Düren: Der Verteidigungsminister schlägt in Düren nachdenkliche Töne an

Düren: Der Verteidigungsminister schlägt in Düren nachdenkliche Töne an

Ein Bundesverteidigungsminister in Düren — das kommt nicht alle Tage vor. Dürens Geschichte als Garnisonsstadt endete bekanntlich mit der Schließung der Panzerkaserne Ende März 1997. Klar, dass ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt am Donnerstagabend nicht fehlen durfte, als Dr. Thomas de Maizière auf Einladung des CDU-Kreisvorsitzenden und Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Rachel die CDU beim Neujahrsempfang auf Schloss Burgau auf das Wahljahr 2013 einstimmte.

Und Dürens Bürgermeister Paul Larue nutzte die Gelegenheit, dem Minister gleich einen Wunsch mit auf den Weg zu geben: „13 Jahre nach der Außerdienststellung des Minensuchbootes Düren wäre es doch schön, wenn die Stadt wieder die Patenschaft über ein Boot übernehmen könnte“, betonte Larue.

Noch heute gebe es gute Kontakte zur letzten Düren-Besatzung, die sich immer noch um das örtliche Kinderheim kümmere. „Ich weiß, die großen Boote sind Bundesländern und Großstädten vorbehalten“, sagte Larue mit einem Schmunzeln. „Aber es gibt ja auch wieder kleinere.“

Nachdem Thomas Rachel eingangs die erfolgreiche Arbeit der schwarz-gelben Bundesregierung in den vergangenen Jahren auch an vier Beispielen aus dem Kreis Düren festgemacht hatte — den Erhalt der Bundeswehrstandorte Nörvenich und Jülich, die zusätzliche Sprachförderung in zwölf Kitas im Kreis, die gerade erst beschlossene Anfinanzierung der Dürener Ostumgehung und die Schaffung von 600 zusätzlichen Arbeitsplätzen im Forschungszentrum Jülich — stimmte Thomas de Maizière zu Beginn des Wahljahres auch nachdenkliche Töne an.

Wahlen würden nicht nach Lautstärke und der Zahl der Versprechen gewonnen. „Wahlen werden über Vertrauen entschieden“, schrieb der Minister den über 400 Gästen im Winkelsaal von Schloss Burgau ins Stammbuch.

Dass viele Deutsche Angst haben, die Politiker seien überfordert und der Berufsstand insgesamt ein schlechtes Image genieße, habe Gründe, betonte de Maizière. „Wir müssen bescheidener sein, dürfen unseren Einfluss nicht überschätzen und den Eindruck erwecken, wir würden die ganze Welt regieren“, mahnte der Minister.

„Wir können nicht jedes Unrecht in der Welt bekämpfen, auch nicht mit Soldaten“, sprach de Maizière von einem begrenzten Wirkungsmechanismus in einer auf allen Ebenen globalisierten Welt.

„Aber wir können auch nicht wegsehen. Nichts in der Welt kann uns in Deutschland egal sein.“ Um diesen offensichtlichen Widerspruch aufzulösen, sei ein Blick auf die deutschen Interessen wichtig.

Aber, und das machte der Staatsrechtler unmissverständlich deutlich, sei internationale Verantwortung Teil der deutschen Interessen. „Wer in allen Bereichen der Politik mitreden will, darf sich in der Sicherheitspolitik nicht zurückhalten“, warb Thomas de Maizière für mehr Akzeptanz bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

Und weil er an diesem Abend viel über Ehrlichkeit und Vertrauen als Grundsätze erfolgreicher Politik gesprochen hatte, machte der Verteidigungsminister auch deutlich, dass der Erhalt des Fliegerhorsts Nörvenich nicht Ergebnis intensiven Werbens der örtlichen Bundestagabgeordneten oder der NRW-Ministerpräsidentin gewesen sei, sondern einzig und allein Ausfluss einer sicherheitspolitischen Analyse der künftigen Aufgaben der Bundeswehr.

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