Stadtplanung: Das Schiff Birkesdorf kommt in Bewegung

Stadtplanung : Das Schiff Birkesdorf kommt in Bewegung

Ursula Mölders sagt es mit einem passenden Bild: „Wenn das Schiff erstmal losgefahren ist, kommt vieles in Bewegung.“ Ursula Mölders ist Stadtplanerin. Das Schiff, das sie gerne in Bewegung versetzen möchte, ist der Dürener Stadtteil Birkesdorf, genauer gesagt die Bürger, die dort leben.

Das, was für die Stadt Düren der Masterplan ist, soll für Birkesdorf das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept werden. Ursula Mölders von der Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH aus Köln wird dieses Konzept entwickeln, begleitet von Landschaftsarchitekten, einem Büro für urbane Mobilität und natürlich der Stadt selbst.

Ähnlich wie beim Masterplan wird es sich um einen langfristigen Prozess handeln. Ausgangspunkt ist ein Rahmenplan für den zentralen Kernbereich von Birkesdorf, der bereits 2016 erstellt worden war, erklärt Dr.-Ing. Inken Tintemann vom Amt für Stadtentwicklung. Bereits vor zwei Jahren war eine Bestandsaufnahme erstellt worden – als Grundlage für das Einzelhandelskonzept.

Im neuen Entwicklungskonzept sollen nun die Defizite des Stadtteils genau analysiert werden. Themen wie die Aufenthaltsqualität im Zentrum oder die Verkehrsproblematik stehen dabei im Mittelpunkt. Aber nicht nur. Ursula Mölders: „Wir wollen alle Themenkomplexe analysieren, den Status Quo beschreiben und vorstellen und vor allem wissen, was die Menschen sich für ihren Stadtteil wünschen.“ Deswegen werden die Bürger von Anfang an in die Entscheidungsprozesse mit eingebunden. So hat es bereits im vergangenen Jahr einen Workshop mit Vertretern von Vereinen gegeben und am Freitag einen Workshop zu der Frage, wie der Friedensplatz künftig gestaltet werden kann. Mitte November steht dann ein Planungswochenende in der Birkesdorfer Festhalle an, bei dem alle Birkesdorfer ihre Anregungen vortragen können.

Als Ortskern kaum zu erkennen: Die zentrale Mitte von Birkesdorf soll neu gestaltet werden. Foto: B. Giesen

„Unser Eindruck bisher ist, dass es eine sehr hohe Zufriedenheit der Birkesdorfer mit ihrem Stadtteil gibt, dass es viele aktive Vereine gibt, die auch intensiv miteinander kooperieren und dass die Birkesdorfer gerne hier Leben und Wohnen“, schildert Ursula Mölders ihre ersten Erfahrungen.

Dr.-Ing. Inken Tintemann (links) von der Stadtverwaltung und Stadtplanerin Ursula Mölders arbeiten am Stadtteilentwicklungskonzept für Birkesdorf. Foto: B. Giesen

Sie hat bei ihrer Begehung aber auch festgestellt, wo es aus ihrer Sicht Bedarfe gibt. So etwa beim Thema Wohnen: „In den 1950er bis 70er Jahren gab es in Birkesdorf immer wieder Erneuerungsprozesse. Inzwischen ist die Bausubstanz aber eher überaltert.“ Gerade für junge Familien, die sich in Birkesdorf niederlasen wollten, könnten die Häuser also nicht mehr attraktiv sein. Wie beim Masterplan könnte also ein Förderprogramm Sinn machen, um Investitionen der Eigentümer anzuregen.

Genau an diesem Punkt landet Mölders dann auf dem eingangs erwähnten Schiff, das sie in Bewegung versetzen möchte: „Wenn zwei Nachbarn ihr Haus modernisieren, kann das einen Dominoeffekt auslösen“, sagt sie. Für Mölders geht es aber auch darum, den Ortsteil deutlich attraktiver zu gestalten: „Wir wollen den Ortskern rund um die Kirche erlebbar machen“, erläutert sie.

Zusätzliche Grünflächen sollen her, kurz: es geht um Aufenthaltsqualität. Oder um Themen wie die Anbindung des neuen Wohngebietes für junge Familien an den Ortsteil. Denn eines ist Ursula Mölders besonders aufgefallen: „Bei meiner Begehung habe ich nicht ein Kinderfahrrad vor einer Haustür gesehen. Wo halten die Kinder sich am Nachmittag auf?“

Es geht also auch um Aufenthaltsqualität für Kinder, idealerweise in Verbindung mit einer Reduzierung des hohen Verkehrsaufkommens, damit sich Kindern auch im Ortszentrum sicherer bewegen können. „Die Verkehrsströme zu entschleunigen kann dazu führen, dass sie sich verlagern“, hofft Mölders, und baut darauf, Durchgangsverkehr verlagern zu können.

Auch wenn das Schiff bereits in Bewegung ist: Bis es sein Ziel erreicht, werden noch Jahre vergehen. Wie erwähnt soll das erste Planungswochende Mitte November stattfinden, ein zweites nach Karneval. Im Frühsommer soll die Planung dann der Politik vorgestellt werden. Im Sommer 2019 könnte das Stadtteilentwicklungskonzept dann beschlossen werden. Der entsprechende Förderantrag an die Bezirksregierung dürfte dann Ende 2019 vorliegen. Mit einer Umsetzung der Maßnahmen ist also nicht vor 2021 zu rechnen.

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