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Dürener Achse nur zweispurig: Der Versuch auf der Aachener Straße verursacht Frust

Dürener Achse nur zweispurig : Der Versuch auf der Aachener Straße verursacht Frust

Unmittelbar nach Ende der Annakirmes ist auf der Aachener Straße ein Verkehrsversuch gestartet worden, der an den ersten beiden Tagen zu verschiedenen Zeiten lange Staus verursacht hat – und Abbiegefrust.

Sowohl in Richtung Rölsdorf als auch in Richtung Innenstadt gibt es nur eine Fahrspur. Es ist mitunter ausgesprochen schwierig, von der Valencienner auf die Aachener Straße abzubiegen. Man braucht Sitzfleisch, weil sich auf der nun nur einen Spur von der Monschauer Straße in Richtung City phasenweise keine Lücke auftut. Und das beschränkt sich nicht auf die klassischen Stoßzeiten. Wenigstens am Montag und Dienstag war das auch außerhalb dieser „Rushhours“ zu beobachten. Dabei steht der Höhepunkt der Verkehrsbelastung auf dem Versuchsstück noch bevor.

Den erwartet Ben Savelsberg, Tiefbauamtsleiter der Stadt, am nächsten Montag erst, wenn wieder „Volllast“ auf den Straßen herrschen dürfte: mit Pendlern, Schulbussen und Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen. Von daher will der Experte aus der Stadtverwaltung nach eineinhalb Tagen noch keine voreiligen Schlüsse ziehen – „es ist einfach noch nicht das normale Verkehrsaufkommen“.

Savelsberg und sein Team haben sowohl Zählgeräte als auch fast ein Dutzend Kameras installiert, die später Daten zum Verkehrsversuch liefern. Es sei schon davon auszugehen, dass sich die Mengen an Fahrzeugen auf der Aachener Straße (und auch der Valencienner Straße) verändern, wenn sich die Maßnahme herumgesprochen hat.

„Die Autofahrer fahren erst mal rein, stehen dann da, aber merken sich das und wählen beim nächsten Mal Ausweichrouten“, erklärt Savelsberg. Im Falle von Linksabbiegern von der Valencienner Straße wäre das eine Kreuzung zuvor die Tivolistraße.

Der Versuchzeitraum jetzt ist auf Initiative der Koalition „Zukunft“ (SPD, Grüne, BfD und Bunte Liste) gewählt worden, weil hier praktisch der Annakirmes-Zustand fortgeschrieben wird. Zwei Unterschiede gibt es natürlich schon: Die Kirmes findet in den Ferien statt, was Pendler- und Schülerströme erheblich reduziert. Und zweitens ist diese Maßnahme in der Rummel-Zeit schon hinlänglich bekannt, so dass viele Frauen und Männer am Steuer diesen Bereich ohnehin umfahren, wenn möglich.

Grundlegend soll das Real-Experiment (im Gegensatz zu Simulationen im Vorfeld) nun auch Erkenntnisse liefern, ob mit nur noch einer Spur je Richtung eine bessere Lösung für Fahrradfahrende auf der Aachener Straße gefunden werden kann. 2019 gab es bekanntlich einen tödlichen Unfall, bei dem ein Lastwagen einen Radler erfasste. Bislang hat die Verwaltung als Veränderung des heutigen Zustands vorgeschlagen, einen 2,50 Meter breiten Weg für Radler und Fußgänger zwischen Johannesbrücke und der Kreuzung Rurstraße/Elberfelder Straße zu schaffen.

Koalition sieht Gefahrenpotential

Hier sehen aber sowohl die Koalition im Stadtrat als auch die Initiative ProRad zu viel Gefahrenpotential. Mit der Versuchsabsperrung jetzt stehen sowohl den Kraftfahrzeugen als auch den Radlerinnen und Radlern pro Richtung je eine Spur zur Verfügung. Und die Gehwege und Parkplätze am Seitenrand bleiben ebenfalls bestehen. Getestet werden soll das bis zum 22. August, wie die Mehrheit im Stadtrat beschlossen hat.

Die CDU ist strikt gegen den Plan. Eine Hauptverkehrsachse wie die Aachener Straße dürfe in ihrer Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt werden. Die größte Oppositionspartei im Stadtrat hatte für den Fahrradverkehr eine Ausweichroute vorgeschlagen, die wiederum die Mehrheitskoalition ablehnt.

Zum laufenden Experiment plädiert Georg Schmitz (Grüne), Vorsitzender des Aussschusses für Mobilität, Umwelt und Klimaschutz, für ein wenig Geduld. „Je länger der Test läuft, desto aussagekräftiger wird er. Wir wollen deutlich machen, dass wir verantwortungsvoll die beste Lösung finden.“ Und die jetzt provisorische Versuchsführung besitze noch Potenzial: zum Beispiel bei den Ampelschaltungen, die derzeit nicht optimiert sei, aber für den Abbiegeverkehr optimiert werden könne.

Auf die Frage, ob es auch die Möglichkeit eines Versuchsabbruchs gebe, wenn sich tatsächlich chaotische Zustände zeigen sollten, sagte Schmitz: „Die Option besteht grundsätzlich.“ Er sehe dafür im Moment aber noch keinen Anlass.