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Niederau: Das „Kölner Streichsextett“ spielt anspruchsvolle Werke von Johann Sebastian Bach

Niederau : Das „Kölner Streichsextett“ spielt anspruchsvolle Werke von Johann Sebastian Bach

Es fing recht bedächtig an. Das „Kölner Streichsextett“ mit Demetrios Polyzoides, Elisabeth Polyzoides-Baich (beide Violine), Rémy Sornin-Petit, Bernhard Oll (beide Viola) sowie Birgit Heinemann und Uta Schlichtig (beide Violoncello) begann im Konzertsaal von Schloss Burgau mit Johann Sebastian Bachs „Ricercar“ für sechs Stimmen aus dem „Musikalischen Opfer“.

Bach schrieb dieses Werk 1747 auf eine Bitte des Preußenkönigs Friedrichs des Großen. Der große Albert Schweitzer, bekannter Urwaldarzt und Bachbiograf, schrieb dazu: „Das sechsstimmige ‚Ricercar‘ ist wohl das satteste Fugenwerk, das je unter Bachs Hand entstanden ist.“ Schweitzer und mit ihm an diesem Konzertabend Moderatorin Dr. Gisela Hagenau vom Konzertforum „Cappella Villa Duria“ hatten in ihrer Beschreibung natürlich recht, denn als Anhörungsbeispiel für Kontrapunkt und Fuge eignet sich das „Ricercar“ hervorragend.

Im Fokus des Konzerts stand aber ein nicht ganz so bekannter Komponist: Erwin Schulhof (1894-1942). Schulhof war ein jüdischer Musiker, ein hervorragender Pianist und Komponist. Seine Lebensdaten lesen sich wie das Drama vieler jüdischer Künstler, die im Nazi-Reich Folter und Tod erfahren mussten. Erwin Schulhof komponierte sein Streichsextett schon im Jahre 1924. Der Erste Weltkrieg war schon Jahre vorbei, doch die Wunden noch nicht geheilt.

Ob Schulhof 1924 schon den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust voraussah? Möglich wäre es, wenn man dieses gewaltige Werk „Streichsextett 1924“ zu Rate ziehen würde. Die Zuschauer mussten sich jedenfalls an Einiges gewöhnen: ein überbordender Anspruch an die Technik der Streicher, Wechsel von gewalttätiger Musik, dumpf und ungeheuerlich bis hin zur Sanftmut. Die Sehnsucht vieler Gäste nach einer etwas erkennbaren Harmonie wurde nur in Ansätzen befriedigt. Wie aus einem Guss spielten die Streicher brillant und mit einer tiefschürfenden Empathie. Dunkle Farbtöne beschreiben die Katastrophen dieser Welt.

Dumpfe Cello-Töne

Einige Besucher äußerten später, dass dieses Werk Schulhofs ein passender Beitrag für Horrorszenarien in der Filmmusik bieten könnte. Erst gemeinsam, dann solistisch im Wechsel mit einer dissonanten Zwiesprache beherrschten die Instrumente das Leise und das Laute. Viele Eindrücke wirkten auf den Hörer ein, wenn dumpfe Cello-Töne, gestrichen oder gezupft, sowie helle Violinpassagen im Kampf um das Leben miteinander wettstritten. Beeindruckend die nahezu gehauchten Melodien der Celli, die kaum noch hörbar im unvermeidlichen Grauen verschwanden.

Gut gewählt war die dritte Komposition an diesem Abend: Johannes Brahms‘ „Streichsextett in B-Dur“. „Allegro, ma non troppo“, „Andante, ma moderato“ sind die beiden ersten Sätze überschrieben. Diese Komposition wiegelte nach dem zuvor Gehörten ab, beruhigte.

Die romantischen Melodien von Johannes Brahms überzeugten durch ihre melodische Schönheit. Viele Passagen könnten in den Reigen der Ohrwürmer aufgenommen werden. Tanzschritte wie in Melodien von Volksliedern überwogen in den ersten Sätzen, in den Sätzen 3 und 4 kehrte Brahms wieder zur klassischen Form zurück.

Ein wieder einmal gelungenes Konzert unter der Regie der „Cappella Villa Duria“ mit dem „Kölner Streichsextett“, das schon seit zwei Jahrzehnten in derselben Besetzung spielt und weiterspielen wird. Elisabeth Polyzoides-Baich erklärte ihr eigenes und das Tun ihrer Mitstreiter mit einem Satz: „In der Musik werden alle Lebensbereiche auf das Genialste verbunden.“