Düren/London: Der FC zwischen Randale und großer Euphorie

Düren/London: Der FC zwischen Randale und großer Euphorie

Nachdem die Dürener Fans ihren „Effzeh“ in der Nacht noch kräftig gefeiert haben, wurde am Montagmorgen ernst: Als in London eine Bombe explodierte, waren fünf FC-Fans aus der Region nur ein paar Kilometer entfernt. „Wir haben die Sirenen gehört, viele Leute haben uns geschrieben, ob es uns gut geht“, erzählt Nino „Pelle“ Pelzer.

Der FC-Fan aus Obermaubach und seine vier Kumpels konnten schnell Entwarnung geben. „Wir haben dann im Internet gelesen, was überhaupt passiert ist und uns auf den Heimweg gemacht.“

Die Fan-Krawalle und die Explosion haben die Jungs aus dem Kreis Düren nur am Rande mitbekommen. Nach ihrem Trip an die Themse überwiegen für die FC-Anhänger die unvergesslich schönen Erinnerungen echter Fußballfans und die Vorfreude aufs Rückspiel.

„Die ersten 45 Minuten in London haben den vermasselten Saisonauftakt wieder wettgemacht. Die Leistung stimmte, da stand ein Team auf dem Platz, das richtig Bock hatte, und die Stimmung im Stadion war einfach unbeschreiblich.“ Maurice Berger aus Düren war dabei, als ausgerechnet „Chancentod“ Jhon Córdoba in der zehnten Minute aus 35 Metern Entfernung den unerwarteten Führungstreffer für den 1. FC Köln landete. „Das muss man einfach selbst erlebt haben“, sagt der FC-Anhänger.

Eine Halbzeit lang durften die Fans feiern, singen, jubeln — und auch ein bisschen hoffen. „Als das 3:1 gefallen war, wurde es dann aber doch ein bisschen ruhiger. Zum Abschluss haben wir den FC dann aber wieder lautstark gefeiert.“

Natürlich hat Maurice Berger auch die unschönen Seiten des Gastspiels mitbekommen. Mit anderen Fans hat er lange vor den verschlossenen Stadiontoren gestanden. „Bei Tausenden Fans ist eben auch das eine Prozent dabei, das Ärger macht“, sagt er.

Den Block zu stürmen

Er hat gesehen, wie einige FC-Anhänger versuchten, den Block zu stürmen und Türen zu öffnen, an denen sie nichts verloren hatten. Er kritisiert aber auch das bedrohliche Vorgehen der Reiterstaffeln. Bedrohlich für ihn selbst sei die Situation aber nicht gewesen. „Irgendwann kam der Vorsänger raus und hat gesagt, dass alle sich benehmen sollen. Sonst drohe ein Abbruch des Spiels“, erzählt Maurice Berger. Aber dann ging es endlich um Fußball — und dann zeigten sich die Kölner Fans von ihrer allerbesten Seite.

Maurice Bergers Freunde hatten es sich derweil in einem Pub gemütlich gemacht, um dort mit Arsenal-Fans die Partie zu verfolgen. „Dort war es friedlich und freundschaftlich“, erzählt Nino „Pelle“ Pelzer, der mit Kevin Schumacher, Andreas Becker und Peter Schüler in London unterwegs war. Und es war voll, schließlich tummelten sich Tausende FC-Fans in der Stadt an der Themse. „Viele Pubs waren hoffnungslos überfüllt, an einigen hingen Schilder, dass dort nur Arsenal-Anhänger gucken dürfen“, beschreibt „Pelle“ Pelzer.

Seine Stimme ist hörbar angeschlagen, als er am Montagmorgen auf dem Rückweg zum Fähranleger in Dover ans Telefon geht. „Wir hatten unseren Spaß, es war einfach genial“, resümiert der Obermaubacher. Der „Effzeh“ einmal international — für ihn und seine Freunde ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen — auch wenn die Jungs, anders als gehofft, keine Tickets mehr bekommen haben und sich über das Verhalten der randalierenden FC-Anhänger ärgern mussten.

„Der Fanmarsch vom Treffpunkt zum Stadion war einfach nur gut. Unbeschreiblich, emotional“, erzählt „Pelle“ davon, wie die FC-Anhänger singend und klatschend durch Londons Straßen gezogen sind. Und als Córdoba dann die Führung erzielte, habe es im Pub kein Halten mehr gegeben. Und wie war es, ein FC-Spiel ohne „Kölsch“ zu gucken? „Zuerst gewöhnungsbedürftig, nach dem dritten Bier aber egal“, sagt „Pelle“ lachend.

Die Niederlage hat die Stimmung dann auch nur bedingt getrübt. „Ein bisschen war es ja zu erwarten“, sagen die Fans unisono. Arsenal London sei halt schon eine andere Liga. Umso erfreulicher, dass der FC sportlich gesehen erhobenen Hauptes zurückfliegen konnte.