Nideggen: Das Zuhause von Walter Löb ist der Campingplatz, auch im Winter

Nideggen: Das Zuhause von Walter Löb ist der Campingplatz, auch im Winter

Winterliche Stille herrscht auf dem Campingplatz Hetzingen. Neben den Hauptwegen ziehen sich nur wenige Spuren durch den Schnee. Sie stammen hauptsächlich von Vögeln und Katzen. Fußspuren zu Wohnwagen oder Hütten muss man lange suchen, denn Menschen sind keine zu sehen.

Einzig aus dem schlanken Schornstein eines Holzhauses steigt Dampf. Walter Löb renoviert gerade. Da seine Frau zur Kur ist, hat er im Moment sturmfrei, normalerweise lebt das Paar aber gemeinsam auf der Doppelparzelle im südwestlichsten Eck des Platzes. Und das rund ums Jahr.

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Der Winter, so erzählt Walter Löb, sei seine liebste Jahreszeit. „Sie hören nichts. Die absolute Ruhe“, schwärmt der Rentner. Einsam wird es ihm nicht. „Wir sind gern für uns allein.“ Genau das ist für ihn auch einer der Vorteile, die das Leben auf dem Campingplatz mit sich bringt. Auf das Gelände komme nicht jeder Hinz und Kunz. Damit Hand in Hand geht aber der größte Nachteil für Walter Löb: Weil abends die Schranke heruntergeht, ist er — zumindest mit dem Auto — nicht sehr flexibel.

Falls er spätabends oder in der Früh weg möchte, muss er das Auto schon vorher außerhalb des Geländes abstellen. „Das war für mich die größte Umstellung und hat sich am Anfang angefühlt, als sei man von 22 bis 7 Uhr eingesperrt. Zum Teil fühlt es sich heute auch noch so an, aber ich habe mich dran gewöhnt. Anfangs war das aber ganz schlimm.“

Aber der Vorteil der Abgeschiedenheit überwiegt für den Hobbyheimwerker. In seinem ehemals mobilen, jetzt stationären Heim hat er immer genug zu tun. Besonders in die Fassade steckt er im Sommer einige Arbeitsstunden. Hinter der Holzverkleidung verstecken sich rund 40 Quadratmeter Wohnraum: In einem großen kanadischen Wohnwagen befinden sich Schlafzimmer, Bad und Arbeitsbereich. Direkt damit verbunden ist das Holzwohnhaus mit Küche und Wohnzimmer, eine weitere Sitzgelegenheit mit Blick auf den Garten gibt es in einem kleinen Anbau. Reichlich Stauraum bieten ein Kriechkeller und eine separate Garage.

Mietwohnung in Düsseldorf

Ob es denn nicht kalt sei, in seinem Heim auf dem Campingplatz, wird Löb manchmal gefragt. Darauf kann er nur noch müde lächeln und mit dem Kopf schütteln. „Hier im Haus und nebenan im Wohnwagen gibt es Heizkörper. Wir sind hier nicht von allem abgeschnitten, es gibt Anschlüsse für Gas, Strom, Frischwasser, Abwasser. Telefon und Internet haben wir natürlich auch“, sagt er mit einem Dialekt, der noch an seine bayerische Heimat erinnert.

Seit 55 Jahren lebt Löb im Rheinland. Er zog im Alter von 15 nach Düsseldorf, wo er auch heute noch eine günstige Wohnung mietet, an deren Adresse er seinen Hauptwohnsitz angemeldet hat. Das geht aus baurechtlichen Gründen auf dem Campingplatz Hetzingen nicht.

Hier lebt Walter Löb erst seit sieben Jahren, seine Frau aber bereits seit zwei Jahrzehnten. Beide waren verwitwet und kannten sich schon mehrere Jahre, als sie 2009 zueinanderfanden. „Wir haben uns nicht gesucht, aber trotzdem gefunden“, sagt Löb lächelnd. Seine alte Wohnung in der Nachbarschaft des Campingplatzes war ihm mit 100 Quadratmetern zu groß, also zog er mit in das Holzhaus.

Dort ist natürlich einiges anders als vorher: „Am Fußboden ist es etwas frischer als oben, und es knackt und knarrt öfter. Hier ist Leben im Haus“, erzählt Löb. Vor allem aber sei er viel häufiger an der frischen Luft. „Eigentlich haben wir hier das ganze Jahr lang Urlaub“, sagt er zufrieden, aber schiebt noch hinterher: „Wenn wir doch mal was anderes sehen wollen, fahren wir an die Nord- oder Ostsee. Und dann in eine Ferienwohnung.“

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