Das "Treibkraft.Theater" gastiert im Gymnasium Kreuzau

„Treibkraft-Theater“ in Kreuzau : Verwirrend und lehrreich zugleich

Wie begeistert man heutige Jugendliche von politischen Themen? Wie diskutiert man mit Menschen einer anderen Generation über gesellschaftliche, soziale und kulturelle Probleme und Veränderungen? Für Philipp Gregor Grünberg und Matthias Damberg heißt die Antwort: mit interaktivem Theater. Jetzt traten sie im Gymnasium Kreuzau auf.

Die beiden professionell ausgebildeten Schauspieler arbeiten bei der freien Theatergruppierung „Treibkraft.Theater“, die von Damberg und seiner Frau vor drei Jahren gegründet wurde. Neben anderen Theaterprojekten, ist das Programm „Bin ich rechts?“ eines der Herzstücke der Schauspieler. Das Stück, auch als theatraler Politomat bezeichnet, wird hauptsächlich in Klassenzimmern aufgeführt und richtet sich an Schüler ab der 10. Klasse, aber auch an älteres, interessiertes Publikum.

Die Theateraufführung im Gymnasium Kreuzau begann mit einer inszenierten Bundestagswahl. Jeder der beiden Kandidaten bekam eine Hälfte der Klasse als eigene „Wahlfraktion“. Grünberg als „Michael Schmidt“ vertrat die fiktive Partei GRA und Damberg als „Ferdinand von Berg“ die SGG auf der Gegenseite. So startete das Stück noch langsam mit politischen Diskussionen, humorvollen Einlagen und einer großen Sammlung an Argumenten, die gemeinsam mit den Schülern zusammengetragen wurden. Nach einem Feueralarm änderte sich die Szenerie, es wird extremer und emotionaler.

Die beiden Darsteller traten aus ihren Rollen heraus und nannten sich nach ihren scheinbar richtigen Namen. Sie wollten der Klasse ihre „wirkliche politische Meinung“ mitteilen und nicht die ihrer Kunstfiguren. Grünbergs neuer Charakter Jens stellte sich als politisch rechtsorientiert heraus und argumentierte gegen Flüchtlinge, plädierte für Patriotismus und war der Überzeugung, dass alles manipuliert sei. Dambergs Figur Andre hielt dagegen und sprach sich für Hilfe und Offenheit aus. Dann eskalierte die Situation und es kam zu Gewalt. Jens fesselte Andre an einen Stuhl, verprügelte und folterte ihn.

Der Klassenraum wurde still und niemand wusste, ob es sich noch um Theater handelte oder man eingreifen sollte. Kurz darauf erhielten die jungen Zuschauer die Auflösung: Das Stück war zu Ende, die beiden Darsteller traten vor die Klasse und verbeugten sich. Es brauchte einen Moment, ehe die Schüler die gerade gesehene Szenerie verarbeiten konnte.

„Wie habt ihr euch gefühlt, als ich dort am Boden lag?“, fragte Damberg die Klasse. Die Antwort war fast überall dieselbe. Ein Hin und Her, ob man was dagegen tun sollte oder es einfach zum Schauspiel gehörte. Die Echtheit und Ernsthaftigkeit der Szene waren überwältigend. „Es ist das Ziel mit dieser Szene, die Zivilcourage in jedem von euch anzusprechen“, schilderte Grünberg. „Die extreme, rechte Einstellung von Jens entspricht zu 100 Prozent nicht meiner persönlichen Meinung“, fügte er hinzu, um die letzten geschockten Gesichter davon zu überzeugen, dass alles Schauspiel war.

Durch harte Situationen das Publikum zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Eingreifen bewegen, ist das erklärte Ziel des Theaterstücks. Gerade durch die verschwindenden Grenzen zwischen Echtheit und Theater wird jeder aufgefordert, genau hinzusehen und nachzudenken. Es ist absichtlich verwirrend konzipiert, fast genauso wie die tatsächliche, politische Landschaft und Meinungsverschiedenheiten.