Kanaleinsturz in der Renkerstraße: Das marode Kanalsystem und die Folgen im Dürener Südkreis

Kanaleinsturz in der Renkerstraße : Das marode Kanalsystem und die Folgen im Dürener Südkreis

Nach dem Einsturz des Hauptabwasserkanals in der Renkerstraße im Mai 2018 beginnt in wenigen Tagen die Erneuerung des betroffenen Abschnitts zwischen Gerhard-Fuß-Straße und der Rur auf einer Länge von rund 400 Metern.

Der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) geht mittlerweile davon aus, dass sich die Arbeiten bis Juni 2020 ziehen werden und damit deutlich länger dauern als zunächst erwartet. Dann erst kann das neue Abwasserrohr in Betrieb genommen und die provisorische Heberleitung abgebaut werden. Und es gibt noch etliche weitere Folgen.

Der Neubau wird nicht ohne Beeinträchtigungen für den Verkehr über die Bühne gehen. Stand heute muss die Renkerstraße zweimal vollgesperrt werden; voraussichtlich ab Ende August für zwei  und dann noch einmal ab Anfang Dezember für vier Monate, kündigt WVER- Projektleiter Georg Frings an, wobei die neuralgischen Punkte, allen voran das Krankenhaus und der Akzo-Industriepark, immer erreichbar bleiben sollen.

Bei den Kosten für die Sofortmaßnahmen nach dem Kanaleinsturz und für den Neubau kalkuliert der WVER mittlerweile mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag,  ohne sich zum jetzigen Zeitpunkt festlegen zu wollen.

Aber das sind bei weitem nicht die einzigen Kosten, die mittel- und langfristig auf die Kommunen  und damit auf die Bürger über die Abwassergebühren zukommen werden, die ganz oder in Teilen an die Kläranlage Merken angeschlossen sind: Düren, Kreuzau, Merzenich, Niederzier, Langerwehe. Die längst an die Kapazitätsgrenze gestoßene Kläranlage selbst muss nach einer Verfügung der Bezirksregierung Köln ab 2021 ausgebaut und ertüchtigt werden. Dazu kommt der Bau des 14 Kilometer langen Parallelsammlers von Merken bis Untermaubach, der den bestehenden Hauptabwasserkanal  nicht nur entlasten soll, sondern dessen immer noch fehlende und gesetzliche  vorgeschriebene vollständige (Erst-) Untersuchung und Sanierung erst ermöglichen wird. Die Kosten dieses Megaprojekts werden deutlich über den bisher im Raum stehenden 40 Millionen Euro liegen, kündigt WVER-Vorstand Dr. Joachim Reichert an.

Aufgrund zahlreicher Hindernisse hat sich das bereits seit 2009 aufgrund der Auslastung des bestehenden Hauptabwasserkanals, seiner nicht möglichen Inspektion und der  Sanierungsbedürftigkeit der Schächte diskutierte Projekt immer wieder verzögert. Nach der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens im Jahr 2016 mussten nach Aussage von WVER-Abwasserdezernent Thomas Rolfs erst noch komplizierte Fragen im Zusammenhang mit der A4-Querung, der Trinkwassergewinnung im Bereich Dr. Overhues-Allee und der Kollision der geplanten Trassenführung mit einer Haupttrinkwasserleitung in Lendersdorf  ausgeräumt werden.

Baugenehmigung bis Ende 2020

Die endgültige Detailplanung soll laut Joachim Reichert Mitte des Jahres vorliegen, damit das Planfeststellungsverfahren fortgesetzt werden kann. Der WVER-Vorstand hofft, dass dann bis Ende 2020 die Baugenehmigung vorliegen wird.  Immer vorausgesetzt, dass die Baupläne nicht noch beklagt werden, könnte dann Ende 2021 mit dem Bau des 14 Kilometer langen Parallelsammlers begonnen werden. Geplante Bauzeit: mindestens drei Jahre. „Vor Ende 2024 wird der Ersatzkanal nicht fertig sein“, betont Reichert. Daher diskutiert der  WVER derzeit mit der Bezirksregierung auch über die Möglichkeit, den Parallelkanal abschnittsweise zu bauen und in Betrieb zu nehmen.

Solange aber kann der Wasserverband nicht abwarten, um die erkannten Schäden an den Inspektions- und Reinigungsschächten des vorhandenen Hauptabwasserkanals zu reparieren.

Auch wenn keiner der gut 250 Schächte „akut einsturzgefährdet ist“ (Reichert), ist der WVER von der Bezirksregierung nach dem Fall Renkerstraße verpflichtet worden, das Gefahrenpotential mit einem unabhängigen Sachverständigen zu analysieren und eine Risikobewertung zu erstellen, damit es nicht doch noch zu einem zweiten Kanaleinsturz kommen kann.  Dabei habe sich herausgestellt, „dass wir an zehn bis 15 Schächten präventiv etwas tun müssen“, erklärt Reichert. 

Die Bauarbeiten werden nach Angaben des WVER bis Sommer 2020 gehen. Foto: ZVA/Jörg Abels

Ein Sanierungsprogramm werde derzeit mit der Kölner Aufsichtsbehörde abgestimmt.  Das hat massive Auswirkungen: Überall dort, wo ein Schacht zu erneuern ist, muss das Abwasser mit Druckpumpen und Rohrleistungssystemen umgeleitet werden. Dies wird zum einen im Straßenbereich Sperrungen zur Folge haben, zum anderen kommt es für die betroffenen Anlieger zur alles entscheidenden Frage: Hat der Kanalhausanschluss die erforderliche Rückstauklappe und wenn: Funktioniert sie auch?  Denn überall dort, wo das Abwasser zur Sanierung der Schächte umgeleitet werden muss, muss es kurzfristig auch angehalten werden, erklärt Thomas Rolfs.

Die Folge: Das Abwasser staut sich zurück und könnte  in nicht gesicherte Häuser eindringen. „Deshalb werden wir alle Anlieger rechtzeitig informieren und auffordern, ihre Kanalhausanschlüsse zu überprüfen“, kündigt Reichert an.  Da die Umsetzung dieses Sanierungsprogramms  zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen wird, soll es laut Reichert und Rolfs provisorische ad-hoc-Maßnahmen geben. Kritische Schächte werden mit Pollern abgegrenzt oder der auf ihnen lastende Druck mit Platten verteilt.

Zur Gesamthöhe der notwendigen Investitionen will sich der WVER vor der Information des Verbandsrates öffentlich nicht äußern. Erwartet aber werden darf eine hohe zweistellige, wenn nicht sogar dreistellige Millionensumme. Die wird die Kommunen und damit den Gebührenzahler aufgrund der Investition in die Infrastruktur aber nicht sofort in Gänze, sondern mit der Abschreibung über 67 Jahre belasten.