Simonskall: Der legendäre B. Traven kehrt nach Simonskall zurück

Simonskall: Der legendäre B. Traven kehrt nach Simonskall zurück

Noch bis in die Nachkriegsjahre gehörte der deutsche Schriftsteller B. Traven zu den meistgelesenen Autoren der Welt. Seine sozialkritischen Romane wurden in viele Sprachen übersetzt und erreichten eine Gesamtauflage von 40 Millionen Exemplaren. Der Autor hat Klaus Dauven zu einer Kunstaktion inspiriert, die noch bis zum 26. Oktober in Simonskall gezeigt wird.

Die Lebensgeschichte B. Travens gleicht der eines freien, rebellischen Menschen, der sich seiner Identität entledigte, um sich selbst unter zahlreichen Pseudonymen neu zu erfinden.

Man geht davon aus, dass er Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland geboren wurde und man weiß, dass er im März 1969 in Mexiko-City verstorben ist. Noch heute sind Literaturwissenschaftler, Journalisten und Filmemacher damit befasst, das Rätsel seiner Herkunft und seines wirklichen Namens zu ergründen, um der legendären Schriftsteller-Figur B. Traven genauere Konturen geben zu können.

Ganz auf seine Weise — nämlich mit einem Hochdruckreiniger — tat dies jetzt der ebenfalls weltweit agierende Dürener Künstler und diesjährige Kunstpreisträger Klaus Dauven, der den geheimnisumwitterten B.Traven mit einem ihm eigenen, scharf konturierten Reverse-Graffiti auf die verwitterte Wand eines alten Schuppens nach Simonskall zurückholte — zumindest für eine Zeit lang, bis nämlich Flechten und Moose das verlorene Terrain wieder zurückerobert haben.

Von dort blickt der Meister der Verwandlung nun hinüber zur historischen Kremer-Mühle, wo er als Ret Marut nach der Flucht aus München zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Irene Mermet bei den Freunden von der Kalltalgemeinschaft Unterschlupf gefunden hatte. Wegen seiner Beteiligung an der Münchener Räteregierung von 1919, als Beauftragter für das Zeitungswesen, war er von einem Schnellgericht der siegreichen Konterrevolutionäre bereits zur standrechtlichen Erschießung abgeurteilt worden, hatte jedoch mit Hilfe eines Freundes noch fliehen können.

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