Isweiler/Gey: Der Bunker von Isweiler: Ein unbequemes Denkmal

Isweiler/Gey: Der Bunker von Isweiler: Ein unbequemes Denkmal

„Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ — mit diesen Worten ist der „Tag des offenen Denkmals“ am kommenden Sonntag überschrieben. Ein solches „unbequemes Denkmal“ ist der Bunker in Isweiler. Er soll der einzige erhaltene Kommandostand der Flugabwehrzone West sein, der heute in NRW noch erhalten ist. Man vermutet ihn nicht zwischen Maisfeldern und Bäumen.

Das gewellte Dach über den Mauern auf einer Wiese lässt nicht erahnen, das von hier Kriegskommandos erteilt wurden.

Luftschutzbunker und Treffpunkt für Verliebte: Der Bierkeller in Gey hat eine bewegte Geschichte. Helmut Rösseler wird davon erzählen. Foto: Sarah Maria Berners

Der Bunker war Teil der Luftverteidigungszone West — einem Gürtel von Flugabwehrbatterien, die sich östlich des Westwalls erstreckten. In unmittelbarer Nähe waren die Flugabwehrkanonen (Flak) positioniert. In dem Bunker liefen die Fernmeldeverbindungen zusammen, dort wurden Anweisungen entgegengenommen und ausgeführt.

Der Bunker war der Kommandostand für die Flak-Untergruppen Frauwüllesheim, Golzheim und Kelz. Die Besatzung zählte 24 Mann, die in Baracken untergekommen waren. Eines der Mannschaftslager, ein langgezogenes Häuschen, ist heute noch in Isweiler zu sehen.

Im Kalten Krieg wurde der Bunker vom Kreis Düren als Ausweichsitz für den Katastrophenschutz im Verteidigungsfall ausgebaut. „160.000 D-Mark wurden damals investiert“, weiß Jörg Dietsche von der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte. Unter anderem wurde ein Luftfilter eingebaut. Anfang der 1990er Jahre wurde aus dem Bunker ein Aktenlager der Gemeinde Nörvenich.

2006 hat sich die AG des Bunkers angenommen. „Wir wollen den Ort erhalten, um an die Geschehnisse zu erinnern. Er soll Mahnung und Erinnerung sein“, erklärt Jörg Dietsche. Der Arbeitsgemeinschaft gehe es vor allem darum, junge Menschen zu erreichen, damit sie aus der Vergangenheit lernen könnten.

Die Organisatoren des „Tags des offenen Denkmals“ wissen, dass die Existenz von NS-Bauten manchmal umstritten ist, aber sie weisen auch darauf hin, dass diese daran erinnern, dass Menschen unterdrückt wurden, dass gekämpft und gelitten wurde, dass Menschen starben. Daher stuft die Deutsche Stiftung Denkmalschutz diese Bauwerke als „bedeutende Zeitzeugen“ ein, die von den schwierigen bis katastrophalen Bedingungen ihrer Entstehungszeit berichten. So will die AG am Sonntag von 10 bis 17 Uhr zeigen, dass Orte, die heute interessant oder schön wirken, oft sehr bewegte Geschichten erzählen.

Bewegt ist auch die Geschichte des Bierkellers in Gey, der zum ersten Mal beim Tag des Denkmals zu sehen ist (11 bis 17 Uhr). Eigentlich blickt der Keller auf eine fröhliche Geschichte zurück: Seit dem 16. Jahrhundert lagerten dort die Fässer der Brauerei Reinartz aus Gey. Zehn Stufen führen in das dunkle Gewölbe hinab, die Temperatur ist mit zehn bis zwölf Grad konstant.

Viel später, nach dem Krieg, wurde der Ort zum Treffpunkt verliebter Pärchen. Einige Menschen aus Gey — zum Beispiel Ortsvorsteher Helmut Rösseler — haben gute Erinnerungen an den lauschigen Platz vor den Eingangsmauern: „Dort trafen wir uns zum Flirten“, erzählt Rösseler. Schließlich sei es ein schummriger Ort gewesen, abseits von den Augen der Erwachsenen. Für die Karnevalsgesellschaft „Löstige vom Bierkeller“ war der Ort namensgebend.

Aber auch der Bierkeller hat seine Seiten „jenseits des Guten und Schönen“: Während des Zweiten Weltkrieges stiegen die Menschen dort hinab, um bei Angriffen Schutz zu suchen. „Im Bierkeller haben sich amerikanische Soldaten und die Anwohner aus den umliegenden Häusern bei Angriffen aufgehalten“, weiß Ortsvorsteher Helmut Rösseler.

Nach dem Krieg gab es keine Brauerei mehr in Gey. In den 70er Jahren wurde der Keller aus Sicherheitsgründen zugeschüttet. Weil das den Bürgern missfiel, packten sie an und legten das Gewölbe 1995 wieder frei. Als einer der Helfer einen Eimer voll Erde ausschüttete, kullerten ihm zwei Handgranaten vor die Füße. Weitere Zeugnisse der Geschichte.

Der Bierkeller liegt nahe dem Forsthaus Hubertushöhe, Dürener Straße 102, Gey. Weg zum Bunker: An der Landesstraße 264 zwischen Kelz und Frauwüllesheim nach Isweiler abbiegen und dann den ersten Feldweg nach rechts nehmen.

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