Niederau: Das Rurtalbahn-Hupen stört die Ruhe

Niederau : Das Rurtalbahn-Hupen stört die Ruhe

Das Wohngebiet rund um die Tuchmühle in Niederau liegt beschaulich am Ortsrand unweit der Rur. Vom Verkehr auf der vielbefahrenen Kreuzauer Straße, nur wenige Hundert Meter entfernt, ist nichts zu hören. Die Ruhe aber wird aus Sicht der Anwohner regelmäßig von der Rurtalbahn gestört.

Dabei ist es nicht einmal das Geräusch der Triebwagen, das sie seit Jahren stört, sondern das gesetzlich vorgeschriebene Hupen der Lokführer am technisch nicht gesicherten Bahnübergang Tuchmühle, direkt neben der Haltestelle.

Dass Anwohner von einer nicht mehr hinnehmbaren Lärmbelästigung und Minderung der Lebensqualität reden, ist nicht neu. „Das war eines der ersten Themen, mit denen ich mich beschäftigen durfte, als ich 2006 bei der Rurtalbahn angefangen habe“, berichtet der heutige Planungschef Christoph Gödecke. Dabei habe sich an den Rahmenbedingungen in all den Jahren nichts geändert. Angesichts der wenigen Fußgänger und Radfahrer, die den Bahnübergang auf dem Weg vom und zum Rurufer-radweg nutzen, sei eine technische Sicherung prinzipiell nicht erforderlich.

Das aber bedeutet, dass der Lokführer bei Erreichen des Bahnübergangs zweimal hupen muss — wenn er aus Richtung Heimbach bei Bedarf an der Haltestelle stoppt, auch ein drittes Mal. Dauer und Stärke des Signaltons sind vorgeschrieben, um die Passanten auf die nahende Bahn aufmerksam zu machen. „Einen Spielraum gibt es nicht“, betont Gödecke, auch wenn die geforderten 120 Dezibel irgendwo zwischen Presslufthammer und startendem Düsenjet liegen. „Einzige Möglichkeit, das Hupen abzustellen, ist eine technische Sicherung des Bahnübergangs, der wir uns nicht verschließen würden, sollte der Wunsch an uns herangetragen werden.“

Kosten von 400.000 Euro

Das Problem: Der Ausbau des wenig benutzten Übergangs ist mit Kosten von mindestens 400.000 Euro verbunden, die sich das Land NRW, die Rurtalbahn und die Stadt teilen müssten, wobei Bahn und Kommune ihrerseits auch noch Fördermittel beantragen können, die Stadt bis zu 70 Prozent für ihr Drittel.

Doch daran hapert es. Noch im September 2017 hat der Verkehrs- und Bauausschuss die Verwaltung einstimmig beauftragt, Verhandlungen mit der Rurtalbahn aufzunehmen. Dann jedoch wurde es versäumt, notwendige Planungsmittel im Doppelhaushalt 2018/19 einzuplanen, vom städtischen Ausbauanteil von 40.000 bis 50.000 Euro ganz zu schweigen.

So erhielt der Bezirksausschuss Anfang Juli vom Tiefbauamt die Nachricht, dass die „Maßnahme aufgrund der fehlenden Mittel erst in der nächsten Haushaltsperiode“ angegangen werden kann. Seitens der Rurtalbahn macht Christoph Gödecke deutlich, dass die Planungen ihrerseits auch frühestens 2020 aufgenommen werden könnten. Bis dahin sei man personell mit dem Ausbau der Bördebahn- strecke ausgelastet.

Jetzt muss sich der Bezirksausschuss am Donnerstag, 6. September, erneut mit dem Thema Bahnübergang Tuchmühle beschäftigen.