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Rahmenplan Indesee: Details zu Ufern und Böschungen

Rahmenplan Indesee : Details zu Ufern und Böschungen

Das Umfeld des Tagebaus Inden wird sich verändern. Wie genau, das zeigt der neue Rahmenplan Indesee 2.0, der in den vergangenen Monaten mit Beteiligung der Bürger erarbeitet wurde.

Auf einer großen Karte sind alle Wanderwege, Sandstrände und Bootsanleger eingezeichnet, die es in 30 bis 40 Jahren rund um den zukünftigen See einmal geben soll. Nachdem die Bürger im Juni insgesamt mehr als 300 Anregungen zu den neuen Plänen eingereicht hatten, werden die Ergebnisse jetzt in den politischen Gremien in Inden und Düren diskutiert und beschlossen. Auch der Braunkohlenausschuss wird sich noch mit dem Thema befassen.

Der neue Rahmenplan 2.0 ist eine Weiterentwicklung der ersten Version von 2012 und 2015. Seine Überarbeitung war aufgrund des vorgezogenen Kohleausstiegs erforderlich. Da auch im Tagebau Inden weniger Braunkohle abgebaggert wird, wird der Indesee etwas größer als bislang vorgesehen ausfallen. Somit bietet sich jetzt die Chance, im Zuge der Überarbeitung des Rahmenplans die Seekontur an einigen Stellen nochmals deutlich attraktiver zu gestalten.

Lucherberger Lagune

Mit dem Rahmenplan wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Rahmen um den zukünftigen See geschaffen. Konkret geht es um die Gestaltung der unmittelbaren Randzonen, der Böschungen und späteren Uferbereiche, wie man sie sich aus heutiger Sicht vorstellt. Im Fokus der aktuellen Diskussionen stehen besonders die Vorteile, die die vorgeschlagene neue Seekontur mit dem „Lamersdorfer Kanal“ und der „Lucherberger Lagune“ bietet. Beide tragen zur markanten Kontur des Sees bei und bieten neue Möglichkeiten besonders für die Freizeitnutzung, aber auch für Gewerbe am See. Bei mehreren Workshops hatten Fachleute sowie Bürger ihre Ideen und Anregungen in die Planung eingebracht. Die Ergebnisse werden jetzt in der Broschüre „Inden Info“ der Gemeinde Inden sowie auf der Website der Indeland GmbH (www.indeland.de/indesee) veröffentlicht.

Weitere Vorschläge, zum Beispiel zum Thema Verkehr, werden in ein Mobilitätskonzept oder vergleichbare Planungen eingearbeitet und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. Nicht alle Anregungen aus der Bürgerschaft können allerdings bereits jetzt einem konkreten Plan oder Vorhaben zugeordnet werden. Sie wurden dennoch dokumentiert und dienen den Kommunen als Grundlage für künftige Planungen.

Abgestimmte Planungen

Der Rahmenplan ist nur ein Teil der laufenden Planungen zur Gestaltung des Indesees. Er fließt in den Abschlussbetriebsplan ein, den RWE Power als Bergbaubetreiber bei der Bergbehörde vorlegen muss. Der RWE-Plan enthält eine detailliertere Beschreibung der technischen Umsetzung der für 2029 geplanten Betriebseinstellung sowie Angaben zur anschließenden Gestaltung der vom Tagebau beanspruchten Flächen. An diesem Verfahren werden wie üblich auch die betroffenen Kommunen beteiligt. Der Abschlussbetriebsplan und der Rahmenplan sind aufeinander abgestimmt und bilden zusammen die Grundlage für die Gestaltung des Indesees.

Darüber hinaus werden von den Fachbehörden und -verbänden eigene Planungen zum Thema Wasser erstellt. Das ist angesichts des Klimawandels und längerer Trocken­perioden im Sommer besonders wichtig, denn ein Großteil des Wassers für den Indesee soll aus der Rur kommen.

Parallel zum Rahmenplanprozess erörtern die Städte und Gemeinden im Indeland in mehreren interkommunalen Arbeitskreisen zudem, wie zum Beispiel die umliegenden Ortsteile von Jülich und Aldenhoven, der Blaustein-See und der Bahnhof Langerwehe an den Indesee angebunden werden können. Ein neues Mobilitätskonzept für das Indeland soll wichtige Fragen zum öffentlichen Nahverkehr und zu künftigen Straßenverbindungen beantworten. Im Rahmen eines touristischen Konzepts werden zudem Pläne zu möglichen Freizeitachsen und zur Lenkung der erwarteten Besucherströme entwickelt.

Lange Historie

Der Rahmenplan Indesee hat eine lange Entwicklung hinter sich. Schon 2004 gab es erste Ideen, die heutige Tagebau- zukünftig in eine Wasserlandschaft umzuwandeln. Unter aktiver Mitwirkung der Bevölkerung erarbeitete die Indeland GmbH ab 2006 erste Masterpläne für einen See. Ein Gutachten bestätigte, dass sich ein See langfristig positiver auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region auswirken werde als eine Verfüllung mit Erde. Die Argumente, die heute noch unverändert gelten, überzeugten das Land und die Bezirksregierung. 2009 stimmten sie einer entsprechenden Änderung des Braunkohlen­plans Inden II zu. 2012 und 2015 folgten die ersten Rahmenpläne für den Indesee. Auch hieran hatten Bürgerinnen und Bürger mitgearbeitet. Der politische Beschluss zum vorzeitige Kohleausstieg und die 2021 folgende Leitentscheidung zum Rheinischen Revier des Landes NRW haben jetzt die Chance auf eine noch abwechslungsreichere Gestaltung des Indesees eröffnet.

Der neue Rahmenplan Indesee 2.0 baut auf den vorangegangenen Versionen auf und beschreibt bislang nur den Endzustand des Sees. Sobald dieser rechtlich gesichert ist, geht es um die spannende Frage der Gestaltung der sogenannten Zwischenlandschaft: Wie lassen sich die Böschungen und Randbereiche des Tagebaus während der Zeit der Befüllung ab 2030 sinnvoll nutzen? Voraussichtlich im Frühjahr 2023 sollen dazu weitere Workshops für Bürger stattfinden. Die Planungen rund um den See sind damit aber längst nicht abgeschlossen. Die Städte und Gemeinden im Indeland werden sich auf unter­schiedlichen Ebenen weiter mit der gemeinsamen Gestaltung des Umfelds des Indesees befassen. Auch die in der Region lebenden Menschen werden dazu wieder eigene Ideen einbringen können.

(red)