Düren: Das neue Papiermuseum: Architektur, die beeindruckt

Düren : Das neue Papiermuseum: Architektur, die beeindruckt

Für Harald Meisenberg war es wie eine Rückkehr an den Ort seiner Jugend: Seine Familie hatte schon vor dem Zweiten Weltkrieg auf dem heutigen Gelände des Papiermuseums einen Mineralölbetrieb eröffnet. „Guck mal, da haben wir immer gespielt“, sagt Meisenberg zu seiner Schwester beim Blick aus dem Museum in den Garten.

In der Halle des damaligen Betriebes wurde Jahrzehnte später das Papiermuseum eingerichtet. Heute ist mit dem Um- und Erweiterungsbau kaum noch zu erkennen, wo die Grenze zwischen altem und neuem Museum verläuft — diese Erfahrung konnten neben Harald Meisenberg und seiner Schwester etwas mehr als 25 weitere Abonnenten unserer Zeitung machen, die am Donnerstag zu einer exklusiven Baustellenführung durch das Museum eingeladen waren.

Der neue Werkraum im Obergeschoss greift das Thema des gefalteten Papiers wie an der Fassade wieder auf. Foto: Burkhard Giesen

„Wir wollten dem schweren Bau des Hoesch-Museums etwas Leichtes gegenüberstellen“, erklärt Architekt Klaus Hollenbeck beim gemeinschaftlichen Blick auf die Fassade des Hauses. Die Idee, diese wie gefaltetes Papier erscheinen zu lassen, mit einer sichtbaren Prägung und einem Wasserzeichen, überzeugt: „Architektur soll den Inhalt zeigen“, sagt Hollenbeck. Papier wieder wertzuschätzen und mit Emotionen zu verknüpfen, wird auch das Ziel der Ausstellungskonzeption sein, die Hollenbeck für das neue Museum entwickelt hat.

Der Anbau des Dürener Hoesch-Museums und jetzt der Erweiterungsbau des Papiermuseums sind auch für Helmut Harperscheidt, Leiter des Amtes für Gebäudemanagement bei der Stadt, die herausragenden Projekte seiner Arbeit. Seit genau 30 Jahren ist er bei der Stadt beschäftigt. Als gelernter Bauzeichner hat er Architektur studiert und zunächst in der freien Wirtschaft gearbeitet, bevor er 1988 zur Stadt Düren kam und noch eine Beamtenausbildung absolviert hat. Auch Harperscheidts Architektenaugen leuchten, wenn er etwa die Fassade des Papiermuseums betrachtet oder den neuen Werkraum betritt. Dass er dennoch in eine Verwaltung gewechselt ist, hat einen simplen Grund: „Als Architekt war ich zwar kein schlechter ‚Entwerfer‘, aber eben nicht der Künstler, sondern der Organisator.“ Planung, Vorbereitung und Bauleitung haben ihn stets mehr interessiert und deswegen schätzt er es besonders, wenn er heute auf Architekten trifft, mit denen er „künstlerische Entwürfe in das Machbare umsetzen“ kann. Wie vor Jahren auch die Sanierung des Rathauses sind es besondere Projekte, aber nicht der Alltag.

„Gestalten, entwerfen, bauen“

Harperscheidt hat bei der Stadt angefangen, als es noch ein Hochbauamt gab. Gebäudemanagement, also der Betrieb der Räumlichkeiten samt Folgekosten, waren damals noch ein Fremdwort. Mit dem neuen Amt für Gebäudemanagement konnte er sich anfangs nicht so recht anfreunden. „Ich habe die Grundeinstellung zu meinem Beruf verändern müssen und mich vom Saulus zum Paulus entwickelt“, sagt er heute.

„Gestalten, entwerfen, bauen — und nach uns die Sintflut“ sagt er etwas überspitzt formuliert, wie früher geplant wurde. „Wenn man die Gebäude, die man entwirft, auch betreiben muss, plant man sie ganz anders“, weiß er heute. Manchmal sind das nur Kleinigkeiten, wie etwa der sehr ausgedehnte neue Eingangsbereich im Rathaus. Der simple Grund: So soll möglichst wenig Dreck in das Rathaus hereingetragen werden. Rund 300.000 Quadratmeter Grundrissfläche verwaltet das Amt für Gebäudemanagement — das ist der Alltag.

Und es ist seine Aufgabe, der Politik Hinweise zu geben, wie diese Flächen möglichst optimal und kostengünstig zu nutzen sind. Dabei vertritt Harperscheidt seine Positionen durchaus offensiv. „Ich bin ein Baumensch. Da stößt man auch schon mal auf Gegensätze in einer Verwaltung“, sagt er etwa. Er scheut aber auch nicht die Konfrontation mit der Politik. „Man kann vieles diskutieren, aber nicht, wie man baut“, ergänzt er.

Dabei hat er sich alleine dadurch, dass er nach wie vor in Aachen lebt, den Blick von außen bewahrt. „Ich bin nicht involviert und kann neutraler agieren“, sagt er dazu. Von Neutralität konnte im übertragenen Sinne bei der Baustellenführung für unsere Leser keine Rede sein. „Das ist ein Schmuckstück“, fasst ein Leser den architektonischen Ansatz nach dem Rundgang zusammen. Er drückt aus, was spätestens im neuen Werkraum in der ersten Etage sichtbar wird — einen künstlerischen Entwurf in das Machbare umgesetzt zu haben und in der verbleibenden Zeit bis Anfang September mit Leben zu füllen. Um damit in der Stadt, in der heute noch mehr als 100 Betriebe von dem Werkstoff Papier leben, diesem Medium neue Wertschätzung zuteilwird.