammlungen muss er meiden, und er wird auch am Sonntag nicht an der Aktion teilnehmen. Aber Josefs Familie hat schon zugesagt, zu helfen.

Damit sind sie nicht alleine: Zahlreiche Ehrenamtliche haben sich spontan bereiterklärt, die Aktion zu unterstützen. Die nötigen 50 Helfer kamen schnell zusammen. „Alle sind sehr hilfsbereit“, meint Marcus Klinkhammer, und sein Bruder Stefan ergänzt: „Der Ort hält zusammen — das ist der Vorteil von einem kleinen Dorf.“ Die 440 Einwohner von Sievernich werden mit Plakaten und Bannern auf die Aktion hingewiesen, per E-Mail wurden Infos an die zahlreichen Gruppen und Vereine der Gemeinde Vettweiß verteilt, und auch die Feuerwehren aus dem Kreis Düren und der umliegenden Region wissen Bescheid. Die sieben Kameraden der Löschgruppe haben alle Beziehungen spielen lassen, um kräftig die Werbetrommel zu rühren.

Aus Erfahrung der DKMS könnte bei der von der Feuerwehr organisierten Aktion mit 400 bis 500 Teilnehmern gerechnet werden. „Das ist aber schwierig einzuschätzen“, sagt Stefan Klinkhammer. „Wir lassen uns einfach überraschen.“ Je mehr Menschen sich als potenzielle Stammzellspender registrieren, desto größer sind die Chancen für Josef und alle anderen, deren einzige Überlebenschance eine Stammzelltransplantation ist. Stefan Klinkhammer betont noch einmal: „Es geht nicht nur um Josef persönlich, sondern auch um alle anderen Patienten, die auf den passenden Spender hoffen.“

Mehr von Aachener Zeitung