Heimbacher Ort verliert Einwohner: Der große Wille, Vlatten zu erfrischen

Heimbacher Ort verliert Einwohner: Der große Wille, Vlatten zu erfrischen

Der Ort am östlichen Rand Heimbachs braucht sich nicht zu verstecken. Er wurde zum vierten Mal als „Silberdorf“ auf Landesebene ausgezeichnet und zählt rund 70 Betriebe aller Art, von denen viele seit Generationen in Familienhand sind.

Und mit Wind und Sonnenenergie erzeuge der Ort 30 Mal mehr Strom, als er benötige, betonen die Bürger. Darauf sind die Vlattener stolz.

Steht seit Jahren zum Verkauf: die ehemalige Kneipe ist für 210.000 Euro zu haben. Zuvor hatte sie für 120000 Euro den Besitzer gewechselt, sagt Simon Wilden. Foto: Rose

Diejenigen, die sich aber intensiver mit der Entwicklung ihres Ortes beschäftigen, haben gemerkt, dass die Einwohnerzahl seit dem Jahr 2000 von mehr als 1000 auf nun unter 900 geschrumpft ist. „Diese Entwicklung müssen wir aufhalten“, betont Simon Wilden. „Wir brauchen wieder mehr junge Familien. Die Nachfrage ist da, es gibt freie Grundstücke und leerstehende Häuser — aber die Preise sind eindeutig zu hoch.“

Simon Wilden führt einen Sanitärbetrieb im Ort und arbeitet in einem Arbeitskreis mit, der Vlatten mit verschiedenen Projekten zukunftsfest machen will. Die Ideen sind teilweise bereits vor der und über die Arbeit im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ entstanden. Leerstand und demografischer Wandeln haben jetzt die höchste Priorität.

Wilden und seine Mitstreiter, größtenteils auch Unternehmer, sind also durch den Ort gefahren. Sie haben freie Grundstücke und leerstehende Häuser gezählt, sich mit der Stadt Heimbach ausgetauscht, auf Immobilienplattformen im Internet recherchiert. 30 freie Grundstücke und 16 leerstehende Häuser haben sie gezählt. Diese Anzahl würde zwar nicht mal zehn Prozent der Häuser im Ort entsprechen, sagt Wilden, für den Arbeitskreis belegen sie aber das generelle Problem. Das Wohnangebot ist da, aber die Eigentümer wollen ihre Häuser — unter anderem mit Blick auf Kinder und Enkelkinder — nicht verkaufen. Die Preise seien mitunter auch zu hoch angesetzt. „Wir haben schon viele Gespräche geführt, man kennt sich ja untereinander“, sagt Wilden. „Wir wollen erreichen, dass man sich Gedanken macht, wo der Ort in zehn Jahren stehen will.“

Gespräche werde es weiter geben, betont Oliver van Gagern. „Noch stehen wir ja erst am Anfang. Wir wollen gemeinsam mit den Eigentümern Ideen entwickeln, denn wir können ja niemandem vorschreiben, wie er mit seinem Eigentum umgeht“, sagt der Unternehmensberater und Eigentümer der Vlattener Burg, der den Arbeitskreis geleitet hat. „Das große Problem entsteht, wenn irgendwann 30, 40 Häuser leerstehen. Denn verliert der Ort seine Vitalität.“

Ein Experte für alte Häuser und speziell Denkmalpflege ist der Architekt Johannes Prickarz, ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises. Er zieht gerne einen Vergleich zu der Gemeinde Nettersheim im Kreis Euskirchen. In seinen Augen ein Paradeort. „Die Gemeinde macht sehr viel in der Hinsicht, und das sieht man auch. Dort hat sich eine Person hauptamtlich um das Thema gekümmert und alle möglichen Fördertöpfe angegraben“, sagt Prickarz.

Mit Fördertöpfen meint der Architekt die für die Denkmalpflege. Entsprechende Projekte an alten Häusern fördert das Land mit 50 Prozent, die andere Hälfte zahlt die Kommune. Problem in Heimbach ist, dass sich die Stadt im Haushaltssicherungskonzept befindet und daher kaum Möglichkeiten hat, Zuschüsse zu beantragen, weil sie den Eigenanteil nicht stemmen kann. Johannes Prickarz will daher den Weg zur Verwaltung suchen, um „andere Möglichkeiten zu finden, um die Finanzierung anzugehen“.

Positive Signale von der Stadt

Ein großes Anliegen des Arbeitskreises ist es, erklärt Simon Wilden, auf dem freien 4400 Quadratmeter großen Grundstück neben der Festhalle eine neue Ortsmitte entstehen zu lassen. Im besten Fall mit einem Café-Bistro — denn eine Kneipe hat der Ort zum Beispiel nicht mehr, das Gebäude steht seit Jahren zum Verkauf. Den Preis jenes freien Grundstückes kritisiert Wilden scharf: „Mehr als 70 Euro Bodenrichtwert, und das Grundstück muss noch erschlossen werden. Das kann sich keine junge Familie leisten.“

Die Stadt Heimbach stehe voll und ganz hinter der Initiative aus dem Ort und gebe auch die nötige Unterstützung, sagt Frank Pick, Fachbereichsleiter für Planen und Bauen. „Wir verfolgen das gleiche Ziel und wollen Vlatten voranbringen, das gilt aber für jeden Stadtteil“, sagt Pick. „Zu einzelnen Projekten in den Stadtteilen gibt es derzeit jedoch noch keine fundierten Ergebnisse.“

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