Düren: Das Dürener Volk gibt sich kaisertreu

Düren: Das Dürener Volk gibt sich kaisertreu

In Massen strömte das Volk am Wochenende in die „Villa Duria“, um mit dem „Historischen Annamarkt“ ein Kapitel Stadtgeschichte zu feiern. Und zur Eröffnung des Marktes jubelten die Menschen Bürgermeister Paul Larue zu, wie sie noch nie zu einer Eröffnung eines Marktes gejubelt hatten.

Weder bei Geranien, noch bei Bier. Zugegeben, es mag an der Moti­vationskunst des staatlich geprüften Marktaufsehers gelegen haben, der den „Jubelnden“ die für spontane Gemütsregungen so wichtigen Schlüsselworte und Befehle gab. Oder an der natürlichen Autorität und stimmungsaufhellenden Wirkung einer bewaffneten Horde Landsknechte...

Martialisch anmutend, aber freundlich gesonnen waren die Landsknechte bei ihrem Drill im Park Holzbenden (oben). Von der ersten Minute des Marktes an bestimmten Dudelsack und Trommel den Klang des Treibens. „Hexe“ Agatha Niffs (r.) wurde in einen Käfig gesperrt. Foto: Stephan Johnen

Druckmittel mittelalterlicher Art mussten aber von der Obrigkeit nicht eingesetzt werden. Die Menschen kamen freiwillig, um an der Zeitreise in die Jahre 1501 bis 1543 teilzunehmen. Samstags etwas verhaltener, dafür sonntags um so zahlreicher. Kein Wunder, hatten sich mit Kaiser Karl V. und dem Herzog von Jülich doch die Promis des ausgehenden Mittelalters angekündigt. Das Dürener Volk und die Gäste aus der Region gaben sich kaisertreu — und winkten beim historischen Festzug den mehr als 700 gekrönten und ungekrönten Häuptern zu, die Figuren aus der Stadtgeschichte darstellten und an die Blütezeit erinnerten, in der das Annahaupt von Mainz nach Düren kam. Samt aller Irrungen und Wirrungen, die ein solcher Diebstahl mit sich brachte. Moderator Manfred Schall oblag es, die einzelnen Gruppen und die Geschichten dahinter zu erklären, beispielsweise das Schicksal Agatha Niffs, der in Düren als vermeintliche Hexe der Prozess gemacht wurde. Die Theatergruppe „Ernas Erben“ hatte sich des Themas angenommen.

Martialisch anmutend, aber freundlich gesonnen waren die Landsknechte bei ihrem Drill im Park Holzbenden (oben). Von der ersten Minute des Marktes an bestimmten Dudelsack und Trommel den Klang des Treibens. „Hexe“ Agatha Niffs (r.) wurde in einen Käfig gesperrt. Foto: Stephan Johnen

Helmut Göddertz, Vorsitzender der ausrichtenden Arbeitsgemeinschaft Dürener Historienfeste, zog Sonntagnachmittag eine positive Bilanz der fünften Auflage des Marktes, an dessen Gestaltung sich auch viele Vereine, Gruppen, Museen und Schulklassen beteiligt hatten. „Der Samstag ist bisher immer der eher schwächere Tag gewesen, dafür war die Resonanz am Sonntag toll. Ich bin zufrieden. Beim Umzug war die Stadt richtig voll“, sagte Göddertz.

Abseits der Bühnen von Markt, Ahrweilerplatz und Kaiserplatz gab es ebenfalls das ganze Wochenende über etwas zu entdecken — sei es an den etwa 60 Ständen der Händler oder im Holzbendenpark. Dort hatten die Landsknechte ein Lager aufgeschlagen, das Besuchern offenstand. Neben dem Lagerleben konnten sich Besucher auch von „Loki Galgenvogel“ auf musikalische Weise vom Leben eines Landsknechtes berichten lassen. Anders als im Jahr 1543 blieb die Stadt am Ende des Marktes unzerstört.

Mehr von Aachener Zeitung