Düren: „Der Arbeitslose”: Intensives Spiel vor grandioser Kulisse

Düren: „Der Arbeitslose”: Intensives Spiel vor grandioser Kulisse

Man sah nicht nur doppelt bei der Premiere des Theaterstücks „Der Arbeitslose” im Haus der Stadt, sondern gleich drei- oder vierfach. Regisseurin Marion Kaeseler besetzte die Rollen der Protagonisten gleich mehrfach.

Für die Zuschauer im vollbesetzten Saal entstanden so Wort-Wellen-Bewegungen, die Szenen wogten über die gesamte Bühne in einem fantastischen Bühnenbild, das Celine Leuchter entworfen hatte. Sie hatte in Kooperation mit der Job-com und der Low-tech Düren die Vor- und Hinterbühne in ein Schiffsdeck verwandelt. Das bildete einen vorzüglichen äußeren Rahmen zu einem Zitat aus dem Text „Gibt es eine Gemeinschaft auf einem untergehenden Schiff?”

Das Publikum erlebte eine gelungene Uraufführung des Werkes von Erna Schiefenbusch, die dieses Stück vor ihrer Zeit als Intendantin des Dürener Theaters (1937 bis 1944) geschrieben hatte. Die neue Künstlergruppe „Ernas Erben” setzte dieses Projekt um. Es gelang überwiegend trefflich, das sprachlich anspruchsvolle Stück auf die Bühne zu bringen.

Überraschend sicher und stark im Ausdruck agierten die Mimen, der enge Kontakt zu den Zuschauern und die direkte Ansprache verliehen den Auftritten in manchen Szenen eine immense Intensität. Bewundernswert die Leistung der Spielleiterin, trotz Schwächen einiger Mitglieder, das Ensemble als funktionierendes Ganzes, als einheitliches Gesamtbild zu formen.

So überzeugte die Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeitslosigkeit. Die Ängste und Sorgen der Jugend vor der beruflichen Zukunft sowie die damit verbundene Unsicherheit und Angst wurden greifbar und erschütterten dank des intensiven Spiels. Vor allem von den Darstellerinnen des „Konrads”, der trotz eines guten Examens erfolglose Bewerbungen als Architekt schreibt.

Dann aufgrund von Beziehungen eine Chance erhält, die ihm aber ein ehemaliger Studienkollege durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen vor der Nase wegnimmt. Konrads Selbstbewusstsein sinkt zunächst ins Bodenlose, dann wächst der Rachegedanke bis hin zu Mordlüsten.

Mimik und Gestik, mal sparsam angewandt, dann wieder fast inbrünstig, packten die Zuschauer, ließen sie - auch wegen rasanter Regieeinfälle - zu stummen Teilnehmern werden an diesem Bühnenversuch, den Unterschied zwischen einem „guten” und einem „schlechten” Arbeitslosen darzulegen, sich mit Vorurteilen und Klischees auseinanderzusetzen.

Der besondere Reiz dieses Theaterabends, dargeboten von hoch motivierten und sehr talentierten Amateurschauspielern zwischen 16 und 69 Jahren, war das etwas ungewöhnliche Aufführungskonzept: Das ernste Thema wurde mit alten Shanties verbunden, bekannte Seemannslieder erhielten neue Wortzeilen, es wurden komödiantische Züge in das Drama eingearbeitet, Sorgen und Nöte der Lebenslust gegenübergestellt, und vor dem dramatischen, offenen Ende erklang noch „Junge, komm bald wieder”. Das Lächeln erstarb jedoch schnell auf den Lippen. Der Beifall aber nicht.

Das Premierenpublikum feierte Darsteller und Regisseurin, und es dankte mit dem Applaus auch den Mitgliedern der Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft, die diesen Theaterabend im Haus der Stadt ermöglicht hatten.