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„Den Kindertagesstätten fehlt die Lobby”

„Den Kindertagesstätten fehlt die Lobby”

Kreis Düren. Max kniet mit seinen Freunden auf dem Fußboden, spielt mit einem Kreisel - mitten in dem Gruppenraum der katholischen Kindertagesstätte St. Anna.

Immer wieder geht die Türe auf und zu: Weitere Kinder treffen ein. Es ist kurz nach acht Uhr. In der Dürener Kindertagesstätte St. Anna hat der (All-)Tag längst begonnen.

Die Stimmung aber, sie könnte sicherlich besser sein. Denn: Wie in vielen der 105 Kindertagesstätten im Kreis werden hier von Erziehern, Eltern und Verwaltungsmitarbeitern die derzeitigen Planungen der rot-grünen Landesregierung mit Sorge verfolgt. Zwar ist noch nichts beschlossen, aber die NRW-Sparpolitik könnte schon im kommenden Jahr die Einrichtungen treffen. Derzeit ist unter anderem die Rede von einer Streichung der so genannten Sachkostenpauschale um rund 20 Prozent.

„Mit den Geldern aus der Pauschale werden beispielsweise Zutaten zum Kochen, Bastelzubehör oder Spielsand angeschafft”, erklärt Gisela Baumsteiger, Leiterin der Tagesstätte St. Anna. Muss also künftig an Weihnachtsplätzchen oder neuen Spielen gespart werden? Oder müssen sogar ganze Gruppen geschlossen werden?

Derartige Szenarien möchte in der Tagesstätte St. Anna niemand malen. Dennoch: Ganz konkret könnten schon 2004 - vorausgesetzt die Landesplanungen werden umgesetzt - in jede der vier Gruppen der Tagesstätte 1916 Euro weniger fließen. „Die katholischen Einrichtungen im Kreis stehen wahrscheinlich vor Landesmittelkürzungen in Höhe von 270000 Euro”, sagt Rolf Brandenburg, Verwaltungsleiter der Kirchengemeinde St. Anna: „Das Bistum kann diese Summe nicht kompensieren.” Im Gegenteil: Auch im Bistum wird eher über Kürzungen nachgedacht.

„Wir haben Ideen entwickelt, wie wir die Kosten decken können”, beruhigt derweil Manfred Savelsberg, Leiter des städtischen Jugendamtes. Der laufende Betrieb in den Einrichtungen werde sicherlich nicht betroffen sein. Und aus dem Kreisjugendamt heißt es: „Wir warten erst einmal ab.” Schließlich wisse niemand genaues.

Für Gisela Baumsteiger aber steht fest: „Diese Sparvorschläge sind kontraproduktiv.” Schließlich werde seit der Veröffentlichung der Bildungsstudie Pisa darüber diskutiert, was eine Kindertagesstätte alles leisten soll.

„Wir müssen jetzt beispielsweise für jedes Kind eine Bildungsdokumentation erstellen”, sagt Baumsteiger, die schon jetzt nicht weiß, wie sie dies mit ihren acht Mitarbeiterinnen bewältigen soll. Überstunden seien bereits die Regel. „Den Kindertagesstätten fehlt die Lobby”, betont auch Rolf Brandenburg.

So manche Einrichtungsleiterin und Erzieherin quälen momentan zudem noch andere Sorgen. Im katholischen Kindergarten St. Michael in Lendersdorf musste eine Gruppe geschlossen werden, die Rölsdorfer Einrichtung St. Nikolaus stellte ihre Arbeit ganz ein. Grund war jeweils die mangelnde Auslastung: Die Kinder fehlen.