Kreuzau: Das lange Warten auf den Atlantik-Lachs

Kreuzau: Das lange Warten auf den Atlantik-Lachs

Der Lachs — für viele Menschen ist das in erster Linie ein leckerer Speisefisch. Für Hermann-Josef Koch als Angler und Vorsitzender des Kreisfischereivereins ist der „Salmo salar“ aus dem Atlantik „die Krone“, aber er ist noch mehr: „Der Lachs ist ein guter Indikator für den Zustand eines Gewässers“, sagt Koch.

Lachse, die munter die Rur hinaufschwimmen, um dort im November oder Dezember die Laichgewässer zu erreichen, wären für Koch und seine Mitstreiter, die sich seit Jahren für die Rückkehr des Fisches einsetzen, natürlich der Höhepunkt ihrer Bemühungen.

Florian und Pia aus der Klasse 4 der KGS „An der Rur“ nahmen die Patenschaftsurkunde entgegen. Foto: Berners

„Man braucht einen sehr langen Atem“, sagt Koch. Schon seit 20 Jahren haben die Angler aus dem Kreis Düren sich auch dieser Aufgabe verschrieben, brüten Jungfische aus und setzen sie in der Rur aus, machen sich für die Durchgängigkeit des Flusses stark.

Am Freitag hatten die Arbeitsgemeinschaft Lachs Eifel-Rur und die Hegegemeinschaft Roerdal mit Fischereiverbänden und der Stiftung Wasserlauf anlässlich des weltweiten Tags der Wanderfische zur Fischtreppe in Obermaubach eingeladen, wo Infostände aufgebaut waren und Reden gehalten wurden. Eigentlich hatte auch NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking zugesagt, dann schickte sie aber doch einen Vertreter: „Das Ziel ist es, dass der Lachs in zehn Prozent der ursprünglich von ihm besiedelten Gebiete zurückkehrt“, sagt Hubert Kaiser.

Bis der Lachs und zehn andere Wanderfische aber aus dem Meer über die Maas wieder in die Rur kommen können, sind allein in der Rur noch Dutzende kleine und einige große Hindernisse im Weg, in Heinsberg und in Linnich zum Beispiel.

„Einer EU-Vorschrift zufolge müssen alle Fließgewässer bis 2027 durchgängig sein“, erklärte der Ministeriumsvertreter — und das Erfüllen dieser Rechtsnorm käme dann auch dem Lachs und anderen Wanderfischen zugute.

Ökologische und ökonomische Belange

Hubert Kaiser betonte wie auch Paul Larue als Vertreter des Wasserverbandes, dass es bei allen Maßnahmen aber auch darum gehe, ökologische und ökonomische Belange zu vereinbaren sowie die Bedürfnisse der Industrie an der Rur zu beachten, denn die ist auf das stets verfügbare Wasser aus der Talsperre angewiesen.

Und weil der Lachs so schnell nicht kommt, weckt der Fischereiverein — allen voran Gewässerwart Hermy Hermanns — auch bei der nachfolgenden Generation Interesse.

Die Viertklässler der Obermaubacher Schule haben sich mit ihrem Lehrer Michael Stefinyn genau angeguckt, wie die Arbeit mit den Lachsen funktioniert und was die Lachse für Lebensbedingungen brauchen. Dafür sind sie am Freitag mit einer Patenschaftsurkunde ausgezeichnet worden. Und bald dürfen die kleinen Experten mit ihren großen Vorbildern die Lachse aus dem Bruthaus sogar in die Freiheit entlassen.

Im Ehrenamt setzen sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Lachs Eifel-Rur und die Fischer für die Ansiedlung des Lachses ein. Sie haben geeignete „Besatzgebiete“ kartiert und füttern die winzigen Lachse im Bruthaus an. Hermann Josef Koch vom Kreisfischereiverein bezeichnete den Lachs als „politisches Zugpferd“ für die Verbesserung von Gewässern für alle Arten. Etwa 100.000 Brütlinge werden jedes Jahr in Rur und Kall ausgesetzt. Dafür hat der Kreisfischereiverband bereits 15 Hektar geeignete Flussabschnitte kartiert — noch aber sind nicht alle Gebiete untersucht.

Die Eier, die zunächst ins Bruthaus kommen, stammen größtenteils aus Frankreich, aber auch schon von den 90 Rückkehrern, die seit 2003 in Roermond abgefangen wurden. Die Verantwortlichen werten diese Zahlen als großen Erfolg. Auch die rund 5000 abwandernden Lachse pro Jahr ließen auf gute Lebensbedingungen in der Rur schließen.

Vor etwa 100 Jahren ist der Lachs aus der Rur verschwunden. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Rhein pro Jahr noch bis zu 250 000 Lachse gefangen. Wegen der Verschmutzung des Gewässers und wegen Staubauwerken starb der Rheinlachs aus.

Am Samstag von 12 bis 18 Uhr kann das Bruthaus für Bachforellen und Lachse am Ende des großen Parkplatzes am Ortseingang in Obermaubach besichtigt werden.

Mehr von Aachener Zeitung