Niederzier/Merzenich: Der jüngste Chef in der Geschichte des Tagebaus Hambach

Niederzier/Merzenich: Der jüngste Chef in der Geschichte des Tagebaus Hambach

Das politische Klima für Braunkohleverstromung in Deutschland war schon einmal besser. „Als Partner der Erneuerbaren Energien aber wird sie auch in den kommenden Jahren unverzichtbar sein.“ Der Mann, der das voller Überzeugung sagt, heißt Thomas Körber.

Der Bergbauingenieur steht seit dem 31. Juli an der Spitze des Tagebaus Hambach. Er ist verantwortlich für 1400 RWE-Kumpel und zwischen 500 bis 700 Mitarbeiter von Fremdfirmen, die dafür sorgen, dass im Tagebau Hambach jährlich rund 40 Millionen Tonnen Kohle gefördert werden.

Der Familienvater aus Merzenich ist mit seinen 42 Jahren der jüngste Chef in der knapp 40-jährigen Geschichte des größten RWE-Tagebaus, kann aber bereits auf reichlich Erfahrung zurückgreifen. Unter anderem leitete er bereits zwei kleinere Tagebaue der RWE-Tochter Matra in Ungarn.

Körber ist dankbar für das Vertrauen, dass der RWE-Vorstand in ihn setzt: „Für einen Bergbauingenieur ist die Leitung eines Tagebaus wie Hambach eine herausragende Aufgabe“, betont der 42-Jährige, für den der bis 2045 genehmigte Tagebau Hambach kein Neuland ist. Körber startete seine RWE-Karriere 1998 bereits in Hambach. Er war zunächst in der Produktion tätig, leitete später die Wasserwirtschaft, bevor er in den Tagebau Garzweiler und schließlich in die Kölner Hauptverwaltung von RWE Power wechselte.

Arbeits- und Emissionsschutz

Wie sein Vorgänger Hans-Joachim Bertrams hat das Thema Arbeitsschutz für den neuen Tagebauleiter absolute Priorität. Aber auch der Emissionsschutz zum Schutz der Bevölkerung in den umliegenden Orten liegt ihm am Herzen. „Wir geben heute jährlich rund zehn Millionen Euro für den Emissionsschutz aus“, erklärt der Tagebauchef. Er verweist auf die Begrünung von Böschungen, vor allem aber die Bedüsung von Bandanlagen und Baggern. Maßnahmen, die es früher in dieser Form nicht gegeben habe, die aber nicht ohne Erfolg geblieben sind. „Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW hat uns gerade erst betätigt, dass der vom Tagebau ausgehende Anteil an der Feinstaubbelastung von 20 auf elf Prozent zurückgegangen ist“, betont Körber. „Ein Beleg, dass unsere Maßnahmen greifen.“ Auch das Thema Rekultivierung steht ganz oben auf Körbers Agenda. „Sie ist so etwas wie unsere Visitenkarte, das, was wir in der Region hinterlassen.“

Und bergbautechnisch? Auch hier warten in den kommenden Jahren Herausforderungen auf Körber und sein Team. Zwar sind alle größeren Projekte im Vorfeld des Tagebaus entweder abgeschlossen wie die A4- und die Hambachbahnverlegung oder sie befinden sich wie die Umsiedlung von Manheim und Morschenich in der Umsetzung, dafür muss die Braunkohle aus immer größerer Tiefe gewonnen werden. „Wir werden noch einmal 60 bis 70 Meter tiefer gehen müssen, ohne dass sich negativ das auf die Förderleistung auswirken darf.“ Auch die Überbaggerung der ehemaligen Tiefbaugrube Union 103 bei Morschenich bleibe eine große Aufgabe, erklärt Körber, der ein funktionierendes Team hinter sich weiß. „Bergbau ist ein Mannschaftsspiel, in dem jedes Rad ins andere greifen muss“, betont der 42-Jährige, der sich manchmal mehr Wertschätzung der Bevölkerung für die Arbeit im Tagebau wünscht. „Schließlich sorgen die Jungs bei Wind und Wetter dafür, dass die Kohleschaufel voll ist und die Kraftwerke laufen.“

Mit konstruktiver Kritik an der umstrittenen Braunkohleverstromung kann der 42-Jährige nach eigenen Angaben leben. „Nicht jeder muss unsere Arbeit mögen, wenn aber Mitarbeiter gefährdet werden und bei Sachbeschädigungen, ist das Maß voll“, betont Körber mit Blick auf die Aktivisten im Bereich Morschenich.

Ob und gegebenenfalls wie sich der wirtschaftliche Druck, der auf RWE lastet, in Zukunft auch auf die Belegschaft im Tagebau Hambach auswirken wird, lässt Körber offen. Er spricht zwar von ständigen Optimierungsprozessen, betont aber, dass für einen reibungslosen Betrieb nicht unbegrenzt Personal eingespart werden könne. Massive Veränderungen schließt er daher erst einmal aus.

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