Der Kreis Düren setzt auf ein alternatives Tankstellennetz

Reaktion des Kreises auf den Klimanotstand : Das alternative Tankstellennetz wächst

Zwei größere Dachflügel spenden darunter reichlich Schatten. An der Oberseite hat die Sonne vollen Zugriff. Photovoltaikmodule mit einer Leistung von zehn Kilowatt/Peak liefern regenerative Energie, die von Fahrzeugen mit Elektromotor getankt werden kann. Die Solartankstelle auf dem Parkplatz am Kreishaus an der Bismarckstraße ist neu und wird von der Rurenergie GmbH betrieben, die mehrheitlich dem Kreis gehört. Es ist ein erster Bestandteil eines alternativen Tankstellennetzes, das zu wachsen beginnt.

Wir haben ja auf breiter Ebene im Kreistag die Klimanotlage ausgerufen“, erklärt Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) den Hintergrund dieses Tuns, das demnächst auch Zapfstellen für Wasserstoff umfassen soll. Der Kreis hat beim Land den ersten Förderantrag für eine solche „Tanke“ gestellt, die auf dem Gelände der Dürener Kreisbahn an der Distelrather Straße entstehen soll. Das geschieht nicht von ungefähr, denn hier können binnen knapp fünf Minuten die ersten Autos und später auch die bestellten zehn mit Wasserstoff betriebenen Busse betankt werden.

Die ÖPNV-Gefährte werden 2020 erwartet und sollen rund 6,5 Millionen Euro kosten. Schon in naher Zukunft (Ende August/Anfang September) werden zwei wasserstoffbetriebene Mercedes-Modelle in Düren erwartet, die dem Kreis und einem Taxiunternehmen zur Verfügung gestellt werden. Das sind im weitesten Sinne Testfahrzeuge, die aus einer Vorserie stammen und nicht käuflich erworben werden können, sagt Wolfgang Spelthahn. Etwas später kommt ein Toyota dazu, der an die 80.000 Euro kostet. Hierfür gibt es auch Zuschüsse vom Land, das den Differenzbetrag zu einem Dieselfahrzeug übernimmt.

Wenn die geplanten Maßnahmen alle gefördert werden, sollen insgesamt fünf Wasserstoff-Tankstellen entstehen: auf dem Gelände des Campus in Aldenhoven, im Bereich Forschungszentrum/Brainergy-Park in Jülich, auf den Liegenschaften der Bundeswehr in Nörvenich und auf dem Bahnhofsgelände in Düren.

Dieses Engagement sieht der Landrat als aktive Handlung gegen den Klimanotstand. „Der ist ja unbestreitbar. Aber jetzt nichts zu tun, kann nicht der richtige Weg sein. Wir müssen Chancen ableiten“, sagt Spelthahn. Die Wasserstoffoffensive des Kreises sei dafür ein Beispiel, denn durch den Einsatz dieser alternativen Antriebstechnik profitiere zum Beispiel auch ein Jülicher Unternehmen (Nproxx), das bei der Herstellung von Wasserstofftanks zu den führenden Anbietern gehöre.

Die erste Tankstelle in Distelrath soll „grünen Wasserstoff“ liefern, der mit Hilfe einer abgeschriebenen Windkraftanlage erzeugt und über eine 2,3 Kilometer lange Pipeline in den Dürener Osten transportiert wird.

Politikern ist bewusst, dass die neue Technik auch noch auf Vorbehalte stößt: zum Beispiel auf Ängste, dass nun Fahrzeuge mit hochexplosiven Tanks verstärkt unterwegs sein werden. Da hilft aus Sicht von Wolfgang Spelthahn und der Kreispolitik nur Aufklärung. Auf dem Kreishaus-Gelände in Düren soll daher ein Wasserstoff-Infozentrum eingerichtet werden, ein zweites mit zeitlichem Versatz im Nordkreis.

Die Stromtankstelle auf dem Kreishausgelände kann übrigens von jedem, der ein Elektroauto betanken will, genutzt werden. An drei Säulen können maximal sechs Fahrzeug-Akkus geladen werden. Dazu bedarf es allerdings einer Karte, die bei der Rurenergie GmbH zu erhalten ist. Weitere Informationen unter 02421/126-100. Um die Schranken zu öffnen, muss man klingeln und darf auf den Parkplatz des Kreishauses – allerdings nur für die Zeit des Ladevorgangs.

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