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Düren: Das Sprachrohr für 101 Schausteller

Düren : Das Sprachrohr für 101 Schausteller

Über 150 Schausteller erwarten ab heute wieder mehr als 800.000 Besucher zur Annakirmes, rund die Hälfte kommt aus der Region. Sie gehören dem 1962 gegründeten „Verband Reisender Schausteller Düren” (VRS) an, einem von 92 Schaustellerorganisationen in der Bundesrepublik unter dem Dach des Deutschen Schaustellerbundes.

Für die meisten der 101 VRS-Mitglieder ist die Annakirmes der Höhepunkt auf der jährlichen Reise, auch wenn eine Verbandsmitgliedschaft nicht automatisch einen der begehrten Annakirmes-Stellplätze mit sich bringt. Über die entscheidet der Dürener Steuerauschuss nach Attraktivität und Qualität der Geschäfte. Die Herkunft des Schaustellers ist kein Kriterium.

Große Identifikation

Und doch ist die Identifikation der VRS-Mitglieder mit dem größten Volksfest der Region verständlicherweise sehr groß, betont der Rödinger Bert Cremer, der seit 2007 als Nachfolger des Düreners Rolf Giebel Vorsitzender des VRS ist. Deshalb lädt der Dürener Schaustellerverband seit Jahrzehnten das Kinderheim St. Josef und die Senioren der Dürener Arbeiterwohlfahrt zum Kirmesrundgang ein. Er finanziert den für Besucher kostenlosen P&R-Service zum Kirmesplatz und kümmert sich um das von den Schaustellern bezahlte Brillant-Feuerwerk.

Aber auch abseits des größten Volksfestes der Region ist der VRS aktiv. Hauptaufgabe ist die „rechtliche und wirtschaftliche Sicherung des Gewerbes”, erklärt Bert Cremer, „wobei der Erhalt und die Sicherung der traditionellen Volksfeste, Kirmessen und Weihnachtsmärkte im Vordergrund steht.” Wenn nötig, tritt der VRS auch als Veranstalter auf, so zum Beispiel beim Dürener Trödelmarkt oder viele Jahre lang bei der Jülicher Christinakirmes.

Gleichzeitig ist der Verband der Ansprechpartner für Vereine, die eine Dorfkirmes ausrichten. „Wenn es dort Probleme gibt, versuchen wir zu helfen und Schausteller zu vermitteln”, erklärt Bert Cremer wohl wissend, dass die Privatisierung von Festplätzen und das Sterben traditioneller Schützenfeste und kleiner Dorfkirmessen die ganze Branche vor große Herausforderungen stellt.

Und das sind beileibe nicht die einzigen. Gerade erst hat Bert Cremer beim Landesumweltministerium erreicht, dass er und seine Kollegen für die Umweltzonen, beispielsweise in Köln, keine Feinstaubplaketten benötigen. „Eine Umrüstung unserer Fahrzeuge wäre in den meisten Fällen gar nicht möglich”, betont der VRS-Vorsitzende. Und Neuanschaffungen kann sich bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage kaum ein Schausteller leisten.

Andere „Vergünstigungen”, die der Deutsche Schaustellerverband ausgehandelt hat, sind die Befreiung von der Lkw-Maut und vom Sonntagsfahrverbot auf Autobahnen. „Das Schaustellergewerbe braucht keine Subventionen, sondern lediglich durch faire Rahmenbedingungen die Luft zum Atmen”, betont Cremer mit Blick auf immer neue Verordnungen oder massive Probleme bei der Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter.