1. Lokales
  2. Düren

Düren/Aachen: Der Zahnarzt will kein Brandstifter sein

Düren/Aachen : Der Zahnarzt will kein Brandstifter sein

Hat ein Dürener Zahnarzt am 3. Februar 2003 in seinen Praxisräumen einen Brand gelegt?

Hat er nachts klammheimlich mit einem Grillanzünder und einem flüssigen Brandbeschleuniger hantiert? Weil der Verkauf der Praxis ihm nicht schnell genug ging?

Weil der Dentist, der zunächst Monate lang krank geschrieben war und nun eine vorgezogene Altersrente bezieht, Geld brauchte? Geld, das er sich von der Versicherung erhoffte? Geld, das er für den Umzug nach Nordschweden benötigte?

Die Anklage meint: Ja. Er selbst sagt: Nein. Er habe ein Alibi. Er habe zu Hause in seinem Bett gelegen. Mit einem seiner erwachsenen Zwillingssöhne habe er vorher noch telefoniert. Und eine seiner Töchter habe ihn danach auch noch gesehen.

Nicht abgeschlossen

Zuletzt sei er samstags in seiner Praxis gewesen, gemeinsam mit einem Sohn. Dort habe er ausgemisteten Papierkram geschreddert. Beim Rausgehen, meint er, habe er den Schlüssel am mittleren Schloss einmal umgedreht.

Aber er will sich auch vage daran erinnern, dass der Sohn verwundert festgestellt habe, dass der Vater gar nicht abschließe, die Türe also nur so ins Schloss gezogen habe. Bei der Polizei hatte der Angeklagte angegeben, er habe alle Schlösser abgeschlossen. Heute begründet er diesen Widerspruch mit einem „Blackout in manchen Dingen” nach dem Geschehen.

Von dem Schwelbrand habe er jedenfalls erst Montag morgen erfahren. Da habe er versucht, eine Mitarbeiterin in der Praxis zu erreichen, sei aber nicht durchgekommen. Schließlich habe er sich an Ort und Stelle begeben und habe das „Chaos” gesehen.

Keine Finanzprobleme

Der Zahnarzt ist eigenen Schilderungen zufolge zunächst Zahntechniker gewesen, ehe er auf einem Abendgymnasium das Abi nachholte und Zahnmedizin studierte. Kurz darauf habe er in Düren die Praxis übernommen, den „Saustall” renoviert und 25 Jahre lang geführt.

Finanzielle Probleme habe er nicht gehabt. Auch dann nicht, als ihn gesundheitliche Probleme dazu gezwungen hätten, seine Arbeit zu reduzieren. Seine Patienten seien überwiegend privatversichert gewesen. Die Gewinne hätten gestimmt, zumal er die zahntechnische Arbeit selbst habe erledigen können.

Als er die Chance gesehen habe, in Lappland in „aufsichtsführender Funktion” weiter tätig sein zu können, habe er die Praxis auf die Schnelle verkaufen wollen. Aber die meisten Interessenten habe die Quadratmeterzahl und die Miete der Räume abgeschreckt.